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Breklumer Band : Vom Jugendzentrum auf die große Bühne

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Alten E-Werk hat sich die Gruppe Spiegelverkehrt gegründet – inzwischen spielt sie regelmäßig mit Illegal 2001, der Band des Musikpädagogen und Juz-Leiters Thomas Lötzsch.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 13:00 Uhr

Die erste Zeit hat er vor allem mit Tischtennisspielen verbracht. „Sieben Monate jeden Tag drei Stunden. Bis ich dieses Spiel hasste“, sagt Thomas Lötzsch und lacht. 2013 übernahm der Pädagoge die Leitung des Breklumer Jugendzentrums Altes E-Werk. Anfangs fiel es ihm allerdings noch schwer, die Jugendlichen von seinen Ideen zu überzeugen. „Die Gemeinde hat mit ihm jemanden gefunden, der eine ordentliche Portion Musik, Kunst, Kreativität und gute Laune ins Haus bringen wird“, sagte sein Vorgänger Torben Petersen damals. Und die Musik war es dann auch, mit der Lötzsch – Gründer und Sänger der Band Illegal 2001 – schließlich auf sich aufmerksam machen konnte.

Gemeinsam mit den Kindern drehte er ein Musikvideo, in dem sie so taten, als würden sie eine Coverversion von „Adam’s Song“ der kalifornischen Pop-Punker von Blink 182 spielen. Das wurde dann in die sozialen Netzwerke hochgeladen und plötzlich war das Juz in der Gemeinde in aller Munde. „Von da an wollten die Kinder nicht mehr nur so tun, als würden sie ihre Instrumente spielen. Sie wollten selbst Musik machen“, erinnert sich Lötzsch.

Gemeinsam mit der damaligen Praktikantin wurden Lieder für die Weihnachtsfeier einstudiert, es folgte ein Liederabend und immer mehr Kinder hatten plötzlich den Wunsch, Musik zu machen. Um ihnen auch darüber hinaus einen Ansporn zu geben, kam dem Leiter des Jugendzentrums eine Idee: Er bot den Kindern an, mit Lötzschs Band auf der Bühne stehen zu können, sobald sie so weit wären. Also wurde geprobt, geprobt und geprobt, so langsam kristallisierte sich ein fester Bandkern um Anton (heute 13, Schlagzeug), Thyra (15, Gesang und Bass) und Paul (17, Gesang, Gitarre) heraus und im Juli 2014 war es dann so weit: Nach einem Auftritt auf dem Breklumer Dorffest ging es noch am selben Tag nach Heiligenhafen, wo rund 8000 Zuschauer auf Illegal 2001 warteten. Während des Sets holte Lötzsch die Kinder auf die Bühne, wo sie dann „Seven Nation Army“ der White Stripes spielten. „Der Applaus danach war so laut, dass ich dachte, ich kriege einen Hörsturz“, erinnert sich der Pädagoge. „Und die machen das immer so locker, die haben nicht mal Lampenfieber“ sagt er – als ihn dann aber Gitarrist Paul unterbricht: „Das denkst du.“

Inzwischen haben Illegal 2001 und die Juz-Band Spiegelverkehrt bei zehn Konzerten gemeinsam auf der Bühne gestanden. Und wenn Lötzsch die Jugendlichen jetzt sieht, muss er zwangsläufig an seine eigenen Anfänge als Musiker denken, sagt er. „Die sind jetzt im selben Alter wie ich damals. Wir waren zwar die erste Punkband in Hohenweststedt – wir waren im Gegensatz aber richtig schlecht. Das war unfassbar.“ Diese hatte sich danach auch recht schnell wieder aufgelöst – bei der Juz-Band handelt es sich allerdings um keine „pädagogische Eintagsfliege“, betont Lötzsch. Selbst nachdem Sängerin Thyra ins polnische Stettin umgezogen ist existiert die Gruppe weiter. Wann immer es möglich ist, fahren Thyras Eltern sie zu Konzerten.

Doch die Band ist bei weitem nicht das einzige Projekt des Jugendzentrums. Durch die neue Begeisterung der Kinder und Jugendlichen für Musik ist im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit Susanne Schmidt und Christel Volquardsen von der Bredstedter Halligtor-Bühne das Musical „All you need is Punk“ entstanden. Nach einem ersten erfolgreichen Auftritt im bis auf den letzten Platz besetzten Juz folgte ein weiterer zugunsten der Husumer Tafel in Bredstedt. Und der Nachfolger ist ebenfalls bereits in Arbeit: Nach einer Idee von Paul und unter der Regie von Christel Volquardsen steht dieses Mal das Thema Mobbing im Mittelpunkt. Die Proben für das Hip-Hop-Musical haben gerade begonnen, rechtzeitig zum „Anti-Mobbing-Tag“ am 2. Dezember soll es erstmals aufgeführt werden.

Und auch für diejenigen, die weniger mit Musik und Schauspiel am Hut haben, ist im alten E-Werk gesorgt. „Ich richte mich immer nach den Bedürfnissen der Jugendlichen“, sagt Lötzsch. Und so gibt es Grillnachmittage, Filmnächte, Theaterbesuche, Spielenachmittage, es wird gekocht und am Jugendzentrum selbst gearbeitet: So sind unter anderem ein Gemüsegarten und ein Gewächshaus sowie ein Basketballplatz entstanden, der Bau einer Grillhütte ist für dieses Jahr geplant. Und auch Tischtennis wird übrigens weiterhin gespielt.

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