Landesweites Projekt „Lütte Ingenieure“ : Vom Bananen-Klavier bis zum Synthesizer: Schüler bauen lauter elektronische Musikinstrumente

Jan-Peter Nissen (Git.), Ronja Sievertsen (Sax.), Tasnim Tamr (Theremin) und Karlotta Beiring (Bratsche)(v. l.) beim musizieren. Foto: Volkert Bandixen; 6.6.2019
Mit eleganten Arm- und Handbewegungen musiziert Tasnim Tamr (M.) auf dem Theremin, ohne das Gerät zu berühren. Um sie herum spielen (v. l.) Jan-Peter Nissen, Ronja Sievertsen und Karlotta Beiring.

Zum Abschluss musizierten Schüler der Husumer Hermann-Tast-Schule in Kiel vor Publikum aus dem ganzen Land.

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13. Juni 2019, 19:06 Uhr

Husum | Was für ein einmaliges Erlebnis für eine Schülergruppe der Hermann-Tast-Schule: Sie musizierten im Audimax der Fachhochschule Kiel vor 160 Zuhörern auf elektronischen Instrumenten, die sie selbst entwickelt und gebaut haben. Unter den Gästen auch Dr. Dorit Stenke, Staatssekretärin im Kieler Bildungsministerium.

Werbung für Technik-Berufe

Ihr Konzert bildete den krönenden Abschluss des „Lütting-Projektes 2019“, für das 150 Schüler aus acht Schulen im Land ein Jahr als Erfinder, Forscher und Konstrukteure gearbeitet haben. Als Förderer waren das Bildungsministerium der Arbeitgeberverband Nordmetall, der Verein Technische Akademie Nord und die Prof. Dr. Werner-Petersen-Stiftung aufgetreten, die allesamt die technische Aus- und Weiterbildung voranbringen wollen. Ziel ist, über die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Berufsnachwuchs zu gewinnen.

Vom Theremin bis zum Moog-Synthesizer

Einen Tag vor ihrem Auftritt in Kiel war noch Gelegenheit, die jungen „Ingenieure“ an der Schule bei ihren letzten Vorbereitungen zu besuchen. Sie entführten in die Urzeit der elektronischen Musik. 1920 hatte der Russe Lew Termen das Theremin erfunden. Ein Nachbau bildete in ihrem Orchester unzweifelhaft den spektakulären Mittelpunkt. Es wird nämlich gespielt, ohne es zu berühren.

Zwei Antennen bilden – technisch gesehen – die Platten eines Kondensators. Hände, Arme, der ganze Körper der Musiker beeinflusst unmittelbar das elektromagnetische Feld. Tasnim Tamr ließ elegant Arme, Hände und den ganzen Körper um die Metallstäbe herumtanzen,womit sich Lautstärke und Tonhöhen beeinflussen lassen. Auf der Technik baute später Robert Moog auf und entwickelte die ersten Synthesizer. Mit dem nötigen Respekt vor den Ur-Ahnen der elektronischen Musik konstruierten die Schüler ihre Geräte und Instrumente.

Hjalte Wieck (l.) und Lasse Wohlert mit selbstgebauten Instrumenten und Röhren-Verstärkern. Foto: Volkert Bandixen
Volkert Bandixen
Zeigen die Fülle der Geräte: Hjalte Wieck (l.) und Lasse Wohlert mit einem Bananen-Klavier, weiteren Instrumenten und dem Röhren-Verstärker
 

Wer denkt, die Schüler löteten nur ein paar Bauteile zusammen, der irrt. Sie polierten sogar das Holz für den Corpus ihrer E-Gitarren selber, bauten Gitarren aus Zigarren-Boxen wie sie von den Farbigen in den Südstaaten Amerikas verwendet wurden, sowie einen kompletten Röhrenverstärker. Besonders originell ihr Bananen-Klavier, wobei ein leichter Druck auf die Frucht aus allerlei anderen Geräten Musik hervorbringt.

Ronja Sievertsen macht Musik Freude, sie baut auf Erfahrungen in der Schulcombo auf. „Hier interessieren mich die neuen Klangfarben.“

Tasnim Tamr „fasziniert die spannende Akustik bis hin zu Gruseleffekten“ elektronischer Musikinstrumente.

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