zur Navigation springen

Wilder Nachbar Blanker hans : Vom Alltag hinterm Deich

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Reihe „Erzähl’ mir was von Eiderstedt“ ging es um das Leben mit der Nordsee. Drei Einwohner des Norderheverkoogs erzählten, wie die Nachbarschaft zum Meer ihren Alltag prägte und prägt, von Sturmfluten und dem Deichbau.

Die Nordsee kann eine recht wilde Nachbarin sein, davon wissen die Menschen, die direkt hinter den Deichen leben, nicht nur ein Lied zu singen. Emmi Sievers, Dircksen Marwig und Birgit Ingwersen aus dem Norderheverkoog in der Gemeinde Osterhever haben auch ihre Erfahrungen mit dem Blanken Hans gemacht. Die Erinnerung an die schwere Sturmflut von 1962 ist im Koog noch allgegenwärtig. Fast wäre damals der Deich gebrochen. In der Reihe „Erzähl’ mir was“ der Tourismus-Zentrale Eiderstedt nahmen sie ihre Zuhörer mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit. „Vom Leben hinterm Deich“, so der Titel des Abends, wusste der eine viel, der andere nichts, denn unter die Einheimischen mischten sich auch interessierte Gäste von außerhalb.

Los ging es zunächst mit einem kleinen Spaziergang in Richtung Deich. Dircksen Marwig schob sein Fahrrad neben sich her und fing schon auf dem Weg an zu erzählen. Währenddessen bereitete Marie-Luise Klint vom Tourismusverein Osterhever zusammen mit ehrenamtlichen Helfern den urigen Horrido-Platz, den Sammelplatz der Jäger, zum späteren Verweilen am Lagerfeuer vor.

Er berichtete, wie in den vergangenen Jahrhunderten der Mensch dem Meer das Land abgetrotzt hat. Der Norderheverkoog ist allerdings eine der jüngsten Landgewinnungen in Schleswig-Holstein. Er wurde 1938 eingweiht. Das
75-jährige Bestehen wurde im Sommer gefeiert. 1960 übernahm Dircksen Marwig den Hof seiner Eltern, mit 15 Kühen und ein paar Schweinen, bevor er schließlich 1971 die Landwirtschaft aufgab. Danach war er maßgeblich am Deichbau beteiligt, bei dem er viele Jahre die Bauaufsicht führte. Er weiß genau, wie sich der Deich zusammensetzt.

Emmi Sievers ließ die Sturmflut von 1962 wieder lebendig werden. Die Deichkrone war von den Wellen völlig kaputtgeschlagen, Wasser lief ins Land, der Koog musste evakuiert werden. Alles war grau, die Fenster mit einer Salzkruste überzogen – wie in einer Geisterstadt. „Ich weiß noch, wir wollten gerade schlafen gehen, da klopfte jemand ans Fenster und rief ‚Der Koog säuft ab‘.“ Jakob Clausen kämpfte mit der Fassung – die Bilder sind für den ehemaligen Feuerwehrmann aus Tetenbüll, der damals bei der Evakuierung des Kooges im Einsatz war, sind für ihn immer noch präsent.

Auf die Zeit seit 1980 blickte Birgit Ingwersen zurück. Sie stammt nicht aus dem Koog, sondern von der Ostsesküste. Als sie ihre Arbeit als Erzieherin auf Eiderstedt begann, ging die anfängliche Euphorie über all das Neue schnell in Wehmut über. Sie floh immer wieder in ihre alte Heimat, in die Stadt mit Hektik und Getümmel. Doch nach zwei Jahren wendete sich das Blatt. Die heute 52-Jährige heiratete einen Landwirt und gründete eine große Familie. Die großen Entfernungen empfindet sie jetzt als angenehme Weite.Und selbst ihre inzwischen großen Kinder kommen gern nach Hause, alleine schon, weil vom elterlichen Hof aus der Blick auf den Sonnenuntergang so einzigartig ist. „Ich möchte mein Leben hier nicht mehr eintauschen“, sagte sie.

Zum Abschluss wärmten sich dann alle am Lagerfeuer. Und auch dort wurden noch viele Anekdoten vom Leben hinterm Deich erzählt.

Die nächsten Veranstaltungen der Reihe „Erzähl’ mir was auf Eiderstedt“, die noch bis zum 25. Oktober läuft, finden morgen und am Sonnabend (12.) statt. Morgen liest Marianne Ehlers ab 19 Uhr in der Schankwirtschaft Andresen in Katingsiel plattdeutsche Geschichten von der Halbinsel. Und am Sonnabend (12.) geht es nach Westerhever. Dort trägt Susanne Dircks im Kirchspielkrug ab 20 Uhr Märchen und Sagen vor. Anmeldung und Kartenvorkauf in der Gaststätte, Telefon 04865/90143.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen