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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 06:42 Uhr

Auswanderer in den USA : Von Husum nach Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auswanderer gründeten 1880 im US-Bundesstaat Washington Husum als einen neuen Ort – nun will ein Stadtvertreter mit deren Nachfahren in Kontakt treten. Erste Reaktionen hat er schon bekommen.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 13:48 Uhr

Kennen Sie „Hew-some“? Nein? Geschrieben sieht der Name, der hier in englischer Aussprache steht, schon anders aus: Husum. Und das Husum, um das es geht, ist keine Stadt an der Nordsee, sondern eine im US-Bundesstaat Washington. Allerdings eine sehr kleine. Um genauer zu sein: Eine der kleinsten Ortschaften überhaupt im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Mit etwa 150 Einwohnern gleicht sie eher einem Dorf als einer Stadt.

Das Fleckchen Erde liegt im Süden von Washington, nahe der Grenze zu Oregon. Als die ersten weißen Siedler Mitte des 19. Jahrhunderts den Fluss White Salmon (Weißer Lachs), der sich durch diese Gegend windet, aufwärts zogen, war „Hew-some“, oder wie es damals noch hieß: Wilkensheim, ein beliebter Stopp auf dem Weg Richtung Norden. Mattheus und Christian Wilkens waren dort seit 1876 zu Hause. Und am 8. März 1880 eröffnete Wilkens die erste lokale Poststation, die er Wilkensheim nannte. Im selben Jahr gründete Martin Thompson – dessen Namen verdächtig nach dem deutschen Thomsen klingt – an derselben Stelle einen Ort, den er nach einer nordfriesischen Stadt nahe dem Dorf benannte, in dem er geboren wurde. Es war – Husum.

Danach bestand die von Wilkens gegründete Poststation Wilkensheim unter diesem Namen nur noch kurze Zeit. Am 23. August 1880 wurde sie umbenannt in Husum Post Office. Und die erste Postmeisterin war Sophia Thompson, die Frau des Gründers des neuen Ortes. Ihr Mann Martin wurde erster Vorsitzender der Husumer Energieversorgungsgesellschaft, bevor er im Alter von 64 Jahren an Paralyse starb.

Mit der Zeit wuchs das junge Husum, eine Schule wurde gebaut, eine Kirche und sogar ein Hotel. Heute liegt die gemeindefreie Ortschaft Husum, oder eben „Hew-some“, wie die Amerikaner den Namen des Städtchens aussprechen, am Highway 141 im Klickitat County. Geprägt wird die Gegend von bäuerlichen Betrieben. Die Holzindustrie nimmt einen großen Stellenwert ein.

An erster Stelle steht jedoch mittlerweile eine Branche, das auch im originalen Husum an der Nordseeküste für Einnahmen sorgt: Nämlich die „Recreation“, die Erholungsmöglichkeit für Menschen nicht nur aus der näheren Umgebung – also Tourismus. Die Gegend zeichnet sich durch eine herrliche Landschaft aus. Der 30 Meilen lange White Salmon, rein wie Kristall, lädt ein zum Wildwasser-Rafting oder zum Angeln der köstlichsten Forellen der ganzen Region. Es gibt eine Anzahl Übernachtungsmöglichkeiten als Bed & Breakfast sowie einige Ferienwohnungen im Ort. Die Gäste kommen mittlerweile aus allen Ecken Washingtons und Oregons, zumeist wegen der umwerfend schönen und atemberaubenden Natur.

Lothar Pletowski, CDU-Stadtvertreter in „unserem“ Husum, war Jet-Pilot im früheren Jagdbombergeschwader 41, das bis 1992 in der Storm-Stadt beheimatet war. Und hat in den 60er Jahren in Texas das Fliegen gelernt, womit der Grundstein für eine lebenslange Affinität zu den USA gelegt wurde. Die er jetzt nutzt, um zwischen beiden Husums eine Verbindung herzustellen: „Seit einigen Wochen bemühe ich mich, in Kontakt zu den Nachkommen der ehemaligen ersten deutschen Siedler in Husum zu kommen“, erzählt er. Dazu gehöre ein reger E-Mail-Verkehr, unter anderem mit der Herausgeberin einer kleinen Wochenzeitung aus der nahegelegenen 20.000-Einwohner-Stadt White Salmon, benannt nach dem Fluss. „Die hat mir versprochen, Kontakte mit Offiziellen des Örtchens oder des Countys herzustellen.“ Vielleicht ergebe sich ja auf diese Weise die Gelegenheit einer offiziellen Partnerschaft, hofft er.

Das wäre dann neben Kidderminster in der englischen Grafschaft Worcestershire, Heilbad Heiligenstadt in Thüringen, Gentofte in Dänemark und Trzcianka in Polen die fünfte Partnerstadt. Und mit Abstand die kleinste.

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