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25 Jahre Pro Familia in Husum : Von der Liebe bis zu Lebenskrisen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 25 Jahren erhalten Frauen und Männer jeden Alters Rat und Hilfe beim Team von Pro Familia in Husum. Mediation ist ein neues Angebot.

von
erstellt am 31.Okt.2014 | 17:30 Uhr

Dass Jugendliche aufgeklärter sind, kann Angela Reinhard nicht bestätigen. Es gebe oft „falsches Wissen“ – so würden viele Mädchen glauben, dass beim ersten Mal „nichts passieren“ kann. Und an Aids werde oft nicht gedacht. Die Leiterin der Husumer Beratungsstelle von Pro Familia versucht gerade bei Gesprächen mit jungen Frauen Gefühle in den Mittelpunkt zu stellen: „Es sollte doch mehr darum gehen, ob sie überhaupt bereit sind – und nicht um irgendwelche Techniken. Doch die werden häufiger besprochen.“

Informationen über Sex holt sich die junge Generation hauptsächlich aus dem Internet – „leider klicken Jungen oft Pornografisches an“ – oder aus Zeitschriften. Angela Reinhard – seit 20 Jahren auch für den Mädchentreff Husum verantwortlich – würde sich wünschen, dass Sexualkunde ein festes Unterrichtsfach sein könnte. Die Diplom-Pädagogin, Sexualpädagogin und Mediatorin kann Schulen jedoch nur im Rahmen von Präventionsveranstaltungen und Projektarbeit besuchen. Zu ihrem Team gehört die Diplom-Pädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, Irmgard Hoenck. Sie ist seit mehr als 23 Jahren dabei und vor allem für die Beratung von einzelnen Klienten und Paaren, auch gleichgeschlechtlich lebenden, zu allen Themen rund um Beziehung, Partnerschaft und Sexualität zuständig. Komplett macht das Trio der Diplom-Pädagoge und Mediator Ingo Grünberg.

Liebe, Sexualität und Partnerschaft, Schwangerschaft und Geburt, Familienplanung, Trennung, Lebenskrisen, Aufklärung und Prävention – das sind die Themen, zu denen Pro Familia seit 25 Jahren in der Kreisstadt Beratung und Unterstützung anbietet. Im vergangenen Jahr kamen 273 Ratsuchende – Hetero- und Homosexuelle – von Mitte 20 bis 70 und älter in die Einrichtung, darunter Paare, Alleinlebende und Menschen mit Behinderung. Für das Team waren es 468 Beratungen – „Tendenz steigend“, betont Angela Reinhard, die seit 2013 die Chefin ist. „Dabei war der Anfang mehr als bescheiden: 1989 startete Pro Familia mit gerade mal vier Stunden. Mittlerweile bieten wir auch Beratung vor, während und nach vorgeburtlichen Untersuchungen an sowie Beratung für werdende Eltern zu rechtlichen Grundlagen und finanziellen Hilfen oder zu unerfülltem Kinderwunsch.“

Auch der Wunsch nach einer Mediation kann in den Räumen im Schlossgang 8 erfüllt werden. Zusammen mit ihrem Kollegen Ingo Grünberg sucht Angela Reinhard für Paare und Familien bei Konflikten nach Lösungen, die keinen als Verlierer dastehen lassen. „Mediation kann auch für Paare in Trennung hilfreich sein.“ Reinhard betont, dass Pro Familia keine politische oder konfessionelle Bindung besitzt, sodass eine unabhängige Beratung gewährleistet wird.

Die Einrichtung ist gut vernetzt und genießt große Akzeptanz in Nordfriesland. „Neben der Professionalität wird unser Verständnis von Beratung geschätzt. Partnerschaftlich handeln, ist Grundsatz und Ziel unserer Arbeit. Wir unterstützen die Klientinnen und Klienten einfühlsam und respektvoll und helfen ihnen, zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung zu kommen“, erklärt Angela Reinhard stellvertretend für ihre Mitarbeiter. Bei der Sexualberatung geht es nach ihrer Erfahrung oft darum, dass „nicht ausreichend über die eigenen Wünsche“ miteinander kommuniziert wird.

Seit 1995 gibt es das „Schwangeren- und Familienhilfe-Änderungsgesetz“. Danach sind Abtreibungen rechtswidrig, aber innerhalb der ersten zwölf Wochen straffrei, wenn die Frau eine Beratung nachweist. „Wir stellen nach einem entsprechenden Gespräch eine Bescheinigung aus.“ Angela Reinhard: „Es ist immer eine schwierige Entscheidung.“ Vorrangig seien es berufliche – „Ich habe gerade einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung bekommen“ – und finanzielle Gründe, die Frauen zu diesem Schritt bewegen. „Es gibt aber auch Mütter mit drei bis vier Kindern, die klar sagen, dass sie es nicht schaffen würden, noch ein fünftes Kind zu versorgen. Vermehrt führen Frauen auch psychische Gründe an.“ Reinhard würde es begrüßen, wenn Frauen, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen, Verhütungsmittel bezahlt bekommen.

Pro Familia in Husum steht ein Jahresbudget von 80 .000 Euro zur Verfügung: 80 Prozent übernimmt das Land Schleswig-Holstein, das restliche Geld kommt über die Honorare für längerfristige Begleitungen herein – jeweils 1500 Euro legen der Kreis Nordfriesland und die Stadt Husum dazu.


Beratungs- und Projekttermine bei Pro Familia in Husum nach Vereinbarung unter Telefon 04841/3671 – Montag bis Freitag, von 10 bis 12 Uhr, sowie Montag und Donnerstag, zusätzlich von 16 bis 18 Uhr, Schlossgang 8, Telefon: 04841/3671, E-Mail: husum@profamilia.de, Internet: www.profamilia-sh.de.

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