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Hilfe im Advent : Vom Schicksal hart getroffen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schwer chronisch krank ist die Familie Lethe aus St. Peter-Ording – sie benötigt dringend eine größere Wohnung. Die Husumer Nachrichten stellen sie in ihrer Serie Hilfe im Advent vor.

Der Advent ist die Zeit, zu der sich die Christen in aller Welt auf die Ankunft des Herrn – Adventus Domini – vorbereiten. Allgemein gelten diese Wochen als Tage des Friedens, der Liebe und der Hilfe. Im ersten Teil unserer Serie stellen wir die Familie Lethe aus St. Peter-Ording vor, die um Hilfe bittet.

Die Lethes brauchen viel Geduld und Kampfgeist, denn was das Leben den dreien aufgebürdet hat, das lässt sich kaum ertragen. Ursula Lethe und ihre Tochter Christin sitzen seit Jahren im Rollstuhl. Sie sind, ebenso wie Hermann Lethe, chronisch krank. Die Familie wohnt in äußerst beengten Verhältnissen und wünscht sich nichts mehr, als da herauszukommen. Dazu brauchen sie Hilfe.

Ursula Lethe ist von einem Gendefekt betroffen, Thrombosen und Lungenembolien bedrohen sie, würde sie nicht Blutverdünnungsmittel nehmen. Aber diese haben eine Schattenseite: Die 60-Jährige kann deswegen nicht an den Bandscheiben operiert werden. Zu groß ist die Gefahr, dass sie verbluten würde. Zudem hat sie Probleme mit den Gelenken, leidet an Asthma und Rheuma. Seit fünf Jahren ist sie an den Elektro-Rollstuhl gefesselt.

Noch schlimmer dran ist ihre Tochter Christin. Von Kindesbeinen an leidet sie unter Allergien und Multipler Chemikaliensensitivität (MCS). Ihr Körper reagiert extrem auf Nahrungsmittel, Duftstoffe und vieles andere. Ferner hat sie das Asthma und eine Gelenksdegeneration von ihren Eltern geerbt. Auch die Wirbelsäule ist betroffen. Wegen der MCS kann sie aber keine Medikamente gegen die Schmerzen nehmen. Die Krankheiten sind stetig fortgeschritten. Als Mädchen spielte die heute 30-Jährige Tennis und Handball. seit 2011 ist sie komplett auf den Rollstuhl angewiesen.

Hermann Lethe kümmert sich um seine beiden Frauen, obwohl er selbst unter Rheuma, Asthma und Gelenkproblemen leidet. Für längere Strecken benötigt der 62-Jährige ebenfalls einen Elektro-Rollstuhl, zuhause benutzt er einen Rollator. Früher waren sie eine ganz normale Familie: Sie lebten in der Nähe von Verden, er arbeitete 40 Jahre lang als Groß- und Außenhandelskaufmann, sie 32 Jahre lang zunächst als Rechtsanwaltsgehilfin und dann als Schulsekretärin. Sie engagierte sich in der Kirche. Wegen ihres Asthmas kamen sie zur Kur nach St. Peter-Ording. Ursula Lethe musste mit 47 Jahren wegen der Lungenembolien aufhören zu arbeiten, doch konnte sie noch ihre krebskranke Mutter und den an Parkinson erkrankten Vater pflegen.

Die Wohnverhältnisse der Lethes sind alles andere als geeignet für Menschen mit solch großen Handicaps. Die Familie lebt in einer winzigen Eigentumswohnung im Nordseebad. Ein Wohnzimmer, dort schläft die Mutter, Küchennische, ein Raum für die Tochter und ein Bad. Für Hermann Lethe ist kein Platz zum Schlafen, er hatte sich dafür ein Zimmer in der Nachbarschaft gemietet. Doch zu allem Überfluss war es ihm kürzlich gekündigt worden. Nun übernachtet er in seinem Auto. Er muss ja in der Nähe von Frau und Tochter sein, denn auch nachts benötigen sie seine Hilfe.

Seit 2007 wohnen die Lethes in der 45 Quadratmeter großen Wohnung, die sie vor 14 Jahren als Ferienquartier gekauft hatten. Zunächst hatte die Tochter eine eigene Wohnung. Dann zwangen die Krankheiten sie, zusammenzuziehen. Doch für zwei große Elektro-Rollstühle ist die Wohnung einfach zu klein, zumal Christin Lethe viel Platz braucht, da ihre Beine wegen der Schmerzen hochgelagert werden müssen. „Wir können hier nichts machen, außer sitzen, fernsehen und ein bisschen Büroarbeit“, sagen die beiden Frauen. Sich zurückzuziehen, einem Hobby nachgehen oder in netter Runde mit anderen Menschen zusammenzusitzen, ist nicht möglich. Gerne würden sie sich für andere Menschen mit Handicap engagieren, doch auch dafür ist die Wohnung zu klein. Durch die Enge muss Hermann Lethe den Frauen vieles abnehmen, wie kochen oder einfach nur einen Lichtschalter bedienen. Wie lange kann er das noch? Was ist, wenn sie noch pflegebedürftiger werden?

Ihr größter Wunsch ist daher eine größere Wohnung mit einem einfachen barrierefreien Zugang. Doch das ist schwierig, weil sie nicht genügend Geld haben, um das Projekt selbst zu finanzieren. Das Ehepaar erhält Erwerbsunfähigkeits-Renten, die Tochter Hartz IV. Eine bestehende Wohnung oder ein Haus zu mieten, kommt nicht in Frage: „Wegen der MCS von Christin müssen wir selbst bauen, da wir nur ganz bestimmte Stoffe verwenden dürfen“, sagt Ursula Lethe. Ihre Tochter kann wegen der MCS natürlich nicht in ein Heim ziehen. Vergeblich haben sie sich bislang um einen Investoren bemüht. Auch an das Innenministerium haben sich die Lethes schon gewandt, doch vom Staat gibt es keinen Zuschuss. Die Investitionsbank würde die Kosten für einen Neubau bis zu einer Höhe von maximal 209.000 Euro fördern, wie Ursula Lethe erklärt. „Doch das reicht nicht. Außerdem müssen wir erst einen speziellen Architekten haben, der einen Kostenplan aufstellt, sonst bekommen wir von der Bank nichts.“

„Wir scheinen irgendwie überall durchzufallen. Eine Familie, in der alle im Rollstuhl sitzen, ist in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen“, sagt Hermann Lethe. Die Familie hofft nun auf Unterstützung, in welcher Form auch immer. Vielleicht findet sich ein Architekt, vielleicht finden sich Menschen, die beim Hausbau helfen. Und ein Anfang wäre schon mit einem Zimmer für Hermann Lethe gemacht. Wer helfen möchte, erreicht sie unter Telefon 04863/4784997 oder per E-Mail spo-mit-handicap@gmx.de.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 29.Nov.2014 | 18:00 Uhr

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