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35 Jahre Musik-Club in Viöl : Viöl: Hauptstadt des Akkordeons

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor 35 Jahren wurde der Musik-Club Viöl gegründet, sein Jubiläumskonzert findet in Husum statt. Zehn bis zwölf Auftritte absolviert jedes der nunmehr vier Orchester jährlich mit großen Erfolgen.

Auf Wunsch seiner Eltern erlernte Jörg Retzlaff Ende der 1970er Jahre das Akkordeonspiel. Den ihm verordneten Einzelunterricht fand er allerdings nicht so prickelnd. Fast hätte der damals 17-Jährige die Lust daran verloren, doch dann durfte er zu einer Akkordeon-Gruppe in Husum wechseln und entdeckte dort die Liebe zur Musik neu: „Es war toll, gemeinsam mit anderen zu spielen“, erinnert sich der heute 52-Jährige an eine Zeit, in der er sogar zu Hause gerne übte. Von den Klängen angelockt stand damals oft ein Nachbarskind vor seinem Fenster, dem er eines Tages mit den Worten „Versuch’s doch mal“ seine Melodica in die Hand drückte. Nicht ahnend, dass er damit seinen ersten Schüler gefunden hatte, dem noch viele weitere folgen sollten. Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass man bei dem netten jungen Mann in Viöl Akkordeon lernen kann, gab Jörg Retzlaff bald jeden Sonnabendmorgen ab 8 Uhr Unterricht.

Kurz vor seinem 18. Geburtstag, am
3. November 1980, gründete er schließlich gemeinsam mit neun Gleichgesinnten den Musik-Club Viöl. Das Akkordeon-Orchester entwickelte sich prächtig, schnell stellten sich erste Erfolge ein. Schon zwei Monate später, im Januar 1981, hatte die Gruppe bei einer Silberhochzeit im Kirchspielkrug Gallehus ihren ersten Auftritt. Danach boomte es vor allem in der Adventszeit, überall wollte man ihre Musik hören. „Wir haben uns damals buchstäblich in die Herzen der Zuhörer gespielt“, erinnert sich Jörg Retzlaff an eine sehr intensive Zeit, in der auch die Eltern geschlossen hinter dem Akkordeon-Orchester standen und ihre Kinder, ohne zu murren, von Auftritt zu Auftritt fuhren. „Auch die Gemeinde Viöl hat uns von Anfang an großartig unterstützt.“

16 Jahre lang, bis 1996, war Jörg Retzlaff Vorstand und musikalischer Leiter in einer Person. Nach den Höhepunkten seiner aktiven Zeit befragt, fällt ihm das erste Wertungsspiel 1987 in Bremerhaven ein, bei dem die Viöler mit der „Märchensinfonietta“ überraschend auf dem 1. Platz landeten und das begehrte Prädikat „hervorragend“ bekamen: „Das waren Gänsehaut-Momente“, sagt er. Ebenso gerne denkt er an die USA-Reise zurück, die der Club 1990 gemeinsam mit der Theatergruppe „Junge Lüüd ut Löwenstedt“ unternahm. Und natürlich an die aufregenden Jahre 1994 bis 1996, als die „Lüdde verzauberte Fleut“ nach 40 umjubelten Aufführungen in einer Fernsehaufnahme im Schleswiger Stadttheater ihren Höhepunkt fand.

An viele dieser Momente kann sich auch Tanja Caspersen erinnern, denn 1983 hatten ihre Eltern die damals Elfjährige vor die Wahl gestellt: „Entweder gehst Du zum Voltigieren oder Du lernst ein Instrument.“ Und da ihr die Musik mehr lag als der Pferdesport, schloss sie sich den Akkordeonspielern an. Ein Schritt, den die heute 43-Jährige nie bereut hat: „Ich bin nie ohne Lust zur Probe gegangen“, sagt sie drei Jahrzehnte später. Seit 2007 hat die Norstedterin den Vorsitz im Musik-Club Viöl, Jugendakkordeonorchester inne, dem aktuell 165 Mitglieder angehören. 104 spielen aktiv Akkordeon, einige auch Schlagzeug. Hinzu kommen viele Eltern und Ehemalige – die Oldies, die genau wie sie immer noch gerne Akkordeon spielen, die Bühne allerdings lieber den Jüngeren überlassen.

Zehn bis zwölf Auftritte absolviert jedes der nunmehr vier Orchester jedes Jahr. Wer wo mitspielt, richtet sich nach dem Alter und der Leistung der einzelnen Spieler. „Nach wie vor ist die Unterstützung der Gemeinde Viöl groß“, betont Tanja Caspersen, die dankbar dafür ist, dass die Musiker einen Raum in der Schule für Proben kostenfrei nutzen können und dass der Verein mit Beiträgen, Spenden und Gagen finanziell gut aufgestellt ist.

Neben den Auftritten genießen die jungen Musiker auch das Freizeitangebot des Clubs: lockeree Übungswochenenden in Jugendherbergen stehen bei ihnen ebenso hoch im Kurs wie Kanutouren, Ausflüge oder Musicalbesuche. Nicht zu vergessen die Wettbewerbe, an denen sie teilnehmen dürfen: „Super aufregend sind zum Beispiel immer die Fahrten zum International World Music Festival in Innsbruck, an dem wir 1989 zum ersten Mal teilgenommen haben“, freut sich Jörg Retzlaff darüber, dass diese Tradition weiter fortgeführt wird. Alle drei Jahre stellen sich dort mehr als 5000 Musiker aus ganz Europa der Bewertung – das nächste Mal 2016. Dann werden auch die Viöler wieder nach Österreich reisen und unter der Leitung von Manon Brummund und Alexander Buchner ihr Bestes geben.

Der bekannte Kirchenmusiker war bereits von 1997 bis 2003 ihr musikalischer Leiter und stieg zur Freude aller vor zwei Jahren erneut aufs Dirigentenpult des ersten Orchesters. „Sascha ist ein echter Glücksgriff für uns“, umschreibt Tanja Caspersen die Rückkehr Buchners, der dem Verein „im richtigen Moment neue Impulse gab.“ Immer wieder überrascht er die Musiker mit Noten für Stücke, die sie gerne spielen würden, und die er fürs Akkordeon umschreibt. Damit haben sie neben traditionellen Märschen und „Klassikern“ von Vivaldi bis James Last nun auch Musical-Songs, Rock-Pop und aktuelle Hits im Repertoire, Stücke von Santiano und Helene Fischer, den Sportfreunden Stiller, Andreas Bourani und Olli Murs. „Man ahnt ja gar nicht, was auf dem Akkordeon alles möglich ist“, sagt Tanja Caspersen, die sich ebenso wie Jörg Retzlaff jetzt auf das Jubiläumskonzert zum 35-jährigen Bestehen des Musik-Clubs am 7. November im Husumhus freut. Die Abendvorstellung um 19.30 Uhr ist fast ausverkauft, für das Konzert um 15 Uhr gibt es aber noch Karten bei der Husumer Volksbank in Viöl und Husum sowie in der Linden-Apotheke in Breklum.

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