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Kunst auf der Flasche : Von wegen Etiketten-Schwindel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wasser-Genuss mit Folgen: Auf einer Flasche des Husumer Mineralbrunnens entdeckte Margot Gröndahl ein Gemälde von Uwe Thomas Guschl – und verliebte sich darin.

Der Zugang zur Kunst führt manchmal über den inspirierenden Umweg einer pragmatischen Selbsteinschätzung – besonders, wenn die auch noch mit gesundem Menschenverstand einhergeht. Margot Gröndahl aus dem dänischen Rens verfügt über beides. Wohl auch deshalb kommen ihr Sätze wie „Ich habe keine Ahnung, aber ich weiß, was ich mag“ mit bemerkenswerter Leichtigkeit über die Lippen.

Schon mit 18 Jahren habe sie ihr erstes Bild gekauft, sagt die gelernte Hebamme und Betreiberin einer Praxis für klassische Homöopathie. Gemalt hatte das ein Freund der Eltern: Nicht zuletzt der Titel – „Licht im Schatten“ – sagte der jungen Frau damals mehr als 1000 Worte. Und da Kunst in der Familie von jeher ein Thema war, stutzte auch niemand, als sie das Bild kaufen wollte. Als Expertin sieht sich Gröndahl deshalb noch lange nicht.

Wie dem auch sei: Auf jeden Fall weiß sie sehr genau, was sie „braucht“. Und so war die Wahl-Dänin nicht schlecht von den Socken, als sie eines Morgens auf Wasserflaschen des Husumer Mineralbrunnens die Reproduktion eines Gemäldes von Uwe Thomas Guschl fand. „Wir haben dieses Wasser in der Flensburger Frauenklinik, wo ich arbeite“, erinnert sie sich.

Tatsächlich hatte sich das Husumer Unternehmen im Frühjahr eine Art Faceliftung verordnet und sein Mineralwasser mit neuen Etiketten versehen. Und nicht nur das: Auch die Rückseiten der Flaschen wurden neu gestaltet – mit sogenannten Künstler-Etiketten (wir berichteten). Und eine dieser Etiketten, die ganz nebenbei auf das Kultur-21-Festival Ende September hinweisen sollen, hat Uwe Guschl gestaltet. In gedämpften Farben zeigt es ein Gehöft in der Weite des skandinavischen Hochlandes – ein Motiv, das den Maler schon seit vielen Jahren fasziniert.

„Ich war sofort begeistert“, schwärmt Margot Gröndahl. Und dank der Internet-Adresse auf dem Etikett war es ein Leichtes, Guschls Telefonnummer herauszufinden. Aber es sollte noch besser kommen: Obgleich ihr Wunschbild gerade erst Teil einer Ausstellung in Rendsburg gewesen war, hatte es dort niemand gekauft. Es war also noch zu haben. Und so zögerte Gröndahl keine Sekunde, als Guschl ihr anbot, doch nach Flensburg zu kommen, und sich das Ganze im Original anzuschauen.

Und da steht sie nun also, gemeinsam mit ihrem Mann, Peter Paulsen, der – wie sich in einem Nebensatz herausstellt – in Husum geboren wurde, und findet das Original erwartungsgemäß „noch schöner als die Repoduktion“. Ein Umstand, der Guschl doppelt freut. Doch ist so ein Besuch im Atelier natürlich auch immer mit Gefahren verbunden – zum Beispiel, wenn da mehr als nur dieses eine Bild herumsteht. Und das war natürlich auch bei Guschl der Fall. Deshalb hängen am Ende auch gleich drei Arbeiten an der Vorführ–Wand – das Etiketten-Bild und zwei weitere.

Nein, Margot Gröndahl gerät nicht ins Grübeln: Das Bild mit dem Gehöft gefällt ihr immer noch besonders gut, weil es „eine so große Ruhe und Harmonie“ ausstrahlt“. Aber das gilt auch für die anderen Gemälde, und so ist sie geradezu erleichtert, als Guschl ihr nach bester Konfektionärs-Manier anbietet, die drei Bilder „zur Anprobe“ mit nach Hause zu nehmen. So kann sie am besten herausfinden, was zu ihr passt. Allen drei Bildern gemein ist das Motiv: „Wir lieben die Natur“, sagt Paulsen, der als OP-Krankenpfleger in Dänemark arbeitet. „Deshalb haben wir auch fast nur Naturbilder.“ Das Motiv von der Flasche hatte sich Margot Gröndahl gleichwohl größer vorgestellt. Deshalb soll es, bevor die abschließende Entscheidung fällt, daheim sicherheitshalber noch einmal „angehalten“ werden.

Doch was auch immer dabei herauskommt: „Der Besuch in Guschls Atelier hat sich auf jeden Fall schon mal gelohnt.“ Auch die Idee der Künstler-Etiketten finden Gröndahl und Paulsen „toll“ – nicht nur wegen ihrer Kunstreise nach Flensburg. Unterdessen liefen wegen des famosen Sommers mehr Kult-Flaschen vom Band als erwartet. Längst ist die Millionengrenze überschritten und ein Ende noch lange nicht in Sicht. Am Donnerstag schließt sich ein weiterer Kreis: Dann wird das Programmheft des Kultur-21-Festivals verteilt.

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erstellt am 19.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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