Liebeserklärung an Eiderstedt : Vom Wattwurm und der Kunst des Buchdrucks

Schufen ein besonders Buch-Kunstwerk: Manuel Knortz, Reinhard Scheuble und Uwe Herms (von links).
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Schufen ein besonders Buch-Kunstwerk: Manuel Knortz, Reinhard Scheuble und Uwe Herms (von links).

Es ist eine Liebeserklärung an die Halbinsel Eiderstedt: Mit dem Schriftsteller Uwe Herms und dem Künstler Manuel Knortz hat der Buchdrucker und Verleger Reinhard Scheuble ein Buch-Kunstwerk geschaffen.

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11. Juni 2014, 07:00 Uhr

„Kurz gesagt, für euch alle da draußen in der Welt: Rüsselartig schnufft unsere Halbinsel ins Meer hinaus, eine handfeste Drohung gegen die vorlaute See . . .“: So beginnt die Erzählung „Watt und Mond und Jadehase“ von Uwe Herms. Eine Liebeserklärung an Ei-derstedt. An die marschsatten Wiesen und Äcker, an Wehlen und Deiche, Häuser und Scheunen, an Vieh, Tiere und Menschen dieser Halbinsel. Und an den Wattwurm – die Keimzelle Eiderstedter Lebens, wie der Schriftsteller und Poet aus Poppenbüll mit einem Augenzwinkern anmerkt. Herms, dieser Welt-läufige und Weitgereiste, hat sein Herz an die herbe Landschaft Nordfrieslands verloren und ihr gemeinsam mit dem Witzworter Maler, Grafiker und Musiker Manuel Knortz ein kunstvolles Denkmal gesetzt, dem Buchdrucker und -Verleger Reinhard Scheuble in seinem Verlag „Quetsche“ die Konturen gab. Entstanden ist Buchkunst in ihrer schönsten, aufwendigsten und eindrücklichsten Form, die jetzt bei einem Tag der offenen Tür in den Quetsche-Druckräumen präsentiert wurde.

„Es ist eine Rede von Eiderstedt an die ganze Welt“, erklärt Uwe Herms. Seine geliebte Halbinsel macht er zum Nabel der Welt und nötigt diese, innezuhalten und andächtig zu lauschen, wenn er in einem poetischen, sprachgewaltigen, heiter-hintergründigen Monolog voller Wortmalereien und amüsanter Beobachtungen die Schönheit und Eigenwilligkeit Eiderstedts preist.

Und wer könnte das, begleitend zum Text, eindrucksvoller unterstreichen als Manuel Knortz mit seinen Holzschnitten. So sind sie denn auch weniger Illustration als gleichberechtigte Partner, führen ein markantes Eigenleben, erzählen auf ihre Art fesselnde Geschichten. Und sie gaben sogar den Anstoß für das Buch. Denn am Anfang dieses ehrgeizigen Projektes, das rund ein halbes Jahr in Anspruch nahm, stand nicht das Wort, sondern das Bild.

„Ich habe die Holzschnitte von Manuel Knortz gesehen und wollte ein Buch daraus zu machen“, erzählt Scheuble: „Dann ging’s darum, jemanden zu finden, der schreibt.“ Uwe Herms konnte er auf Anhieb gewinnen. Und irgendwie war danach einfach klar, dass es eine Hommage an Eiderstedt würde.

Lesungen mit dem Poppenbüller Autor gibt es am Tag der offenen Tür gleich mehrmals – so gewaltig ist das Publikumsinteresse. Auch stets im Fokus: die Holzschnitte von Knortz. Fünf waren es ursprünglich, 18 weitere kamen für das Buch hinzu. Und das ist selbst ein Kunstwerk mit seiner kleinen Auflage von 48 Exemplaren (acht davon in Pergament gebunden, mit einer Mappe zusätzlicher Holzschnitte), die sich nicht nur an Knortz- und Herms-Fans richten, sondern in Konzeption und Layout jeden kunstsinnigen Buchsammler fesseln dürften. Nichts ist hier dem Zufall überlassen. „Die passende Schrift zu den Holzschnitten habe ich bei dem Berliner Künstler Henning Wagenbreth gefunden“, erzählt Scheuble: „Die Schrift nennt sich Forest und korrespon-diert mit ihren Unrundungen perfekt mit den Holzschnitten.“

Wie viel Arbeit die Herstellung eines Kunstbuches macht und welche Schritte zum Druck eines Holzschnittes nötig sind, erfahren die Besucher bei den Druckvorführungen: Scheuble und seine Frau Gisela Mott-Dreizler werden nicht müde, mit Druckstock und Presse die Kunstfertigkeit des Handdruckens zu demonstrieren. Das Publikum schaut, hört gebannt zu – und schnuppert. Denn nicht zuletzt macht auch der Geruch von frischer Druckfarbe jede Vorführung zu einem sinnli-chen Erlebnis.

Weitere Informationen unter www.quetsche-witzwort.de

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