Visionen und Versprechen

Im Gespräch: Bernd Buchholz (li.) und Berthold Brodersen.
Im Gespräch: Bernd Buchholz (li.) und Berthold Brodersen.

Wirtschaftsminister möchte Nordfriesland zur Modellregion für Wasserstoff-Antrieb machen.

shz.de von
02. September 2017, 09:00 Uhr

Gut gelaunt nach seinem Besuch beim Offshore-Wirtschaftsforum auf Helgoland, gut gestärkt durch einen hiesigen Pizza-Service sowie mit konkreten Zusagen und interessanten Visionen für Nordfriesland – so tritt Dr. Bernd Buchholz am Donnerstagabend im Dörps Campus in Klixbüll vor einen voll besetzten Saal. Der Liberale Stammtisch Niebüll unter Vorsitz des FDP-Kreisvorsitzenden Berthold Brodersen hat den neuen Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in die landesweite Modell-Gemeinde für E-Mobilität gebracht. Dort betont Buchholz allerdings, dass er in Elektrofahrzeugen allein nicht die Zukunft auf Straße und Schiene sieht.

Denn die Investitionen für eine flächendeckende Infrastruktur für diese Technik ist für ihn wirtschaftlich nicht darstellbar: „Unser Ziel muss eine emissionsfreie und ökonomisch vertretbare Mobilität sein.“ Dafür möchte der FDP-Mann auch den an der Westküste erzeugten Windstrom nutzen, der derzeit im Wert von 300 Millionen Euro jährlich weggeworfen wird, weil die Leitungskapazitäten nicht ausreichen. „Ich rechne damit, dass es bis 2027 dauert, bis ein bundesweites Netz steht – wir sollten die Zeit nutzen, um vernünftige Alternativen zu entwickeln.“ Eine davon liegt für den gebürtigen Berliner in Wasserstoff angetriebenen Fahrzeugen und Zügen. Ein japanisches Unternehmen prüfe derzeit in Kiel, wie die 69 Wagen der Marschbahn nach Sylt mit Wasserstoff angetrieben werden können, was Buchholz mittelfristig für möglich hält. „Den Sylt-Shuttle würde ich derzeit noch nicht an eine Wasserstoff angetriebene Lok hängen. Doch ein Nordfriesland als Wasserstoff-Modellregion könnte wirtschaftlich schon mittelfristig die Nase vorn haben.“ Neben dem Wasserstoff müssten weitere Möglichkeiten geschaffen werden, um den derzeit überschüssigen Windstrom vor Ort zu vermarkten.

Eine weitere Vision bringt Bernd Buchholz in der weit in den Abend gehenden Diskussion als Antwort auf die Frage nach der Reaktivierung der Bahnverbindung zwischen Flensburg und Niebüll auf den Tisch: „Das wird geprüft, muss sich aber wirtschaftlich darstellen lassen. Das könnte durch die Entwicklung einer zweiten Haupttrasse über Flensburg Richtung Süden möglich sein.“ Doch Buchholz betont: „Es gibt Projekte mit weit höherer Priorität.“ Wie den Ausbau der Bundes-
straße 5 bis nach Husum, der den Juristen schon nach 66 Tagen im Amt zum Experten für Haselmäuse und Zwergschwäne gemacht habe. Wie will er Schwung in das so lange brachliegende Bauprojekt bringen? „Es fehlt noch an Planungskapazitäten“, kritisiert der Minister, der in seinem Haus dabei ist, Arbeitsabläufe effektiver zu gestalten. Sein Plan: Den Bau der A 20 an den Bund abtreten und die so frei werdenden Planungskapazitäten für den Ausbau der B 5 nutzen. „Schneller vorankommen können wir aber nur, wenn gleichzeitig die Planungsverfahren vereinfacht werden“, nennt der Minister ein weiteres Ziel. Vor seiner Heimfahrt macht er für Nordfriesland noch eine konkrete Zusage: „Die Ortsumgehung Bredstedt  /  Hattstedt werden wir während meiner Amtszeit einweihen.“  

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