50 Jahre Nordfriisk Instituut : Vom „Brunottenkoog“ bis zum E-Book

Marlene Kunz, Geschäftsführerin des Nordfriisk Instituut, vor einigen Büchern, die in Bredstedt entwickelt wurden.
Marlene Kunz, Geschäftsführerin des Nordfriisk Instituut, vor einigen Büchern, die in Bredstedt entwickelt wurden.

Jede Menge Bücher: 440 Veröffentlichungen sind seit 1965 vom Nordfriisk Instituut in Bredstedt herausgegeben worden.

shz.de von
30. November 2015, 18:16 Uhr

Wer alle Veröffentlichungen besitzt, die das Nordfriisk Instituut im Laufe von 50 Jahren herausgebracht hat, braucht dafür grob geschätzt fast zehn Meter im Regal. Nicht weniger als 440 Bücher kamen in einem halben Jahrhundert zusammen.

Geschäftsführerin Marlene Kunz ist seit 25 Jahren mit jedem Buch befasst, das den Verlag des Bredstedter Instituts verlässt. Welches ist ihr am liebsten? Die Antwort fällt ihr schwer, aber dann nennt sie drei. In dem Buch „Aus meinem Leben“ schildert der Pädagogik-Professor Friedrich Paulsen seine Kindheit und Jugend in Langenhorn sowie seine „friesische Philosophie“. In der Veröffentlichung „Erinnerungsorte in Nordfriesland“ stehen 90 bedeutsame Stätten im Mittelpunkt. Grundlagen friesischer Kultur schildert in Wort und Bild das Werk „Heimat Nordfriesland“.

Eine zentrale Aufgabe des Instituts ist die Publikation von Büchern in friesischer Sprache. Meistens erreichen sie nur kleine Auflagen, aber es gab auch „Bestseller“. In sechs Dialekten erschien das Bildwörterbuch „Meine ersten tausend Wörter“, das nicht nur bei Kindern beliebt ist. Es liegt auch auf Plattdeutsch vor, denn wo es sich anbietet, fördert das Institut die in Nordfriesland weitverbreitete niederdeutsche Sprache. Dies gilt zum Beispiel ebenfalls für Astrid Lindgrens wunderschönes Buch „Weihnachten im Stall“. Sehr gefragt sind zwei moderne friesische Sprachkurse, deren Dialoge man auf einer beigefügten CD hören kann. Mit einer CD versehen wurde auch ein schön gestaltetes Buch mit Sylter Gedichten von Jens Mungard, der als herausragender Dichter in nordfriesischer Sprache gilt. In jüngster Zeit veröffentlichte das Institut erste friesische E-Books. Viel Anklang fand eine Nordfriesland-Karte mit den friesischen Ortsnamen.

An einen großen Erfolg aus seiner Anfangszeit knüpft das Institut in seinem Jubiläumsjahr an: Bereits 1967 erschien die köstliche Lügengeschichte vom schwarzen Pferd, die der Bongsieler Gastwirt Lauritz Thamsen einst seinem Freund Alex Eckener erzählte und die dieser illustrierte. Noch vor Weihnachten soll dieser „Klassiker“ der Nordfriesland-Literatur neu erscheinen, bereichert um eine weitere friesische Übersetzung und eine Übertragung ins Hochdeutsche. Auf einer CD wird „Dat swarte Peerd  /  Di suurte hängst“ auf Plattdeutsch und Friesisch erstmals zu hören sein.

Das allererste Buch des Verlags Nordfriisk Instituut war 1965 eine bescheiden daherkommende Chronik eines Kooges ganz im Norden Nordfrieslands. „Der Brunottenkoog in der Wiedingharde“ hieß die kleine Schrift. Viele weitere Schriften über Köge, Gemeinden und Teilregionen Nordfrieslands folgten. Marlene Kunz nennt das Buch über den Ort, in dem das Institut seit 50 Jahren seinen Sitz hat, und findet den Titel sehr passend: „Bredstedt – Stadt in der Mitte Nordfrieslands“. Mit besonders großem Aufwand entstand die erste umfassende Landeskunde Eiderstedts, die mit dem renommierten Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig herausgegeben wurde.

Auch sonst arbeitet das Nordfriisk Instituut gern und oft mit anderen Verlagen und Einrichtungen zusammen. Die ersten umfassenden Lexika der Inseln Sylt und Föhr etwa erschienen im Wachholtz Verlag. Die erste – seit Langem restlos vergriffene – Landeskunde für die gesamte Region, betitelt mit „Das große Nordfriesland-Buch“, kam im Hamburger Ellert & Richter Verlag heraus. Die erste „Geschichte Nordfrieslands“ erschien im Boyens-Verlag in Heide. Auf dieses Buch ist das Bredstedter Institut stolz. Denn der erste Plan einer historischen Gesamtdarstellung stammte bereits von 1818, war aber nie verwirklicht worden. Inzwischen liegt die Geschichte Nordfrieslands in sechs Bänden vor, die in einem schmucken Schuber erworben werden können. „Alle Jahre wieder“ wird er zu Weihnachten gern unter den Tannenbaum gelegt, weiß Marlene Kunz.

Im Husum Verlag veröffentlicht das Institut die Reihe „Nordfriesland im Roman“. Acht Bände erschienen bisher, zuletzt „Ellen Olestjerne“ von Franziska zu Reventlow. In einer eigenen Reihe des Instituts werden „Nordfriesische Lebensläufe“ dargestellt. Menschen wie Uwe Jens Lornsen, Rudolf Muuß, Ernst C. Payns, Matthias der Glückliche, Andreas Busch und soeben Berthold Bahnsen wurden bisher in den Blick genommen.

Eine eigene Reihe gibt die Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland im Nordfriisk Instituut heraus. „Besonders schöne Bücher sind entstanden“, sagt Marlene Kunz und verweist etwa auf die Ausgaben mit Bildern der Künstlerin Margareta Erichsen, über alte Häuser auf Hallig Langeneß oder erst jüngst zur Heimatschutzarchitektur in Schleswig-Holstein. Auch an Filmen war das Institut beteiligt, so an dem Streifen „Halligleben in alter Zeit“.

Schmöker: Die Friesen verstehen

Was es auf sich hat mit der friesischen Sprache und Kultur, schildert in Wort und Bild sowie in Cartoons von Kim Schmidt das Buch „Die Friesen verstehen“. Unterhaltsam und doch auf wissenschaftlichem Fundament vermitteln Antje Arfsten, Thomas Steensen und Wendy Vanselow Einblicke in die kleine, aber sehr besondere friesische Welt. Das Buch gaben das Nordfriisk Instituut und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag im Ellert & Richter Verlag heraus. Es lädt ein zum Rätseln, Schmökern und Schmunzeln. Kostenpunkt: 9,95 Euro.

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