Die havarie der „Pallas“ : Vor 15 Jahren kam die Ölpest

Löscharbeiten im Meer vor Amrum: Der Holzfrachter „Pallas“ brannte viele Wochen.
Löscharbeiten im Meer vor Amrum: Der Holzfrachter „Pallas“ brannte viele Wochen.

Die „Pallas“-Havarie haben die Föhrer und Amrumer nicht vergessen – und auch ihre Forderung nach einer Nationalen Küstenwache nicht. Das Havariekommando in Cuxhaven reicht nicht aus, heißt es von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste.

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08. November 2013, 17:00 Uhr

Es ist ein Tag, der sich ganz tief ins kollektive Gedächtnis der Föhrer und Amrumer eingebrannt hat: Heute vor 15 Jahren landete das erste Öl aus dem havarierten Holzfrachter „Pallas“ an den Inselstränden – es war der Beginn einer Ölpest, die rund 16 000 Seevögeln das Leben kostete und deren Auswirkungen die Insulaner noch lange beschäftigte.

Zwei Wochen vorher, am 26. Oktober, war der italienische Frachter vor Esbjerg in Brand geraten und führerlos in deutsche Gewässer gedriftet. Bergungsversuche scheiterten, schließlich strandete das brennende Schiff ein paar Seemeilen westlich von Amrum. Die „Pallas“ hatte als Treibstoff rund 600 Tonnen Schweröl und rund 150 Kubikmeter Diesel geladen – Öl, das nach und nach auslief.

Ein milder, sonniger Sonntag war es, an dem die Flut das Öl nach Föhr und Amrum brachte. Sirenen riefen die Feuerwehren an die Strände, wo die Einsatzkräfte mit Schaufeln bewaffnet versuchten, der schwarzen Pest Herr zu werden. Beißender Ölgestank lag in der Luft und immer wieder waren Schüsse zu hören. Jäger erlösten Vögel, deren Gefieder von einer dicken Ölschicht bedeckt war, von ihren Qualen. Nicht nur Feuerwehrleute und Jäger waren an die Strände geeilt, auch viele freiwillige Helfer, sogar Kinder, die bei den Reinigungsarbeiten mit anpackten. Und einige „Schaulustige“ – Insulaner, die nicht aus Sensationsgier, sondern aus Betroffenheit ans Wasser gekommen waren. So wie die damalige Pastorin von Nieblum auf Föhr, Antje Iser-Asmussen. „Mich macht das ganz depressiv“, meinte die Seelsorgerin damals angesichts der Katastrophe, die den Strand des Nieblumer Ortsteils Goting besonders schlimm erwischt hatte. Doch nicht nur in Goting, an der gesamten Föhrer Südküste und auf Amrum landete das Öl und musste in den folgenden Tagen immer wieder neu weggeschippt werden. „Nach der nächsten Flut sieht es wieder genauso aus“, beschrieb der damalige Wehrführer von Oevenum und heutige Föhr-Amrumer Amtswehrführer Joachim Christiansen damals die Sisyphusarbeit seiner Kameraden. Innerhalb weniger Tage hatten die 300 Kubikmeter Öl-Sand-Gemisch von den Föhrer Stränden geschaufelt und 30 Kubikmeter auf Amrum. Tierschützer richteten derweil eine Vogelwaschstation auf Föhr ein.

Es dauerte noch Wochen, bis die brennende „Pallas“ gelöscht und Monate, bis alles Öl abgepumpt und das Wrack gesichert war. Immer noch liegt es vor der Amrumer Küste und kann von der Insel aus an klaren Tagen mit bloßem Auge gesehen werden – als Mahnmal, das an eine vermeidbare Katastrophe erinnert, deren Hauptursache Fehlentscheidungen und Kompetenzgerangel der verschiedenen Koordinierungs- und Einsatzstellen war.

Und ein Mahnmal dafür, dass die Menschen an der Westküste immer noch darauf warten, dass die schon vor 15 Jahren vehement geforderten Konsequenzen aus dem „Pallas“-Unglück endlich gezogen werden. Inzwischen hat zwar das Havarie-Kommando in Cuxhaven als Koordinierungsstelle bei Schiffsunglücken seine Arbeit aufgenommen, doch die Nationale Küstenwache, die vor allem die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) und die Insel- und Halligkonferenz (IHKO) seither fordern, wurde zwar immer wieder versprochen, aber ist bis jetzt nicht realisiert. Und das, obwohl die Küstenwache Bestandteil des Koalitionsvertrages der schwarz-gelben Koalition war. Eine solche Küstenwache halten der langjährige SDN-Sprecher Hans von Wecheln und IHKO-Chef Jürgen Jungclaus für unverzichtbar, weil sie bereits im Vorfeld einer Havarie tätig werden könnte. Doch ob sie bei der kommenden Koalition mit ihrem Ansinnen mehr Erfolg haben, ist fraglich.

Der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU-Landesgruppe in Berlin, Ole Schröder, ist jedenfalls davon überzeugt, dass in der letzten Wahlperiode „die Abstimmung und Koordination der auf See beteiligten Bundesbehörden und damit auch die Sicherheit deutlich verbessert wurde“. Allerdings ist sich der CDU-Politiker mit Jürgen Jungclaus und Hans von Wecheln einig, dass die Offshore-Windkraftanlagen neue Herausforderungen für die Sicherheit auf See bedeuten.

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