Schwanger auf Föhr und Amrum : Vom Kreistag beschlossen: Frauenärztin Juliane Engel bekommt Unterstützung

Hat eine Schwangere oder firsch gewordene Mutter auf Föhr ein Problem, ist Juliane Engel die einzige Ansprechpartnerin. Nun bekommt die Gynäkologin Unterstüzung.
Hat eine Schwangere oder firsch gewordene Mutter auf Föhr ein Problem, ist Juliane Engel die einzige Ansprechpartnerin. Nun bekommt die Gynäkologin Unterstüzung.

Der Kreis Nordfriesland und das Amt Föhr-Amrum fördern gynäkologisch-geburtshilfliche Rufbereitschaft.

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06. November 2020, 18:17 Uhr

Für den Zeitraum 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2025 hat der Kreistag eine Bezuschussung der Kosten der gynäkologisch-geburtshilflichen Rufbereitschaft im Amtsbereich Föhr-Amrum in Höhe von 110.000 Euro beschlossen, einschließlich einer Dynamisierung von maximal zwei Prozent für die Folgejahre.

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Ebenso beschlossen wurde die Bezuschussung der Haftpflichtversicherungsbeiträge für die aktive Geburtshilfe, abzüglich des Anteils für die Praxistätigkeit. Daraus ergibt sich für die Rufbereitschaft inklusive vollumfänglicher Haftpflichtversicherung ein Gesamtbetrag von 210.000 Euro.

Die Beschlussfassung erfolgte unter dem Vorbehalt einer Beteiligung des Amtes Föhr-Amrum von mindestens 50 Prozent der nicht refinanzierbaren Kosten.

Neue Lebensqualität

Für die auf Föhr praktizierende Gynäkologin Juliane Engel und ihren Mann und Berufskollegen Dr. Thomas Hölter – er betreibt auf dem Festland in Langenhorn ebenfalls eine gynäkologische Praxis – ist das eine sehr gute Nachricht: „Das gibt uns ein großes Stück Lebensqualität zurück, die wir seit 2015 nicht mehr hatten. Seitdem konnten wir nicht mehr guten Gewissens zusammen in den Urlaub fahren. Selbst der tägliche Feierabend brachte keine Entspannung mehr, weil meine Frau immer damit rechnen musste, zu einer Patientin gerufen zu werden“, erzählt Thomas Hölter.

Versorgung durchgehen sichergestellt

Durch die jetzt beschlossene Unterstützung sei es möglich, eine weitere Gynäkologin in die Praxis aufzunehmen und so eine adäquate Versorgung durchgehend sicherzustellen. Die Kollegin ist auch schon gefunden: „Frau Dr. Winkhaus hat sich den Praxisbetrieb bei uns eine Zeit lang genau angesehen. Von uns aus kann die Zusammenarbeit sofort losgehen“, freut sich Juliane Engel.

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Normalerweise hat sie auf der Insel „nur“ rund 700 Frauen zu betreuen, während ihr Mann auf dem Festland bis zu 1.400 Patientinnen zählt – bei gleicher Kostenbelastung, wie er betont. Dieser zahlenmäßige Unterschied spiele aber spätestens dann keine Rolle mehr, wenn zu den rund 10.000 Inselbewohnern 20.000 bis 30.000 Touristen hinzukommen – pro Tag!

Frühgeburten und Probleme im Wochenbett

Darunter seien in der Regel auch viele Schwangere, die selbst in der 40. Woche noch völlig sorglos auf die Insel kommen, obwohl in der Föhrer Klinik seit 2015 keine Geburten mehr stattfinden dürfen. Aber auch eine frühe Schwangerschaft könne schnell zum Notfall werden, wenn sich die werdende Mutter im Urlaub zu viel zumutet und durch plötzlich auftretende Blutungen vor Ort gynäkologische Hilfe benötigt.
 

„Und dann sind da noch die Mütter“, so Hölter, „die ihr zweites oder drittes Kind vorschriftsmäßig auf dem Festland zur Welt bringen (müssen) und dann – um ihre Familie nicht so lange alleine zu lassen – viel früher, als es für sie und das Baby gut wäre, auf die Insel zurückkehren.“

Das Glück nicht herausfordern

Wie schnell auch aus dem Wochenbett heraus Notfälle entstehen können, weiß niemand besser als Juliane Engel: In so einem Fall sei nicht nur das sofortige Eingreifen eines Chirurgen gefragt – mindestens ebenso wichtig sei das gynäkologische Fachwissen und die dazugehörige Erfahrung. „Bisher ging es fast immer gut, selbst wenn wir gerade nicht auf der Insel waren“, sagt Thomas Hölter, der sich mit seiner Frau einig darin ist, dass man das Glück nicht zu lange herausfordern darf.

Gerade in jüngster Zeit habe es einige dramatische Fälle gegeben, die auch böse hätte enden können. Deshalb sind sie vor allem dankbar für das Engagement von Liane Friedrichsen. Sie koordiniert beim Kreis Nordfriesland die Geburtshilfe und habe – nach vielen fruchtlosen Versuchen, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln – „endlich Struktur in die Sache gebracht.“

Der Bestand der Praxis ist gesichert

Mit der nunmehr garantierten Vollversorgung rund um die Uhr entspannt sich die Situation für Familie Engel-Hölter deutlich. Zudem sei der Bestand der gynäkologischen Insel-Praxis damit langfristig gesichert. Dass das Konzept funktionieren wird, steht für die Gynäkologen außer Frage. „Wir glauben auch, dass es problemlos auf andere Insellagen übertragbar ist und würden uns freuen, wenn es so etwas wie Modellcharakter entwickeln könnte.“

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