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Husumer Nachrichten

21. Oktober 2017 | 22:06 Uhr

Von Wind und Regen gepeitscht

vom

Der Turm der St.-Stephanus-Kirche von Westerhever hat stark unter der Witterung zu leiden / Er wird derzeit saniert

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

westerhever | "Eigentlich wird er ja seit 1370 fortwährend saniert", sagt Architekt Gerhard Hinrichs und meint damit den Turm der St.-Stephanus-Kirche in Westerhever. Der Kirchturm sei buchstäblich ein Resultat der großen Flut im Jahre 1364 gewesen. Denn bei dieser ersten großen Manndränke waren viele Kirchen und Gebäude zerstört worden. Der Turm wurde 1370 aus verschiedenen Materialien dieser Gebäude erschaffen. "Ein reines Mischmauerwerk", meint der Projektleiter. Seine Aufgabe ist es nun den Turm erneut zu restaurieren, denn bei der jüngsten Sicherheitskontrolle traten erhebliche Mängel an der Ziegelkonstruktion auf.

Knapp 150 000 Euro werden die Arbeiten an den Außenwänden des Turms kosten, die im Oktober beendet sein sollen. Unterstützt wird die Kirchengemeinde Heverbund bei der Finanzierung mit jeweils 20 000 Euro von der Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland. "Wir hatten bis zum April sehr schlechtes Wetter, daher konnten wir bis dahin noch nicht am Turm arbeiten", sagt Ute Böttcher, Vorsitzende des Kirchengemeinderats Heverbund, der sich 2008 aus den drei Kirchengemeinden von Westerhever, Osterhever und Poppenbüll bildete.

Das Wetter ist auch zum Teil für die Schäden verantwortlich. "Vor allem die Süd- und Westseiten leiden unter dem Wind", meint der 57-jährige Hinrichs. Die starke Witterung an der Küste peitsche Regen und Wind vor allem an diesen Seiten in die feinen Risse der Ziegel und Zementfugen. Gefriert das eingedrungene Wasser dann im Winter, werden die vorderen Ziegel regelrecht abgesprengt. Dadurch vergrößern sich über die Zeit hinweg die Risse, durch die immer mehr Regenwasser auch hinter die erste Ziegelschicht der Außenwand gelangen kann.

"Die Wand sah daher aus, wie eine Frau im neunten Monat", meint Ute Böttcher. Alle vier Außenwände des Turmes müssen nun neu verdichtet und in Teilen vollflächig mit speziell dafür hergestellten Ziegeln erneuert werden. "Früher wurde hier mit Sumpfkalkmörtel aus gebranntem Muschelkalk gearbeitet", erklärt der Projektleiter. Selbst ein paar von den Schalentieren könne man noch an den Ziegelsteinen finden. Jetzt arbeitet der Architekt mit einem speziellen Mörtel aus Dänemark, der besser zu den weichen Ziegelsteinen passt.

Die im Vorwege von Hinrichs Architekturbüro vorgenommene Untersuchung des Turmes offenbarte noch weitere Bausünden. Nahezu alle Maueranker waren so stark verrostet, dass sie eine Gefahr für die Statik des Turms darstellten. Die Anker sind nun ausgebaut und bei einem Schmied zur gründlichen Überarbeitung. Neu verzinkt werden sie dann an der ebenfalls zu sanierenden Holz-Innenkonstruktion des Turms in den nächsten Jahrzehnten für dessen Stabilität sorgen. Auch die in jüngerer Zeit eingebauten Schall-Luken werden ausgebaut und durch denkmalgerechte Eichenluken ersetzt.

"Wir haben im vergangenen Jahr bereits ein paar marode Balken innerhalb des Kirchenschiffs ersetzt", berichtet Ute Böttcher. Die Kirchengemeinde kam mit 60 000 Euro komplett für diese Arbeiten auf. Dabei wurden auch Teile der Orgel restauriert und ausgetauscht. Die dafür anfallenden Kosten in Höhe von 10 000 Euro seien aber durch Spenden gedeckt worden, sagt Böttcher. Allerdings musste die Kirchengemeinde für ein paar Tage auf ihre Orgel verzichten.

Aufgrund der Arbeiten am Turm fällt nun aber ein anderer Bestandteil der Gottesdienste aus: "Wir können im Moment leider nicht die Glocken läuten. Dafür sind die Mauern gerade zu instabil", erklärt Hinrichs. Er fand aber schnell Ersatz. Ein privater Spender stellt der Kirchengemeinde seine gusseiserne Glocke zur Verfügung, die in der Bauzeit vor dem Eingang an der Nordseite platziert wird. "Die Gottesdienste finden auch während des Umbaus statt", sagt Ute Böttcher. Änderungen soll es für die Besucher planmäßig nicht geben, versichert sie. Nur der Turm werde bald in einem anderen Licht erscheinen. Das ist bei seiner Vorgeschichte aber eigentlich nichts Neues mehr.

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