Zwischen Vorfreude und Abschiedsschmerz : Von der Nordseeküste ins Township

Merle,  Diego und Bente aus Nordfriesland freuen sich auf bereichernde Erfahrungen in Afrika und Indien.
Merle, Diego und Bente aus Nordfriesland freuen sich auf bereichernde Erfahrungen in Afrika und Indien.

Sie sind jung und wollen Armen und Kranken helfen: Mit dem Abitur in der Tasche reisen drei Nordfriesen nach Indien und Afrika, um für Kirchenprojekte zu arbeiten.

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13. Juli 2014, 13:00 Uhr

Aids-Waisenkinder in einem Distrikt an der Nord-Ost-Grenze Tansanias, Kinder und Jugendliche in einem Township nahe Kapstadt, indigene Dorfbewohner im Nordosten Indiens: Ein Jahr lang werden Merle, Diego und Bente mit ihnen leben und für sie arbeiten. In den nächsten Wochen reisen die 19-Jährigen aus Nordfriesland in ihre Einsatzorte – entsandt und betreut vom Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche (ZMÖ).

Sie haben gerade ihr Abitur gemacht: „Jetzt ist die Gelegenheit, eine andere Kultur besser kennenzulernen“, begründet Bente Jessen-Thiesen ihren Schritt nach Indien. Dabei möchte sie, anders als in einem Urlaub, „nicht nur an der Oberfläche kratzen“. Ein Projekt im indischen Bundesstaat Orissa wird ihr Einsatzort sein.

Im sogenannten Armenhaus Indiens versucht die Jeypore-Kirche den Kreislauf von Armut, Hunger, fehlender Ausbildung und neuer Armut zu durchbrechen. Die Adivasi wohnen weit verstreut in den Dörfern und leben von Tagelohn oder vom Ertrag ihrer kleinen Felder. Zu den Aufgaben der jungen Husumerin werden Besuche auf den Feldern, in den Städten, der Dialog mit den Kommunen, die Teilnahme an Mitarbeiterbesprechungen, die Organisation von Seminaren und Tagungen, die Vorbereitung regelmäßiger Berichte sowie Besuche anderer Organisationen gehören.

„Wir lassen viel hinter uns“, dessen ist sich Merle Brauer bewusst. Die Nordstranderin wird ein Jahr lang am Fuß des Kilimanjaro helfen, dass Aids-Waisenkinder in ihrem bisherigen Umfeld leben können. Das Projekt des Kirchenkreises Ostkilimajaro fördert die Integration der Waisen, die bei nahen oder fernen Verwandten leben, in die Gemeinden. Merle Brauer wird gemeinsam mit der Diakonissin Schwester Ester Tango die Kinder und Jugendlichen besuchen und regelmäßige Treffen organisieren. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Gesundheitsaufklärung über HIV/Aids.

„Fernweh“ nennt Diego Grützmann als Motivation, sich für den Freiwilligendienst im Zentrum für Mission und Ökumene beworben zu haben. Seine Familie war vor zehn Jahren nach Nordfriesland gekommen, weil Vater Geraldo als Referent im ZMÖ tätig wurde. Als die Familie 2012 nach Brasilien zurückkehrte, blieb Diego in Husum, um dort sein Abitur zu machen. In einer Woche wird ihn der Flieger nach Südafrika bringen. Das Projekt „New World Foundation“ in einem Township nahe Kapstadt ist dann sein Einsatzort. Zu seinen Aufgaben werden die Betreuung von Mädchen und Jungen in Kindergarten, Vorschule oder nach der Schule gehören sowie Jugendarbeit im Schachclub oder die Organisation von Sport- und Informationsangeboten.

Nachdem vor einigen Wochen noch das Abitur im Mittelpunkt stand, stellen sich jetzt, wo die Reisetermine näher rücken, Vorfreude, Nervosität und auch Abschiedsschmerz ein. In mehreren Seminaren und einer zehntägigen Tagung sind die jungen Erwachsenen aus Nordfriesland zusammen mit weiteren 27 anderen Freiwilligen aus der Nordkirche auf das kommende Jahr vorbereitet worden.

In einem Gottesdienst im Ratzeburger Dom wurden Bente Jessen-Thiesen, Merle Brauer und Diego Grützmann bereits feierlich zu ihren Einsatzorten in den Partnerkirchen entsandt. Eltern und Freunde waren dazu eingeladen – bei der Einsegnung für den Dienst floss auf beiden Seiten so manche Träne.

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