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Husumer Nachrichten

28. Juni 2017 | 07:16 Uhr

Friedrichstadt : Von der Tafel zum Tablet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schule an der Treene wurde vom Land zur digitalen Modellschule erkoren. Ein Lehrer-Trio tastet sich gemeinsam mit den Kindern an den Unterricht der Zukunft heran.

Johanna, Moritz und Fynn haben die Köpfe zusammengesteckt. Plötzlich blicken sie auf und schieben grinsend einen Tablet-Computer quer über den Tisch, sodass ihre Lehrerin den Bildschirm betrachten kann. „Klasse Idee“, lobt Marianne Lerche. Zu sehen ist ein Foto, das Johanna und Moritz auf einem Klettergerüst zeigt. Fynn hat das Bild aufgenommen. Das Besondere daran: Die Kinder haben alle erkennbaren rechten Winkel eingezeichnet. Sie hatten lediglich die Aufgabe bekommen, etwas, was mit Mathematik zu tun hat, auf dem Gerät zu präsentieren. In der Pause hat das Trio über eine Lösung diskutiert und Schritt zur Tat. „Und das Ergebnis kann sich sehen lassen“, wie Lerche zufrieden erklärt.

Immer mehr Bildungseinrichtungen haben mittlerweile das Tablet als Lehrmittel für sich entdeckt. „Doch nicht jede Familie kann so ein teures Gerät kaufen“, sagt Lerche. „Und es kann doch nicht angehen, dass Bildung davon abhängt, was Eltern sich leisten können.“ Aus Interesse nahm die Hattstedterin gemeinsam mit ihren Kolleginnen Sabine Cordts und Susanne Schmidt an einer Fortbildung in Oldenburg teil, bei der die Lehre mit dem Tablet im Mittelpunkt stand. Begeistert von der Methode kehrten die drei Frauen in die Holländerstadt zurück und steckten Schulleiterin Maren Lorenzen-Lubecki mit ihrem Enthusiasmus an. Es gelang tatsächlich, einen anonymen Sponsor zu finden, der der Schule 16 Tablet-Computer zur Verfügung stellte.

Seit zirka einem Jahr tastet sich nun die dreiköpfige Pilot-Gruppe zusammen mit den Schülern an diesen Unterricht der Zukunft heran. Nach und nach sollen auch die anderen Kollegen geschult werden. Technisch seien allerdings noch so einige Hürden zu überwinden, nicht immer klappt es mit dem Server, und auch das Internet streikt ab und zu. „Wir sind noch nicht das, wo wir hinwollen. Aber wir kommen dem Ziel jeden Tag ein Stück näher“, macht Cordts deutlich. Immer wenn es passt, wird das iPad in den Unterricht integriert, und die Schüler wechseln sich an den Geräten ab. Im Schnitt kann dann jedes Kind 30 Minuten daran arbeiten. „Die Kinder sind total motiviert. Sie gehen so selbstbewusst und intuitiv mit dem Gerät um, dass ich immer wieder staune“, erklärt Lerche, die Deutsch sowie Heimat-, Welt- und Sachkunde unterrichtet.

Im Einsatz sind die Tablets vor allem in den dritten und vierten Klassen. „Wir sehen das als zusätzliches Angebot, damit die Schüler lernen, mit den Geräten richtig umzugehen und dass sie kein Spielzeug sind“, betont Cordts. „Wir wollen Möglichkeiten eröffnen und Grenzen aufzeigen“, fügt Kollegin Lerche hinzu.

Und was sagen die Schüler dazu? „Ich finde das richtig gut“, antwortet Fynn (9). „Wir haben Passwörter, und nicht jeder kann sehen, was man gerade macht.“ So könne jedes Kind in seinem Tempo arbeiten und für Tests üben, sagt Johanna (10). Die Geräte sind so eingerichtet, dass die Kinder nur Lernprogramme nutzen können. Und wie sieht so etwas aus? „Man spielt mit Wissen. Wer zum Beispiel beim Pferderennen-Spiel Fragen beantworten kann, kommt auch als Reiter weiter“, erklärt Moritz (10). Auf die Frage, ob sie sich denn vorstellen können, nur noch mit Tablet-Computern zu arbeiten, antworten die Drei unisono: „Das wäre doch langweilig. Wenn wir uns nicht mehr unterhalten oder was an der Tafel gemeinsam machen, können wir gleich zu Hause bleiben.“

Mittlerweile ist die Grundschule einen Schritt weiter gegangen und hat sich an dem vom Bildungsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb „Lernen mit digitalen Medien“ beteiligt. Dafür musste ein Konzept vorgelegt werden. Offensichtlich konnten die Pädagoginnen mit ihren Ideen punkten, denn die Schule an der Treene wird nun vom Land mit 16  000 Euro gefördert und zählt zu insgesamt 46 digitalen Modellschulen. Dazu kommen 5000 Euro vom Schulträger, dem Schulverband Friedrichstadt. Der musste sich laut Wettbewerbs-Bedingungen bereit erklären, einen Teil beizusteuern. Mit dem Geld sollen zehn weitere Tablets angeschafft werden. Außerdem sollen alle Klassen interaktive digitale Tafeln bekommen.

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erstellt am 04.Jun.2017 | 09:00 Uhr

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