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Jahresrückblick Husum : Von alten und von neuen Bauten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Erster Teil: Was Politik und Verwaltung der Storm-Stadt im zu Ende gehenden Jahr bewegte – und wodurch sie bewegt wurden.

von
erstellt am 29.Dez.2015 | 18:26 Uhr

Nein, es waren nicht nur die Flüchtlinge und deren Unterbringung, unter deren Zeichen die Husumer Politik im Jahr 2015 stand, wenn auch die im Gedächtnis haften gebliebenen Schlagzeilen der zweiten Jahreshälfte und die Auswirkungen der Problematik auf die Zukunft diesen Eindruck vermitteln könnten. Obwohl schon zu Anfang des Jahres der „Runde Tisch – Vielfalt leben!“ die Aufbauarbeit zur Integration von Ausländern vorantrieb. Ohne zu wissen, wie dringend diese Angelegenheit ab dem Sommer werden würde. Aber der Reihe nach.

Neben den Dauerbrennern wie Tourismus- und Mobilitätskonzept Innenstadt, die das ganze Jahr über immer wieder Thema in den Sitzungen waren (und wohl auch 2016 sein werden), berührte die Husumer zunächst etwas ganz anderes, nämlich das geplante Einkaufszentrum, das in der Innenstadt das hässliche Ex-Hertie-Haus ersetzen und zum Magneten für die Kundschaft aus der ganzen Region werden soll. Ende Januar wurden die Einzelheiten des Projektes erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt – und die Reaktionen waren überwiegend positiv.

Größere Unmutsäußerungen gab es erst nach der zweiten Präsentation Ende Mai: Das Aussehen der Fassade – obwohl noch gar nicht in ihrer endgültigen Form festgelegt – rief durchaus geteilte Meinungen hervor. Und sollte für die folgenden Monate der Zankapfel bleiben. Erst recht, als Mitte Juli die ersten konkreten Entwürfe zirkulierten. Und als dann noch die Tatsache ins Bewusstsein sickerte, dass für diese Fassade das Haus Großstraße 19 – mittlerweile als Villa Fabelhaft bekannt – weichen sollte, war der Ofen aus und die Stadtbildpfleger machten sich Anfang August auf, die Villa zu retten. Die steht zwar unter Denkmalschutz, aber nicht als Einzelgebäude, sondern nur im Rahmen des gesamten Straßen-Ensembles. Und so entschieden sich die Stadtpolitiker Mitte Oktober, dem Shopping-Center Vorrang einzuräumen und das Gründerzeit-Haus zu opfern. Adieu, Villa Fabelhaft.

Andere Bauten bereiteten – und bereiten – Politik und Verwaltung allerdings wesentlich mehr Kummer. Nämlich solche, in denen Menschen nicht einkaufen, sondern leben können. Denn es fehlt an bezahlbarem Wohnraum in Husum. Kein neues Problem in 2015, aber eines, das durch die Flüchtlingskrise enorm an Brisanz gewann. Kamen im August noch wöchentlich zwischen fünf und sieben Asylbewerber in die Storm-Stadt, waren es Ende November schon 25 – Tendenz steigend. Die Unterbringung der Flüchtlinge hielt den neuen Ordnungsamtsleiter Malte Hansen, der den Posten Ende Januar von Günter Zumach übernommen hatte, und sein Team das ganze Jahr über auf Trab. Und die Probleme wurden immer drängender. Was auch die Politik erkannte und selbstkritisch feststellte, dass man die Angelegenheit in der Vergangenheit ja auch ein wenig verschleppt hätte. Denn nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Einheimische wollen adäquat untergebracht sein.

Also: Neu bauen – und das schnell. Städtische Grundstücke sind vorhanden, der Willen zum Handeln kam dazu. Obwohl nicht alle Fraktionen damit einverstanden waren, ein Drittel der dringend als Parkfläche benötigten Neuen Freiheit mit Einfach-Wohnhäusern nach dem Kieler Modell vollzustellen. Und eine Erstaufnahme-Einrichtung bekam die Storm-Stadt zum Jahresende auch noch: Auf der Multifunktionsfläche entstand ein Container-Dorf mit Platz für 1500 Flüchtlinge, das jedoch – vertraglich festgelegt – ab August 2017 geräumt sein muss, weil der Platz dann für die nächste Windmesse gebraucht wird.

Und sonst? Die Stadtpolitiker entschieden sich für die Einführung wiederkehrender Beiträge zur Straßensanierung, womit die Kosten nicht mehr allein auf die Anlieger, sondern solidarisch auf alle Bewohner eines Stadtteils umgelegt werden, was die extreme finanzielle Belastung Einzelner verhindert. Mit dem Rückzug von Helmut Stemke (WGH) schied ein Urgestein aus der Stadtpolitik aus. Im Kämmereiamt gab es Ende Januar ebenfalls einen Wechsel, als Dirk Pohlmann den Posten des Leiters von Peter Seidel übernahm. Und am Ende des Jahres den ersten Doppik-Haushalt im Minus verkünden musste – „dank“ gestiegener Kreis- und Gewerbesteuerumlagen sowie gesunkenen Schlüsselzuweisungen. Die geplanten Baumaßnahmen werden die finanzielle Lage noch verschärfen – 2016 wird also kein Zuckerschlecken.

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