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Fahrzeug-Kontrolle : Vom Joint bis zum Elektroschocker

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei einer Verkehrs-Großkontrolle dies- und jenseits der Eider bei Tönning wurden mehrere hundert Autofahrer überprüft. Ein Autofahrer wurde mit einem Elektoschocker erwischt.

Premiere an der Eiderbrücke bei Tönning: Polizisten winkten die Verkehrsteilnehmer südlich und nördlich des Flusses auf die dortigen großen Parkplätze. Im Rahmen einer allgemeinen Verkehrskontrolle wurden Fahrzeugführer und Wagen auch schon mal genauer unter die Lupe genommen. Dass dies notwendig war, zeigt die spätere Verstoßliste ganz eindeutig. Die sehr weitreichenden Befugnisse – die über die Maßnahmen der Polizei hinausgehen – nahmen die Beamten der Zollkommissariate wahr, die auch Drogenhunde im Einsatz hatten.

Die Verkehrsteilnehmer – angehalten wurden zwischen 15 und 20 Uhr mehrere hundert Fahrzeuge – wurden vom GeEinsatzleiter Björn Jensen von der Polizeistation Lunden gelobt: „Man darf nicht nur immer meckern. Man muss auch mal Lob aussprechen – in diesem Fall sogar ein dickes: Wir sind auf ein überaus großes Verständnis bei den Verkehrsteilnehmern gestoßen.“ Nicht weiter verwunderlich: Die Beamten des Polizeireviers Heide und der Zentralstation Lunden sowie des Polizeireviers Husum und der Zentralstation Tönning strahlen große Freundlichkeit aus.

Gefragt war aber auch ein gutes Auge beim Herauswinken der Fahrzeuge, wie Nord-Einsatzleiter Lothar Glöckner unterstreicht: „Du bekommst einen Blick dafür, wen du auf den Parkplatz lotst.“ Zur eigenen Sicherheit der Beamten war die Geschwindigkeit am Kontrollabschnitt auf Tempo 40 herabgesetzt worden. Und ganz diskret hielt sich ein Beamter mit einer Maschinenpistole im Hintergrund. Doch zu Eskalationen kam es nicht. 15 Beamte und fünf Kollegen des Zollkommissariats Brunsbüttel mit neun Fahrzeugen waren auf der Südseite im Einsatz, 15 Beamte und fünf Kollegen des Zolls mit acht Fahrzeugen waren es auf der Nordseite.

In Dithmarschen ging den Beamten ein 59-Jähriger ins Netz, der Marihuana dabei hatte. Außerdem wurde ein Verstoß gegen die Gefahrgutverordnung und 24 Ordnungswidrigkeiten festgestellt sowie 39 Kontrollberichte wegen Mängeln am Fahrzeug geschrieben. Etwas umfangreicher fiel die Liste der Verstöße auf der nordfriesischen Seite der Eider aus: 16 Verstöße wegen mangelnder Gefahrgutdeklaration. Ein Fahrer hatte gerade einen Joint konsumiert, der Urintest war eindeutig positiv. Dann gab es eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Und schließlich wurde ein Strafverfahren gegen einen Autofahrer eingeleitet, der einen Elektroschocker dabei hatte. Ein Fahrzeug wurde stillgelegt – die Versicherung für das angebrachte Kurzzeit-Zulassungszeichen war just am Vortag abgelaufen. In einem weiteren Fall staunten die Beamten nicht schlecht: Ein Fahrzeug wurde mit einem gelben TÜV-Stempel auf dem Jahr 2015 kontrolliert. Der Fahrer durfte seine Fahrt fortsetzen. „Da haben wir keine Handhabe; das Auto können wir nicht stilllegen“, sagt ein Beamter – und das sei natürlich „hart“ gegenüber jenem Fall, bei dem die Versicherung am Vortag abgelaufen war und das stillgelegt wurde. Einzige Auflage an den „langfristigen TÜV-Überzieher“: Innerhalb von zehn Tagen muss er zur Hauptuntersuchung fahren. Ferner wurden zwei Fahrer ohne Führerschein erwischt. Sie erwartet ein Strafverfahren. Der eine gab sein Vergehen sofort zu, der zweite erwies sich als hartnäckiger Fall. Zuerst gab er sich als sein Bruder aus, denn der hat einen Führerschein, wie die Polizisten im Abschlussgespräch berichteten. „Auf die Schliche gekommen sind wir ihm dann aber, als er bei eingehender Überprüfung ins Schlingern geriet – und beim Geburtsdatum seines Bruders schleuderte. Das macht in diesem Falle also auch noch eine zweite Anzeige.“ Außerdem wurde noch Kennzeichen-Missbrauch festgestellt.

Am Ende dieser fünfstündigen „Premiere“ bleibt das Fazit, „dass landkreisübergreifende Großkontrollen dieser Art längst überfällig sind. Und sie offenbaren auch ein erschreckendes Maß an Verstößen“, so Einsatzleiter Björn Jensen. Mit dem Schreiben der Anzeigen sind die Beamten noch die nächsten Tage über beschäftigt. Zum Abfragen der vielen personengebundenen Daten wurde für den Kontrollzeitraum eigens eine Leitstelle eingerichtet.

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