Förderprogramme : Von der Pferde-Ranch bis zur Elektro-Tankstelle

In der Reithalle: Joe Bender erklärt Mariola Zareba und einem Kollegen sein Trainings-Konzept.
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In der Reithalle: Joe Bender erklärt Mariola Zareba und einem Kollegen sein Trainings-Konzept.

Eine polnische Studiengruppe besucht Friedrichstadt und Haselund, um sich über die Arbeit der Aktiv-Regionen zu informieren.

shz.de von
31. Januar 2018, 09:00 Uhr

Wie wird eigentlich das EU-Förderprogramm „Leader“ in Schleswig-Holstein in die Tat umgesetzt? Das wollte eine Studiengruppe aus polnischen Regionalmanagern und Kommunalvertretern wissen und besuchte die Aktiv-Regionen Südliches Nordfriesland und Eider-Treene-Sorge. Dabei machten sie auch halt in Friedrichstadt und Haselund.

Schritt für Schritt geht Mariola Zareba voran, die Zügel fest in der Hand. Shania folgt ruhig. Die schwarz-weiße Tinker-Stute ist aufmerksam, kann aber auch stur sein. „Mariola hat eine Grundspannung und eine natürliche Dominanz, Shania folgt ihr bedingungslos“, erkennt Joe Bender. Zareba und zwölf weitere Vertreter des polnischen Verwaltungsbezirkes Masovien besuchen den Management-Trainer auf seiner Ranch in Haselund, die ein Beispiel für die Förderung privater Projekte im ländlichen Raum ist. Bender erklärt die Besonderheit an der Arbeit mit Pferden: „Sie reagieren immer ehrlich und geben ein wertfreies Feedback.“ Dem Trainer zufolge bekommen die Teilnehmer so die Chance, ihre Haltung und ihre Handlungen zu verstehen und anzupassen. Es gehe dabei vor allem um Authentizität, weiß Bender, der lange als Führungskraft tätig war. „Das brauchen Manager in Unternehmen.“

Die polnischen Gäste zeigen sich begeistert von Benders Idee und deren Umsetzung. Besonders interessant ist für sie der Hintergrund der EU-Förderung. „Die Gesamtinvestition in Höhe von 234.112,27 Euro wird mit 50.000 Euro durch die Aktiv-Regionen unterstützt“, sagt Regionalmanager Michael Helten. Damit trügen diese einen wichtigen Teil dazu bei, dass derartige Projekte in ländlichen Regionen wie der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge realisierbar sind. Insbesondere in Sachen Kooperation tue man sich in ihrer Heimat vielerorts nicht leicht, erklärt Zareba. Kirchturmdenken sei trotz des auch in Polen umgesetzten Leader-Ansatzes häufig anzutreffen.

Die Fahrt ging weiter nach Friedrichstadt. Joschka Weidemann, Regionalmanager der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland, berichtete vom Aufbau eines regionsweiten Netzes an Ladestationen für Elektrofahrzeuge, das die Eider-Treene-Sorge GmbH 2017 mit Unterstützung der Aktiv-Regionen umgesetzt hat. Die E-Mobilität, so Weidemann, biete auch für den ländlichen Raum große Chancen.

Bei einem weiteren Projekt, „Eingecheckt und aufgedeckt“, handelt es sich um eine groß angelegte Kooperation von Tourismus-Vereinen, Beherbergungsbetrieben, Einzelhändlern und regionalen Produzenten. Yannek Drees von der Eider-Treene-Sorge GmbH fasste die Grundidee zusammen: „Unsere wichtigsten Wirtschaftszweige, Landwirtschaft und Tourismus, sollen stärker voneinander profitieren.“ Dies gelingt mit einem Frühstücks-Lieferservice für Ferienquartiere, der touristischen Vermarktung von Hofläden und einem Urlaubskochbuch mit norddeutschen Gerichten. Dass die Realisierung gelang, zeigte sich beim Tourismustag in Neumünster: Beim ADAC-Tourismuspreis Schleswig-Holstein belegte das Projekt den zweiten Platz.

„Wir richten den Blick regelmäßig über den Tellerrand. Der Austausch mit Regionen, auch außerhalb Deutschlands, ist dafür immens wichtig“, erklärt Claus Röhe, Vorsitzender der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland, am Ende des Besuchs.

Was bedeutet Leader?

Die EU unterstützt seit 1991 mit dem LEADER-Ansatz (Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale) modellhafte Projekte im ländlichen Raum. In den Leader-Regionen können die Menschen Prozesse vor Ort mitgestalten. Lokale Aktionsgruppen, zu denen auch die Aktiv-Regionen gehören, bestimmen diese Prozesse. Derzeit gibt es bundesweit 321 Lokale Aktionsgruppen.

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