zur Navigation springen

150 Jahre Gasversorgung : Von Flatrates und Wind als neuem Gas

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

150 Jahre Gasversorgung in Husum: Da gaben zwei Husumer Nachtwächter im Rahmen einer Feierstunde bei den Stadtwerken Gas – und entzündeten eine Straßenlaterne. Das Unternehmen will die Region durch die Herausforderungen der Energiewende lotsen.

„Licht aus, Lampe an“ – mit diesem Kommando der Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft nahmen Horst Köchling und Günter Sunder auf dem Gelände der Stadtwerke eine Gaslaterne in Betrieb. Das gute Stück war zuvor eigens vor dem Kunden-Centrum aufgestellt worden – aus gutem Grund: Schließlich gilt es, auf eine 150-jährige Geschichte der Gasversorgung in Husum zurückzublicken. Mit dieser Amtshandlung setzten die beiden Nachtwächter im Rahmen einer kleinen Feier mit rund 40 geladenen Gästen – darunter der Aufsichtsrat und die Bürgermeister der längst ans Versorgungsnetz angeschlossenen Nachbargemeinden Mildstedt (Bernd Heiber) und Hattstedt (Ralf Heßmann) – buchstäblich ein Highlight.

Der Rest des Abends war von Reden, Häppchen und Small talk bestimmt. Bürgermeister Uwe Schmitz sprach launige Eingangsworte und die beiden Geschäftsführer Norbert Jungjohann (Netz GmbH) und Benn Olaf Kretschmann (Vertrieb) blickten in Vergangenheit und Zukunft ihres Unternehmens. „Bei den Stadtwerken steht nicht nur Stadt drauf, sondern steckt auch Stadt drin“, sagte der Verwaltungs-Chef „als Energie verbrauchender Bürger“. In einem liberalisierten Markt, der zudem via Internet die schnelle Möglichkeit des Preisvergleichs nebst angeschlossenem Anbieterwechsel beinhaltet, seien die Stadtwerke ein ebenso treuer wie verlässlicher Partner und Berater für Großkunden und Privathaushalte.

„Was heute in aller Munde ist, wurde hier in Husum schon 1863 vollzogen – eine Energiewende“, sagte Jungjohann in seinem Rückblick: Alte Öl-„Funzeln“ in den Straßen und kleinen Gassen seien durch damals moderne Gaslaternen ersetzt worden. „Vor 150 Jahren nahm die Husumer Gasbeleuchtungsanstalt, wie das Gaswerk genannt wurde, ihren Betrieb auf.“ Seinerzeit ging man laut Jungjohann davon aus, dass 84 öffentliche Straßenlaternen Anschluss an die Gasleitungen finden, die zuerst im Zingel, dann in der Krämerstraße, an der Schiffbrücke und in der Hohlen Gasse verlegt wurden. Dazu kamen in den ersten Jahren 800 Privatflammen.

Aufsehen erregte nach den Worten Jungjohanns 1905 die Erweiterung des Gaswerks. Dank dieses Umbaus konnte das Gas nun zum Kochen und später auch zum Heizen verwendet werden. Für viele hatte Holz spalten und Kohle schleppen nun ein Ende. Auch konnte man nun neben der in der Küche zugelassenen Leuchtgasflamme zwei weitere in anderen Räumen anbringen zu lassen. „Dafür wurde eine monatliche Gebühr von 40 Pfenning erhoben – die erste Flatrate war geboren“, so Jungjohann. 1961, nachdem die Stadtwerke zwei vollautomatisch arbeitende Flüssiggas-Spaltanlage in Betrieb genommen hatten, „besaß Husum das modernste Werk der Republik“.

Kretschmann zufolge hat sich das Unternehmen eine „Strategie 2017“ gegeben – unter dem Motto „Husum im Aufwind“ wolle man sich kurz- und mittelfristig zu den Themen Kundenzufriedenheit, Regionalität, Rendite, Ökologie und attraktiver Arbeitgeber positionieren. Was die Zeitspanne bis 2050 angehe, so „befinden wir uns in einem gesellschaftlichen, einem energiewirtschaftlichen Umbruch“. Energiewende und Förderregime müssten nach der Bundestagswahl neu justiert werden – „unsere Aufgabe ist es, als Lotse durch die Herausforderungen der Energiewirtschaft zu führen“. Dazu gehörten die von der Bundesregierung ausgegebenen Ziele einer CO2-Reduktion um mindestens 80 Prozent, einer Senkung des Primär-Energieverbrauchs um die Hälfte sowie einer Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien am Brutto-Endenergieverbrauch auf 60 Prozent.

„Die Energiewende wird regional entschieden – und es geht um Effizienz“, sagte Kretschmann abschließend. Die Besonderheit Husums sei der Wind, der in keiner Stadt günstiger als hier wehe. „Vielleicht ist der Wind das neue Gas, wenn wir an Speichertechnologien und innovative Anwendungen denken.“

zur Startseite

von
erstellt am 15.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen