Husumer Hafen : Von der „Matratze“ in den Laderaum

Das größte Bauteil wog 50,5 Tonnen, die gesamte Fracht rund 120 Tonnen.
Das größte Bauteil wog 50,5 Tonnen, die gesamte Fracht rund 120 Tonnen.

Mit großem logistischen Aufwand wurde gestern in Husum eine Kesselanlage der Firma Wulff & Umag von ATR Landhandel gen Irland verschifft.

von
03. August 2018, 11:00 Uhr

Michael Hinz hatte in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. Der Leiter der Schifffahrtsabteilung bei der ATR Landhandel GmbH & Co. KG musste einen Transport nach Irland vorbereiten. Diesmal ging es aber nicht um Futtermittel oder Getreide, sondern um eine sogenannte Abhitzekesselanlage, die von Husum aus ins irische Listowel gebracht werden sollte. Gebaut wurde die 120 Tonnen schwere Anlage von der Firma Wulff & Umag Energy Solutions. Adressat ist ein Unternehmen namens Kerry, das Verbrauchern vor allem durch die Buttermarke Kerrygold bekannt sein dürfte.

„Zunächst hatten wir die Anlage – sie soll den Molkereibetrieb fortan mit Energie versorgen – teils über die Straße auf den Weg nach Irland bringen wollen“, sagt Manfred Michaelsen. Der Seeweg sei zwar deutlich teurer, aber letztlich verlässlicher, erklärt der Montage- und Fertigungsleiter von Wulff & Umag. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Sieben bis acht Prozent des Auftrages gingen allein für Transportkosten drauf. Außerdem gebe es auf der Straße immer wieder Probleme, und „die Genehmigungswege sind lang. Wenn der Transport denn überhaupt zugelassen wird.“

Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Senvion hat die Schifffahrtsabteilung von ATR mit dem Transport schwerer Güter wie Komponenten für Windkraftanlagen langjährige Erfahrungen gesammelt. Mehr noch: Zwei Schiffe, „Maike“ und „Ilka“, hat Hinz eigens für diesen Zweck umbauen lassen. Das kommt nun auch Wulff & Umag zugute.

Vollkommen unproblematisch ist aber auch der Transport auf dem Seeweg nicht. Das beginnt schon damit, dass die Einzelteile der Kesselanlage erst einmal zum Hafen gebracht werden müssen. „Und allein das größte Bauteil der Kesselanlage ist 8,5 Meter lang, 6,9 Meter breit und vier Meter hoch“, berichtet Michaelsen. Darüber hinaus gilt für Kaimauern dasselbe wie für Autobahnbrücken. Wenn die Statik nicht mitmacht, ist Schicht im Schacht. Auf den Kessel-Transport übertragen bedeutete dies, dass das Gelände der HaGe, wo der Kessel von einem 250-Tonnen-Kran in die „Maike“ gehievt wurde, zunächst mit elf Tonnen Sand und 60 Quadratmetern Bongossi-Holzplatten bedeckt werden musste. Michaelsen spricht fachgerecht von „Lastverteilplatten“, Hinz etwas laxer von „Matratzen“. Doch wie man das Kind auch nennt, der Zweck ist derselbe: „So soll die Pier abgesichert werden“, erklären die Männer.

Trotz allen Aufwandes und ihrer Ausmaße ist die Wulff & Umag-Kesselanlage für ATR eher ein „Leichtgewicht“. Da haben wir schon ganz andere Kaliber verschifft“, sagt Hinz – „bis zu 350 Tonnen“. Dessen ungeachtet brachte allein das Kontergewicht, das nötig war, damit der Kran beim Anheben der Fracht nicht umkippt, ein Viertel dieser 350 Tonnen auf die Waage.

Die neue Energieversorgung des Kerry-Molkereibetriebes läuft über eine Gasturbine, deren Abgase mit Hilfe der Abhitzekesselanlage für die Dampferzeugung genutzt wird. Dieser „Prozessdampf“ wird unter anderem zum Aufkochen der Molke und zur Sterilisation benötigt. Hauptprodukt des Betriebes ist Milchpulver.

Es ist nicht die erste Anlage, die Wulff & Umag nach Irland liefert. „Für die dortige Milchindustrie haben wir bereits drei andere Kessel produziert“, sagt Michaelsen.

In fünf Tagen soll die Fracht in Listowel eintreffen. Der Zeitpunkt ist günstig, denn anders als im Winter ist die See zur Zeit nicht sehr rau. Und da solche Transporte immer auch eine Frage der Logistik sind, hat Hinz bereits darüber nachgedacht, was „Maike“ im Gegenzug nach Husum mitbringen könnte. Im Gespräch sind Weizendestillerpallets, die der Kümo in Amsterdam laden könnte oder zwei Transformatoren für das Umspannwerk an der B 5, die er aus Rotterdam holen müsste, „vorausgesetzt, dass sie schon fertig sind.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen