Künstlerischer Generationswechsel : Vom Kupferstich zur Farb-Radierung

Diese Arbeit steuerte Hans-Ruprecht Leiß zur Grafikmappe der Husumer Nachrichten anlässlich des 350. Geburtstages von Marien-Kantor Nicolaus Bruhns bei.
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Diese Arbeit steuerte Hans-Ruprecht Leiß zur Grafikmappe der Husumer Nachrichten anlässlich des 350. Geburtstages von Marien-Kantor Nicolaus Bruhns bei.

Bredstedts "Stadtkünstler" Peter Froese tritt kürzer und nimmt keine Aufträge mehr an – auch nicht von der Stadt. Sein Nachfolger ist Hans-Ruprecht Leiß.

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17. Januar 2018, 17:00 Uhr

Bredstedt | Es ist seine typische Haltung. Nach vorne über den Tisch gebeugt, Stichel und Lupe in der Hand – so hat der Kupferstecher Peter Froese schon zahlreiche Stunden verbracht. Jetzt will er sich langsam zur Ruhe setzen. Ganz aufgehört hat der 78-Jährige noch nicht, aber er will keine Auftragsarbeiten mehr machen. Davon hat er einige gefertigt mit jeweils etwa 60 bis 200 Abzügen. Unter anderem auch neun Motive für die Stadt Bredstedt, die mit den Kupferstichen ehrenvolle Tätigkeiten und Mitgliedschaften würdigte. Die Stadt sucht nun einen Nachfolger, der ähnliche Kunstwerke schaffen kann. In dem Künstler Hans-Ruprecht Leiß haben sie ihn gefunden.

Weitere Kupferstecher gebe es im Norden nicht mehr, weiß Froese. Generell gebe es in Deutschland vielleicht noch zehn, die das Handwerk beherrschen. „Viele scheuen die lange Arbeit. Sie wollen nicht vier bis sechs Wochen an einem Stück sitzen“, schätzt Froese die jüngeren Kollegen ein. Eine Alternative zum Kupferstich seien vielleicht Holzschnitte oder Radierungen. „Kupferstich war früher das, was heute die Fotografie ist“, vergleicht Froese.

Mit Bleistift hat er die Motive vorgezeichnet, dann die Umrisse seitenverkehrt auf die Kupferplatte übertragen und mit einer Reißnadel zart vorgezeichnet. „Anschließend ging es direkt mit dem Stichel weiter“, erklärt Froese das Vorgehen. Ab und zu fertigte er einen Zustandsdruck, indem er den Entwurf schon einmal druckte. „Das mache ich, um zu prüfen, ob ich mit dem Werk zufrieden bin.“ Die fertige Kupferplatte wird dann mit Hilfe einer Presse gedruckt. Hat das Motiv die vorhergesehene Auflage erreicht, wird die Kupferplatte entwertet, indem der Künstler den Stichel einmal quer über sein Werk zieht. Durch die begrenzte Anzahl der Abzüge, gewinnen die einzelnen Kupferstiche an wert. „Das macht sie so wertvoll“, hält Bürgermeister Knut Jessen fest.

Froeses erster Kupferstich für Bredstedt entstand 1991 und zeigte die ehemalige Tabakfabrik „Preisler Hof“. Es folgten sieben weitere Motive bis 1999. Zehn Jahre später wurde Froese erneut von der Stadt beauftragt, diesmal sogar mit einer 200er-Auflage.

Diese Ära ist nun zu Ende. „Wir wollen als Stadt wieder ein Geschenk haben, dass man so nicht kaufen kann“, sagt Bürgermeister Knut Jessen. Dabei sei man auf den Zeichner, Maler und Grafiker Hans-Ruprecht-Leiß gekommen. „Leiß kommt aus Husum, wohnt jetzt in Flensburg“, sagt der Stadt-Chef. „Er macht Kunst-Drucke. Sie sind ein bisschen moderner, farbenfroher und lustiger als die Kupferstiche.“ Von den Kunst-Drucken soll zunächst jeweils eine 50er-Auflage gedruckt werden.

Hans-Ruprecht Leiß: „Gezeichnet habe ich schon immer, bin viel in Museen gewesen.“ Erste Bilder habe er schon in seiner Schulzeit verkauft. Heute ist er freier Maler und Grafiker. Er macht auch Buchgestaltung und -konzepte. Er zeichnet und fertigt Radierungen. Wie jetzt auch für die Stadt Bredstedt.

Leiß kennt Froese von früher. „Er benutzt Eisen für den Kupferstich, um seine Linie ins Kupfer zu stechen. Ich decke die Platte mit Asphaltlack ab, setze dort meine Linien“, erklärt der Künstler.

Im Moment habe Leiß nicht so viel Zeit. Aber im März wolle er ein erstes Werk vorstellen, so Jessen: „Er soll uns dann jedes Jahr ein Motiv für einen festen Preis anbieten.“ Was er als erstes zeichnet, wisse er noch nicht, so Leiß. „Aber es werden Motive und Details aus Schleswig-Holstein, Nordfriesland und der Landschaft um Bredstedt herum sein“, so der 63-Jährige.

Die Verantwortlichen sind bisher zufrieden mit dem Froese-Nachfolger. „Im Koordinierungskreis Bredstedt – wo die Vorsitzenden und Ausschussvorsitzenden sitzen – kam das neue Konzept gut an“, sagt Jessen. Auch mit dem Künstler sei die Stadt sich einig geworden.

Drei Fragen an Künstler Froese und seinen Nachfolger Leiß

Welchen Beruf haben Sie gelernt oder studiert?
Peter Froese: „Mein Vater sagte immer: Lern’ einen anständigen Beruf. Als wir einen Berufsberater auf der Dorfschule zu Besuch hatten, sagte der Lehrer zu ihm: ,Peter zeichnet gerne und viel.’ Daraufhin habe ich Jagdwaffengravur gelernt.“
Hans-Ruprecht Leiß: „Ich bin Kunsterzieher. 1984 habe ich das zweite Staatsexamen fürs Lehramt an der Realschule gemacht, den Beruf aber nie ausgeübt. Seitdem bin ich freischaffender Künstler. Was ich mache, kann man nicht neben dem Beruf des Kunstlehrers in seiner Freizeit machen. Nur wenn ich meinen ganzen Arbeitstag mit der Kunst verbringe, können die Ergebnisse meinen eigenen Maßstäben gerecht werden.“

Haben Sie ein persönliches Lieblingswerk?
Froese: „Mein persönliches Meisterwerk ist der Kupferstich Brief an Lisa von 1994. Es zeigt meine Lieblingsbücher, meinen Arbeitsplatz und mein Werkzeug. Auch kleine Details aus anderen Werken habe ich in den Kupferstich miteingearbeitet. Sechs Wochen habe ich für diesen Kupferstich gebraucht. Ich habe ihn nach meiner jüngsten Tochter Lisa benannt.“
Leiß: „Das, woran ich immer gerade sitze, hat meine volle Aufmerksamkeit. Wenn ich ältere Arbeiten von mir sehe, denke ich manchmal: Mensch, das hast du doch ganz gut hingekriegt. Ich habe eher Lieblingsthemen: Salzwasser, Tiere, Menschen, Spökenkiekereien. Es gibt Leute, die mich als zeichnerischen Geschichtenerzähler bezeichnen.“

Wie hat sich die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Kunst entwickelt?
Froese: „Früher bin ich fanatischer gewesen. Ich habe manchmal 14 Stunden am Stück an meiner Arbeit gesessen, mich nur von Kaffee und Zigaretten ernährt.“
Leiß: „Für mich ist es eine Passion – das umschreibt eigentlich alles. Man kann eigentlich nicht sagen, Kunst wäre mein einziger Lebensinhalt. Ich habe Passion für meine Familie und für meine Freunde. Der Umgang mit Menschen ist für mich besonders wichtig. Ich bin nicht besonders weit von meinem Geburtsort Husum weggekommen. Ich wohne hier oben im Norden sehr gerne und scheine meine Heimat zu brauchen.“

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