St. Peter-Ording : Von großen Projekten und neuen Wegen

So soll das neue Multifunktionsgebäude am Ordinger Strand aussehen.
So soll das neue Multifunktionsgebäude am Ordinger Strand aussehen.

Bürgervorsteher Boy Jöns und Bürgermeister Rainer Balsmeier lassen im Interview das Jahr 2017 Revue passieren und sprechen über ihre Pläne für 2018.

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27. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Zum Jahresabschluss kommen Bürgermeister Rainer Balsmeier und Bürgervorsteher Boy Jöns zu Wort. Sie werfen den Blick zurück auf 2017 und beschäftigen sich mit den Herausforderungen des kommenden Jahres.

Was hat Sie im vergangenen Jahr am meisten gefreut und geärgert?

Rainer Balsmeier: Besonders gefreut hat mich, dass es in einer Gemeinschaftsaktion von Gemeinde und Schulverband Eiderstedt gelungen ist, die Offene Ganztagsschule und das Jugendzentrum unter einem Dach zu vereinen. Das Jos ist seit dem 1. November am Start und wird am 2. Februar offiziell eingeweiht. Schule und Betreuung haben sich so verändert, dass wir froh sind, eine solche Idee gehabt zu haben. Und gefreut hat mich auch, dass wir zeitlich und finanziell eine Punktlandung hingelegt haben. Wir lagen nur 4000 Euro über dem Kostenvoranschlag. Das neue Gebäude auf dem Gelände des Nordseegymnasiums hat 1,071 Millionen Euro gekostet, es gab einen Zuschuss von 676.500 Euro.

Boy Jöns: Dem schließe ich mich an. Und dann freue ich mich darüber, dass wir so eine glückliche Lösung für die Kindertagesstätte mit der Unterbringung im ehemaligen Mutter-Kind-Kurheim Köhlbrandt gefunden haben, so lange am neuen Anbau in der Kirchenleye gearbeitet wird. Auch dass wir nach 16 Jahren wieder einen Rettungswagen in St. Peter-Ording haben, ist erfreulich. Und dass wir im Ketelskoog den Grundstein für die Miet- und Sozialwohnungen gelegt haben, das ist toll.

R. Balsmeier: Geärgert hat mich das Verhalten von manchen Reitern, Hundehaltern und Radfahrern. Top eins der Beschwerden, die ich als Tourismus-Direktor erhalte, sind von Nicht-Hundehaltern über das rücksichtslose Verhalten von Hundehaltern und von Hundebesitzern darüber, dass sie ihre Tiere nicht überall laufen lassen dürfen. Und bei den Fahrradfahrern müssten sich viel mehr an die Verkehrsregeln halten.

B. Jöns: Auch ich ärgere mich über die Rücksichtslosigkeit von Reitern und Hundehaltern. Die Allermeisten verhalten sich anders, aber das gibt es eben auch: Da wird der Pferdemist auf den Strand geschaufelt, und man beobachtet Reiter, die einfach durch eine Gruppe von Spaziergängern reitet. Oder das Auftreten von Hundehaltern in den Auslaufgebieten, nach dem Motto: Hier haben wir das Recht. Ich freue mich schon, dass wir diese Angebote machen können, denn wie gesagt, die meisten verhalten sich richtig. Und zu den Radfahrern: Es ist ja nicht ganz ohne, dass viele mit dem E-Bike und damit mit einer ganz anderen Geschwindigkeit unterwegs sind.

Welche Projekte stehen 2018 in der Gemeinde ganz oben an?

Balsmeier: Der Bau des Multifunktionsgebäude am Ordinger Strand und eines öffentlichen Sanitärgebäudes im FKK-Bereich. Dann die Durchplanung des zweiten Abschnitts der Erlebnispromenade. Wir werden so weit kommen, dass wir den Antrag einreichen können, auf jeden Fall für den Promenadenbereich. Für das Familienzentrum auf dem heutigen Skaterplatz sind wir allerdings an die Bauleitplanung gebunden. Dann haben wir ja den Bewilligungsbescheid für die Städtebauförderung erhalten. St. Peter-Ording ist für den Ortsteil Dorf und Umgebung anerkannt. Da gilt es jetzt viel vorzubereiten. Für die Gemeinde ist es vorteilhaft, weil sie nur ein Drittel der Kosten tragen muss. Mögliche Projekte sind: das Feuerwehrgerätehaus, das Gemeindezentrum, der Olsdorfer Krug, das Museum, den Bereich des Dorfes optisch größer zu gestalten. Ob das alles realisiert wird, ist noch zu diskutieren.

Jöns: Für mich ist es die Kommunalwahl. Da wünsche ich mir eine hohe Beteiligung der Wähler. Es wäre auch schön, wenn sich bei den Kandidaten der Durchschnitt der Bevölkerung alters- und geschlechtermäßig abbilden würde. Dann müsste man sich mal die Radwege gründlich anschauen. Vor dem Hintergrund der Städtebauförderung wäre die Umfeldgestaltung der Olsdorfer Straße und der Dorfstraße ein Stichwort sowie die Beleuchtung am Deich. Meine Wunsch-Idee wäre: ein ständiger regionaler Wochenmarkt auf dem Marktplatz.

Was wünschen Sie sich von der Bundes- und/oder der Landesregierung?

Balsmeier: Immer noch wünsche ich mir eine Verbesserung der Finanzausstattung der Kommunen, im speziellen die Kita-Finanzierung. Nachteilig ist, dass viele Gelder nur noch für Gemeinden fließen, die Bedarfszuweisungsempfänger sind – zum Beispiel im Bereich Schulen. Auf St. Peter-Ording kommen im nächsten Jahr 600.000 bis 700.000 Euro mehr an Amts-, Kreis- und Schulverbandsumlage sowie Kita-Kosten zu. Derzeit ist noch nicht abzusehen, ob der Haushalt auszugleichen ist.

B. Jöns: Es wäre schön, wenn es Kita-Gebühren nicht mehr geben würde. Es geht ja dabei auch um unsere Zukunft. Dann wünsche ich mir von der Verkehrspolitik, das bei der A 20 und der Elbquerung endlich was passiert. Für St. Peter-Ording ist eine gute Verkehrsinfrastruktur wichtig, denn in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Gäste-Anreisen um 100.000 gestiegen. Dann fehlt es im Baurecht an Mechanismen, mit denen eine gute Struktur von Dauer-, Zweit- und Ferienwohnen im Ort gesteuert werden kann. Und ich wünsche mir eine problemlose Verlängerung der Strandnutzung.

Worauf können sich die Einwohner 2018 freuen?

Balsmeier: Weil wir so eine große Tourismusgemeinde sind, können sich die Einwohner auf ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm freuen, und das nicht nur 2018. Das Angebot ist ungewöhnlich für eine 4000-Einwohner-Gemeinde. Die Bürger können sich auch darüber freuen, dass die Gemeinde einen Weg eingeschlagen hat, eine kleine Kunstgalerie zu schaffen. Sie hat viele, viele Jahre Bilder von Künstlern oder Orts-Ansichten gesammelt. Und jetzt gibt es einen Platz, wo sie präsentiert werden.

Jöns: Sie können sich auch freuen, dass wir wieder eine Aufteilung der Ämter des Bürgermeisters und der Tourismus-Direktors zum Wohl der Gemeinde und der handelnden Personen erreicht haben. 2008 hatte uns die Landesregierung gezwungen, beide Ämter in Personalunion zu vergeben. Wir haben das dann noch eine Wahlperiode so gelassen. Nun dürfen Gemeinden ab 4000 Einwohnern selbst entscheiden, ob sie einen hauptamtlichen Bürgermeister einsetzen wollen. (Anmerkung: Constanze Höfinghoff übernimmt am 1. Januar das Amt der Tourismus-Direktorin.)

Was haben Sie sich für 2018 vorgenommen?

Balsmeier: Ich werde mich die nächsten 3,5 Jahre als Bürgermeister intensiver mit Themen auseinandersetzen können – ohne die zusätzliche Belastung als Tourismus-Direktor, zum Beispiel mit der Städtebauförderung.

Jöns: Ich möchte mal wieder Piepmuscheln graben und Bütt pulschen.

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