Vollstedt : Von Nordfrieslands Natur inspiriert

Gisela Weber bei der Arbeit: Hier bemalt sie ihre beliebten Marmeladenlöffel.
Gisela Weber bei der Arbeit: Hier bemalt sie ihre beliebten Marmeladenlöffel.

Mit ihrem anspruchsvollen Hobby ist die Porzellanmalerin und gebürtige Fränkin Gisela Weber über Landesgrenzen hinaus bekannt.

shz.de von
13. März 2018, 14:00 Uhr

Die gebürtige Fränkin Gisela Weber hat lange in Bayern gelebt und mit ihrem Mann Joachim viele schöne Urlaube in Schleswig-Holstein verbracht. Vor zwölf Jahren zog das Paar für immer in den Norden. In Vollstedt fanden die Beiden ein schmuckes Häuschen. Dort widmet die Wahlnordfriesin ihrem anspruchsvollen Hobby gleich zwei Räume: Einer liegt zu ebener Erde und beherbergt eine Auswahl ihrer schönsten Stücke, der andere befindet sich im Obergeschoss und dient der passionierten Porzellanmalerin als Atelier.

Doch wer glaubt, dass sie dort jeden Tag mit Malen verbringt, der hat nur bedingt Recht: „Im Januar und Februar bin ich tatsächlich fast täglich hier oben. Aber sobald es draußen schöner wird, bin ich im Garten oder mit dem Rad unterwegs. Und wir gehen jeden Tag in der Nordsee schwimmen“, erzählt Gisela Weber. Zurück ins Atelier zieht es sie meist erst wieder im September. „Dann wird es Zeit, dass ich mich um die Adventsmärkte kümmere“, sagt die Hobbykünstlerin, die seit neun Jahren beim Weihnachtsereignis im Tönninger Packhaus dabei ist. Vor zwei Jahren gelang es ihr, die gestrenge Jury des Schwahlmarktes im Schleswiger Dom von ihren Arbeiten zu überzeugen, und auch im Museumsdorf Hamburg-Volksdorf ist sie seit Jahren gern gesehen. „Ich habe auch schon im Speicher Husum ausgestellt, im Herrenhaus Hoyerswort, im Historischen Gasthof Grüner Jäger in Altenhof und natürlich hier bei uns in Vollstedt: auf dem Weihnachtsmarkt, den Hökers Café alle zwei Jahre veranstaltet“, erzählt sie.

Kreativ war Gisela Weber schon immer. So gehörte sie in ihrer Heimat verschiedenen Kreisen an, in denen getöpfert und genäht wurde. Auch die Herstellung von Rupfenpuppen machte ihr Freude. Gemalt hatte sie allerdings noch nie, als sie sich vor 28 Jahren bei der Volkshochschule Kirchheim für die Porzellanmalerei einschrieb. Dass daraus später mehr wurde, hatte mit einem Schicksalsschlag im Freundeskreis zu tun. „Für unsere gemeinsamen Unternehmungen wollte ich mir gerade ein Fahrrad zulegen, als ein tragisches Ereignis diese Pläne zunichte machte“, erzählt sie von dem aus der Traurigkeit heraus gefassten Entschluss, sich einen Brennofen zuzulegen. „Nur deshalb kann ich meine Werke heute selbst brennen“, so Gisela Weber. Denn nach dem Bemalen muss die Farbe nicht nur trocken, sondern zusätzlich im Ofen haltbar gemacht werden: „Der heizt ganz langsam auf 800 Grad hoch, hält diese Temperatur 20 Minuten, und kühlt dann peu á peu wieder ab“, erklärt sie den 24 Stunden dauernden Brennvorgang.

Das hochwertige Porzellan kauft sie nur bei ausgesuchten Händlern. Vor dem Bemalen entfettet sie es mit Terpentin und greift dann zum Bleistift, um die Motive vorzuzeichnen – so wie sie ihr in den Sinn kommen, sofern es nicht um eine konkrete Bestellung geht. Mit Feder, Pinsel und Farbe haucht sie den vorgezeichneten Bildern Leben ein. „Die meisten Porzellanmaler bevorzugen Gold oder Bronze und großformatige Blumen. Ich mag filigrane Motive und male, was mir die Natur frei Haus liefert: Kräuter, Obst, Gemüse oder auch Tiere.“ Und so zieren oft Kühe, Schweine, Hühner oder Frösche die bemalten Tassen, Milchkrüge und Butterglocken. Auf den Zuckertöpfchen entstehen nicht selten feine florale Ornamente, während die Schälchen mit Oliven und Peperoni und die Kaffeepötte mit maritimen Motiven verziert werden. Zur Adventszeit sind weihnachtliche Motive gefragt.

Schmunzeln muss Gisela Weber manchmal, wenn auf den Märkten Menschen an ihrem Stand stehen bleiben und sich spontan in eines der schönen Stücke verlieben, dann aber nicht so recht wissen, was sie damit anfangen sollen. „Da muss ich manchmal die Ideen zur Nutzung mitliefern“, sagt sie. So kann man die Porzellanlöffel in Marmelade- oder Honiggläser stecken, die Schälchen mit Dips füllen und kleine Häppchen auf die Étagères legen. Meist aber dient „Gigi´s handbemaltes Porzellan“ als Geschenk für Taufen, Jubiläen, Geburtstage oder als Mitbringsel für Menschen mit der gewissen Wertschätzung für das Besondere. „Wer sich für meine Porzellanmalerei interessiert, ist herzlich willkommen“, sagt Gisela Weber (Anmeldung erbeten unter Telefon 04671/942388.



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