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Nordfriesland-Roman : Vom Reiseziel zum Krimi-Stoff

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ruhrpott-Autorin Annelie Wiefel erzählt, warum ihr Roman „ . . . und wieder ist Mord! Dat du mien Leevsten büst“ ausgerechnet in Nordfriesland spielt.

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erstellt am 22.Okt.2015 | 16:00 Uhr

„Hinnerk? Is di wat? Minsch, du büss ja witt äs de Wand!“ – „Bodo! Wi hebbt eene Liek  .  .  .!“ Als Annelie Wiefel diese Passage auf der Frankfurter Buchmesse vorlas, blieben die Leute neugierig an ihrem kleinen Bücherstand stehen. Die 52-Jährige hat ihren ersten Kriminalroman veröffentlicht, und lässt die Polizisten auf Platt ermitteln. „  .  .  . und wieder ist Mord! Dat du mien Leevsten büst“ spielt in Nordfriesland. Und zwar im Jahr 1973. Die beiden Polizisten Bodo und Hinnerk aus dem fiktiven Treenemünde werden durch einen späten Anruf in ihren Feierabend-Vorbereitungen gestört. Auf dem Deich wurde eine Leiche gefunden. Die Tote ist Grundschullehrerin Dörte Feddersen. Während ihr Ehemann nicht vernehmungsfähig im Krankenhaus liegt, gerät auch der Schuldirektor, ein zugereister Eigenbrötler, in Verdacht. Unterstützt von Bodo und Hinnerk macht sich die Kieler Kriminalhauptkommissarin Anne Kogler auf die Suche nach Motiv und Mörder.

In einem Gespräch mit Redakteurin Patricia Wagner erklärt Annelie Wiefel, die in der Stadt Lünen am Rande des Ruhrgebietes lebt, warum sie ausgerechnet einen Nordfriesland-Krimi geschrieben hat. Mittlerweile hat die Autorin schon zwei weitere Krimi-Bände verfasst, die sich ebenfalls um Hauptkommissarin Anne Kogler und ihre Fälle drehen. Band zwei spielt auf den Färöer-Inseln und in Kiel, in Band drei ermittelt Wiefels Heldin erneut in Nordfriesland und Buch Nummer vier ist in Arbeit. Hier wird Lübeck Schauplatz eines Verbrechens sein.

Ihr Buch in diesem Jahr auf der Buchmesse vorstellen zu dürfen, das war für die Autorin ein außergewöhnliches Erlebnis. Nun würde sie auch gern in Nordfriesland eine Lesung halten.


Frau Wiefel, Sie sind eigentlich studierte Volkswirtin. Was hat Sie dazu bewogen, einen Krimi zu schreiben?

Ich bin ein absoluter Krimi- und „Tatort“-Fan und habe einfach mal drauflos geschrieben. Mein Glück war, dass der Edition-Fischer-Verlag gleich angebissen hat. Ein Jahr lang habe ich an dem Buch gearbeitet – immer vor Dienstbeginn. Ich bin als Direktionsassistentin in einer Bochumer Klinik tätig und stehe extra um 5 Uhr auf, um eine kostbare ungestörte Stunde für mich zu haben. Viele Passagen habe ich außerdem im Urlaub in Lübeck bei meinem Bruder geschrieben.

Warum haben Sie sich Nordfriesland als Schauplatz für Ihren Mordfall ausgesucht?

Schon als Kind hat mich Nordfriesland fasziniert. Ich bin in Lübeck aufgewachsen und wir haben oft unsere Familienurlaube an der Westküste verbracht. Im Heimatkundeunterricht war ich immer ganz Ohr, wenn wir über das Wattenmeer oder Marsch- und Geestlandschaften gesprochen haben. Das raue Klima und die geheimnisvolle Atmosphäre an der Küste – das sind genau die richtigen Zutaten für meinen Krimi. Es gibt auch einen Grund, warum Bodo und Hinnerk aus Treenemünde kommen. Mir hat immer der Name des Flusses Treene gefallen, deshalb habe ich mir diesen Handlungsort ausgedacht. Und zu einem Schauplatz habe ich einen ganz besonderen Bezug: Kommissarin Kogler wohnt in der Kieler Samwerstraße – genau in dieser Wohnung habe ich während meines Studiums an der Christian-Albrechts-Universität selbst gelebt.

Ihre Ermittlerin und das Polizisten-Duo agieren auf Plattdeutsch. Wurde bei Ihnen zu Hause Platt gesprochen oder haben Sie sich extra für das Buch damit befasst?

Meine Eltern haben ein bisschen Platt geschnackt, aber nicht mit meinem Bruder und mir. Ich habe es mir mit Hilfe von Wörterbüchern Stück für Stück selbst beigebracht. Das war übrigens das Schwierigste und Aufwendigste am gesamten Buch. Damit es die Leser leichter haben, ist der Geschichte ein kleines niederdeutsches Wörterbuch vorangestellt.

Warum haben Sie die Handlung ausgerechnet in das Jahr 1973 verlegt?

Ich liebe die 70er Jahre mit ihren Schlaghosen und fühle mich in der Zeit zuhause. Außerdem wollte ich, dass meine Figuren herkömmlich ermitteln, ohne Handys und komplizierte Computerprogramme – das ist nicht meine Welt.

Im Mittelpunkt ihrer Buchreihe steht Kriminalhauptkommissarin Anne Kogler. Ist eine Frau als Chef-Ermittlerin im Deutschland der 70er Jahre nicht sehr ungewöhnlich?

Ich gebe zu, dass das ein kleiner Kunstgriff war. Trotzdem gab es auch vor vierzig Jahren schon Frauen bei der Kripo. Für mich war es einfach wichtig, einen Charakter zu erschaffen, mit dem ich mich identifizieren kann.

Annelie Wiefel: .  .  . und wieder ist Mord

Edition Fischer,

198 Seiten, 14,80 Euro

ISBN 978-3-89950-845-1

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