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Bondelum : Vom „Rumsteherchen“ zum Lieblingsplatz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Experiment der besonderen Art: Ingrid Thomsen hat eine Aussteuertruhe zum antiken Sofa umarbeiten lassen – eine Idee, die Lust auf mehr macht.

Meist fristen sie seit Jahrzehnten auf staubigen Dachböden ein trauriges Dasein oder stehen als stummer Diener für Tisch- oder Bettwäsche irgendwo in der Wohnung herum. So war es zuletzt auch bei Ingrid Thomsen. Vor 40 Jahren hatten ihr die in Bollingstedt lebenden Großeltern eine Aussteuertruhe aus Eichenholz überlassen. Ein altes Stück mit Runddeckel und Eisenbeschlägen. Der Platz, an dem die Truhe im Haus des Bondelumer Schmieds lange stand, war ideal: Jeder Besucher konnte sie sehen.

Als sich nach dem Umzug in ein kleineres Haus kein gleichwertiger Platz mehr finden ließ, beschloss Ingrid Thomsen, das geliebte Erbstück aufwendig aufarbeiten zu lassen – in der Hoffnung, danach eine Lösung für eine sinnvollere Nutzung zu finden. Doch die gab es nicht, und so sollte es noch viele Jahre dauern, bis ihr die richtige Idee ganz zufällig über den Weg lief. Das Datum weiß sie noch genau: „Das war am 5. August 2016.“

An dem Tag kam das dritte Enkelkind zur Welt. Nach dem Babybesuch in Flensburg wollten die Großeltern das freudige Ereignis feiern und kehrten auf dem Rückweg in Silberstedt im Restaurant „Schimmelreiter“ ein. Und da stand sie, die perfekte Lösung: ein antikes Sofa, das in seinem früheren Leben offensichtlich eine Aussteuertruhe gewesen war. „Ich wusste sofort, so soll meine Truhe auch aussehen, nur etwas höher, damit man bequem darauf sitzen kann“, erinnert sich Ingrid Thomsen, die gleich darauf einen befreundeten Tischler anrief, um mit ihm die Möglichkeiten des Umbaus zu besprechen.

Nachdem klar war, dass die reich geschmückte Vorderseite der Truhe als sichtbarer Sofa-Rücken erhalten bleiben sollte, entfernte der Tischler einen Teil der schmucklosen Rückwand, schraubte die Füße fest und setzte eine stabile Holzplatte ein, die als Sitzfläche dienen sollte. Der nächste Anruf galt Heidemarie Carstensen vom gleichnamigen Gardinenstudio in Viöl, von der Thomsen wusste, dass sie auch eine Polsterwerkstatt betreibt. „Heidi war sofort Feuer und Flamme für meine Idee. Mit ihrem Team haben wir lange an dieser Lösung hier getüftelt“, zeigt die Bondelumerin stolz auf das exklusive Möbelstück, das seit Weihnachten der Blickfang ihres Wohnzimmers ist. Mit dicken hellen Polstern, passenden Kissen und einer Kordel rund um den Truhenrand avancierte das einstige „Rumsteherchen“ in kürzester Zeit zum absoluten Lieblingsplatz der Familie.

„Hier lese ich morgens meine Zeitung“, sagt Thomsen, die sich jeden Tag aufs Neue darüber freut, dass sie dieses Experiment gewagt und die Truhe aus ihrem Nischendasein befreit hat. Ein Experiment, das noch längst nicht zu Ende gedacht ist: „Ich möchte, dass auch der alte Truhendeckel zu Ehren kommt und mir daraus einen Schrank fertigen lassen“, sagt sie. Da überall auf dem Land noch eine Menge Truhen dieser Art herumstehen, könnten sich die beiden Frauen vorstellen, dass diese Form der Umwidmung bald noch weitere Liebhaber finden wird. Ein neuer Wohntrend, made in Nordfriesland?

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