zur Navigation springen

24 Stunden Husum: 18 bis 19 Uhr : Visite bei Patienten mit vier Beinen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Veterinär auf Hausbesuchs-Tour: Thomas Mill behandelt kleine Tiere in seiner Praxis – und fährt zu den großen ins Husumer Umland. Er bietet seine ärztliche Hilfe rund um die Uhr an, auch am Wochenende.

von
erstellt am 17.Sep.2013 | 12:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedene Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 14: Thomas Mill hilft kranken Tieren.

 

„Ich bin jetzt auf dem Weg nach Horstedtfeld“, sagt Tierarzt Thomas Mill in Richtung Freisprechanlage seines Geländewagens, den er über schmale Straßen an vereinzelten Gehöften und zwei Biogasanlagen zur vierten und letzten Station seiner Tour lenkt. Es ist 18 Uhr, am anderen Ende der Leitung hat seine Frau in der Praxis in Husum den Telefondienst von den Helferinnen übernommen. „Ich möchte immer gerne, dass sie bei der Dienstübergabe weiß, wo wir Tierärzte sind – dann kann im Falle eines Notrufs derjenige hingeleitet werden, der näher dran ist.“ Judith Graß, die angestellte Tierärztin der Klein- und Großtierpraxis in der Gutenbergstraße, ist ebenfalls im Umland der Storm-Stadt unterwegs, um großen Vierbeinern zu helfen.

Begonnen haben beide ihre Fahrten bereits anderthalb Stunden zuvor, nach dem Ende der nachmittäglichen Kleintiersprechstunde. „Wir haben unseren Dienst straff organisiert, um unseren Kunden einen guten allgemeinmedizinischen Service zu bieten, in Notfällen auch rund um die Uhr und am Wochenende“, erläutert der 51-Jährige, während er den Hof ansteuert, wo eine Kuh mit entzündeter Klaue auf ihn wartet. „Unser Tag beginnt um 8 Uhr mit einer Besprechung. Dann warten schon die ersten Kleintier-Patienten, die einen Termin zur Operation, zur Blutuntersuchung oder zur Nachbehandlung haben.“ Im Anschluss daran folgt ihre erste Fahrt zu den großen Patienten in der Umgebung. „Die ist zwischen 12 und 13 Uhr zu Ende, und für den, der keinen Breitschaftsdienst hat, ist Mittagspause.“ Von 14.30 bis 16 Uhr sind die beiden Tieräzte dann zur Kleintier-Behandlung wieder in der Praxis, wobei das Ende der Sprechstunde sich schon mal weiter in den späten Nachmittag hinein verschieben kann, wenn es erforderlich ist.

In Horstedtfeld wird der Tierarzt schon erwartet – und alles ist gut vorbereitet. Die Kuh steht im Zugang zum Stall fixiert in einem Gestell, das kranke Bein ist hochgebunden, der Boden vor dem Gestell sauber. Alles fix und fertig für die anstehende Operation. Thomas Mill setzt zwei schnell wirkende Spritzen zur örtlichen Betäubung und Schmerzlinderung und beginnt, die Klaue auszukratzen. Blut tropft, die Kuh versucht, sich zu schütteln, der Landwirt tätschelt sie beruhigend. „Die Kühe sind nur ein Nebenerwerb bei uns“, erzählt er, „im Hauptberuf bin ich Landmaschinenmechaniker.“ Der Familienbetrieb der Familie umfasst 140 Tiere, davon 50 Milchkühe. „Zu wenig, um davon leben zu können.“

Der Tierarzt hat mittlerweile das kranke Gewebe entfernt und legt um den kranken Huf einen Druckverband mit viel Heilsalbe an. Anschließend wird das Ganze mit Gewebeverband umwickelt – „damit die Kuh auch wieder auftreten kann, ohne dass der Verband verschmutzt oder abgestreift wird.“ In drei Tagen, sagt er, kann alles wieder ab. Der OP-Koffer wird zusammengepackt und verschwindet im Kofferraum des Dienstwagens, bevor Thomas Mill die Rückfahrt antritt.

Vier Stationen umfasste seine Tour an diesem Spätnachmittag: Der erste Patient war ein hinkender Schafbock im Mildstedter Forst aus einer Hobby-Haltung. Das Tier bekam eine Spritze mit einem Antibiotikum – und der Hobby-Schäfer die Empfehlung, die ganze Herde von 20 Schafen vorbeugend impfen zu lassen, wenn derartige Klauenentzündungen gehäuft auftreten. Dann war ein Notfall dazwischengekommen, der den Tierarzt nach Oldersbek führte – zu Max, einem 23-jährigen Wallach mit einer Kreislauferkrankung, die zu schweren Ödemen geführt hatte. Und danach warteten schon die Besitzer zweier weiterer Pferde in der Südermarsch auf den Mediziner: Hannes und Aldo hatten einen Termin für eine vorbeugende Schutzimpfung, und Hündin Amely wurde gleich mit geimpft, damit Herrchen und Frauchen mit ihr nicht extra in die Kleintiersprechstunde zu kommen brauchen. Der Einsatz in Horstedtfeld war die letzte Anlaufstelle für heute.

Thomas Mill fährt jetzt seinem Feierabend entgegen, es ist 19 Uhr, Notdienst hat heute seine angestellte Tierärztin. „Der Bereitschaftsdienst ist schon sehr wichtig, vor allem am Wochenende und zu den Feiertagen“, sagt er, als er in die Praxis-Einfahrt einbiegt. „Unsere kleinen und großen Patienten können sich bei ihren Erkrankungen schließlich nicht immer an die Dienstzeiten halten.“

 

Teil 15 morgen: Schwester Angelika umsorgt Demenzkranke im DRK-Alten- und Pflegeheim.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen