Klanxbüll : Volles Haus, schlechte Witze

Enttäuschte: Jutta Lindner traf als Oma Frieda nicht den Geschmack des Publikums.  Foto: kon
Enttäuschte: Jutta Lindner traf als Oma Frieda nicht den Geschmack des Publikums. Foto: kon

Kabarettistin Jutta Lindner gestaltete mit ihrem Programm "Turne bis zur Urne" das erste Kulturkaffee des Jahres .

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02. April 2013, 08:40 Uhr

Klanxbüll | Lag der Publikumsandrang im Charlottenhof an den leckeren Kuchen, die traditionell an den Kulturkaffeenachmittagen serviert werden, oder an Oma Frieda, die ihr Solo-Senioren-Kabarett "Turne bis zur Urne" zeigte? Die Gäste hatten sich viel versprochen von diesem ersten Kulturkaffee im neuen Jahr. Dass der Auftritt in mancherlei Hinsicht peinlich, ja sogar diskriminierend war, konnte vorher niemand ahnen.

Dem gewohnt hohen Niveau des Wiedingharder Kulturhofes wurde Jutta Lindner als Oma Frieda nicht gerecht. Die gelernte Krankenschwester ließ, nachdem ihr Manager Jürgen Wönne nicht nur ihr 75-minütiges Non-Stop-Solo-Programm für Senioren angepriesen, sondern auch für ihre übrigen Auftritte kräftig geworben hatte, kein auf ältere Menschen zielendes Klischee aus. "Lachen Sie ruhig, auch wenn Sie was nicht verstanden haben", forderte er das Publikum auf bevor Jutta Lindner als Oma Frieda den "weißen Saal" betrat und den einen oder anderen Gast per Handschlag und schriller Stimme begrüßte.

Dass Frau anfängt zu leben, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Mann auf dem Friedhof liegt, war nur eine der geschmacklosen "Lebensweisheiten" der im Saarland beheimateten Kabarettistin, die das Publikum mit eher verhaltenem Gelächter quittierte. Wer weder Gicht noch Rheuma hatte durfte bei ihren selbst getexteten Liedeinlagen nach bekannten Volksweisen den Takt "ruhig mit den Fingern schnipsen" und die Refrains mitsingen. Auch dabei zeigte sich das Publikum im Charlottenhof nicht sonderlich aufgeschlossen, sondern laut Jutta Lindner eher etwas schüchtern, was nicht verwunderte. Wer besingt schon gerne seine unechten Zähne?

Auch Jugendwahn und Schönheitschirurgie, Nordic Walking, Kaffeefahrten, "Gladiatoren an Rollatoren", Tauschbörse für Organe unter Kranken und der Mensch als "Ersatzteillager" waren Themen, über die Lindner spottete. Nicht zu vergessen die Arztbesuche, die der alte Mensch ihrer Beschreibung nach nur aus Langeweile unternimmt und die lediglich der Unterhaltung im Wartezimmer dienen.

Außer ein paar müden Armbewegungen mit einem roten Stoffbeutel ließ die Saarländerin keinen Zusammenhang zum Motto ihres Auftritts "Turne bis zur Urne" erkennen. So hatte der Kabarett-Auftritt der Solo-Unterhalterin außer Grimassen nicht viel zu bieten.

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