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Kirchenkreis Nordfriesland : Von Solidarität und roten Zahlen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kirchenkreis will das Friedhofswesen in Nordfriesland aus den roten Zahlen holen. Auf der Synode wurde dafür grünes Licht gegeben. Außerdem rufen die Synodalen zu mehr Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge auf.

Die Grenzen zu schließen und Menschen in prekärer humanitärer Lage vor den Zäunen stehen zu lassen, könne keine Lösung der Flüchtlingsproblematik sein. Das bekundete die Synode des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Nordfriesland bei ihrer Frühjahrstagung in Breklum. In einem einstimmig beschlossenen „Wort der Synode“ richtet sie sich an die Öffentlichkeit zwischen Eider und dänischer Grenze.

Als Christen seien alle aufgerufen, „Schutzsuchende aufzunehmen, ihr Leid und ihre Not wahrzunehmen und ihnen Hilfe zu gewähren“, betonen die Parlamentarier des Kirchenkreises. Sie danken darum jenen, die sich in der Hilfe für ankommende Menschen engagieren. Im Hinblick auf Unsicherheiten, Ängste und der Forderung nach Abgrenzung möchten die Synodalen ein Zusammenleben ermöglichen, „in dem es gelingt, sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden“, und „die Achtung der Würde des Anderen vor die Sorge um das Eigene zu stellen“. Dabei sollen „die politischen Kräfte, die um eine gemeinsame europäische Lösung ringen“ unterstützt werden.

Die Mitglieder der Kirche in Nordfriesland werden dazu aufgerufen, das Leid der Schutzsuchenden wahrzunehmen, Menschenverachtung entgegenzutreten, sich als Bürger an Lösungen zu beteiligen und selbst „gute Beispiele für Verständnis, Offenheit und Integration“ zu geben. Der Kirchenkreis selbst stelle Finanzmittel und Personal bereit und gewähre in ungeklärten Fällen auch weiterhin Kirchenasyl. Überzeugt sind die Synodalen davon, dass es genügend Kräfte, Solidarität und Engagement gebe, „um zusammen mit den Menschen, die bei uns Schutz und ein neues Zuhause suchen, Perspektiven für eine lebenswerte Zukunft zu entdecken“.

Der Synoden-Vormittag war bestimmt von der Beratung über ein Friedhofswerk Westküste. Die Kirchenkreise Nordfriesland und Dithmarschen wollen in einem solchen Werk von 2017 an die Verwaltung und Bewirtschaftung der kirchlichen Friedhöfe an der Westküste bündeln. Damit sollen weitere Defizite in den Friedhofshaushalten vermieden werden. Parallel zur nordfriesischen Synode wurde das Thema in Dithmarschen beraten. Die Synodalen beauftragten nach einer ausführlichen Debatte den Kirchenkreisrat bis zum Herbst ein Umsetzungskonzept vorzulegen. Dann wollen beide Synoden über die Einrichtung des Werkes abschließend entscheiden. Auch auf der Dithmarscher Synode wurde ein entsprechender Beschluss gefasst.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Friedhofsverwalter, Jan Gawryluk, über veränderte Rahmenbedingungen im deutschen Friedhofswesen referiert. Eine Veränderung der Bestattungskultur – verursacht durch eine zunehmende Individualisierung und neue Angebote – habe zur Folge, dass weniger Friedhofsflächen genutzt werden. So mache der Anteil an Urnenbeisetzungen bereits bis zu 50 Prozent der Bestattungen aus. Das führe zu Überhangflächen, deren Bewirtschaftungskosten nicht gedeckt würden.

Diesen Trend bestätigte Christopher Stein, der im Kirchenkreis Dithmarschen für die Verwaltung der Friedhöfe zuständig ist. Die Zahl der Erdbestattungen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten um ein Drittel reduziert. Die Folge seien sinkende Einnahmen und teilweise Rücklagenentnahmen. Stein befürchtete eine Abwälzung der Kosten auf die zukünftige Generation sowie eine steigende Notwendigkeit, kirchliche Mittel, die für andere Zwecke bestimmt sind, einsetzen zu müssen.

Roger Bodin, der sich im Kirchenkreis Nordfriesland um das Friedhofswesen kümmert, beschrieb mögliche Modelle für das Friedhofswerk. Für die Region an der Westküste seien sieben Außenstellen für die Bewirtschaftung der Friedhöfe angedacht. Grundvoraussetzung für das geplante Friedhofswerk wäre der Verbleib der Friedhöfe in kirchlicher Trägerschaft sowie örtliche gemeinsame Ausschüsse von Kommunen und Kirchengemeinden. Der Beitritt sei freiwillig, Mitarbeitende behielten ihre Stellen.

Neun Stunden tagten sie Synodalen, nur unterbrochen von einer Mittagspause. Zwölf weitere Punkte standen auf der Tagesordnung, darunter Berichte des Frauenwerkes, des Kirchenkreisrates und des Präses der Landessynode Andreas Tietze sowie die Anpassung der Finanzsatzung des Kirchenkreises an das neue landeskirchliche Recht. Noch einmal eine längere Debatte gab es über die Struktur der synodalen Arbeit. Beschlossen wurde, die Größe der Synode nicht zu verändern. 99 Vertreterinnen und Vertreter von Kirchengemeinden und Einrichtungen sollen auch in der nächsten Periode dem Kirchenparlament angehören. Der Kirchenkreisrat soll von dreizehn auf elf Mitglieder verringert werden.

Ferner entschieden die Synodalen über die Errichtung von drei Kirchenkreis-Pfarrstellen, für Kirche und Tourismus auf Eiderstedt, für besondere Dienste und für einen Referenten der Pröpste. Letztere ist bestimmt für die Projektkoordination der Restaurierung der Eiderstedter Kirchen. Deshalb sprach sich die Synode auch dafür aus, den Sanierungsbedarf aller Kirchengebäude in Nordfriesland zu berücksichtigen.

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erstellt am 16.Mär.2016 | 17:19 Uhr

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