Grün mit Klimaschutzwert : Vier Wege zu mehr Wald

Ab in den Wald! In Nordfriesland ist das gar nicht so oft möglich: Die Region zählt zu den waldärmsten  in Deutschland.
Foto:
Ab in den Wald! In Nordfriesland ist das gar nicht so oft möglich: Die Region zählt zu den waldärmsten in Deutschland.

Der Kreis Nordfriesland unterstützt Bürger und Kommunen, um Neuanpflanzungen von Wäldern und Wäldchen zu fördern. So sollen unter anderem „Ersatzgelder“ von Windkraftanlagen-Betreibern zur Verfügung gestellt werden.

shz.de von
19. Juni 2014, 08:00 Uhr

Mit einem Waldanteil von gut vier Prozent gehört Nordfriesland zu den waldärmsten Regionen Deutschlands. „Eine Verdoppelung werden wir sicherlich nicht erreichen, aber eine Erhöhung wäre auf jeden Fall sinnvoll.“ Diese Ansicht vertritt nicht nur Landrat Dieter Harrsen. In einem Pressegespräch im Husumer Kreishaus stellte jetzt Franz Brambrink, Leiter des Fachdienstes Umwelt in der Kreisverwaltung, im Auftrag seines Dienstherrn Wege zu mehr Wald vor.

„Wir haben uns bereits lange vor den Stürmen im Herbst 2013 Gedanken gemacht“, sagte Brambrink. Das Ergebnis sind vier verschiedene Ansätze, mit denen der Kreis Privatleute, Gemeinden oder Vereine bei der Anpflanzung von neuem Wald unterstützen möchte.

Zum einen kann ein Wald als Ausgleich für Baumaßnahmen – wie etwa landwirtschaftliche Ställe – angepflanzt werden; auch Gemeinden sind durch die Bau- sowie die Naturschutzgesetze von Land und Bund verpflichtet, bei der Ausweisung neuer Baugebiete einen Ausgleich für die dadurch zerstörte Natur zu schaffen.

Als klassische Kompensationsmaßnahme gilt die Anpflanzung von Knicks, Hecken oder Streuobstwiesen, aber auch die Neuanlage eines Waldes wäre durchaus denkbar. „Allerdings muss das Projekt zu der Fläche passen, auf der sie durchgeführt werden soll“, erklärte Franz Brambrink. Deshalb seien in der Marsch relativ viele Ausgleichsgebiete dem Wiesenvogelschutz gewidmet, während ein Wald dort nicht in Frage komme.

„Wälder gehören auf die Geest“, sagte Brambrink. Doch es komme auch auf die Größe der Fläche an: Ein Hektar sollte es mindestens sein, lediglich in direkter Nähe zu einem vorhandenen Wald würde auch ein halber Hektar ausreichen.

Zum zweiten kann der Kreis sogenannte Ersatzgelder, die Investoren überweisen, wenn sie für ihre Baumaßnahmen keinen anderweitigen Ausgleich leisten können, für neue Wälder verwenden. „Ersatzgelder“ stammen vor allem aus der Windkraft-Branche, deren Anlagen als Eingriffe in das Landschaftsbild gewertet werden. Der Kreis Nordfriesland würde mit diesen Mitteln keine eigenen Flächen kaufen, aber beispielsweise Naturschutzvereine, Gemeinden oder Deich- und Hauptsielverbände bei einem Waldprojekt unterstützen.

Zum dritten bietet sich die Anpflanzung eines Waldes für Inhaber eines Öko-Kontos an. Wer ein Grundstück dauerhaft dem Naturschutz widmen will, kann sich von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises ein solches Konto einrichten lassen.

Je nach Güte der Fläche und Effekt der Maßnahme werden ihm Öko-Punkte gutgeschrieben. „Pro Hektar sind bis zu 17.000 Punkte erreichbar – aber nur bei gleichzeitigen Artenschutzmaßnahmen, weil der Nutzen für die Natur dann am höchsten liegt“, klärte Brambrink auf. Die Öko-Punkte darf der Eigentümer des Grundstückes später an einen Investor verkaufen, der damit einen Eingriff in die Natur ausgleichen kann. Auf diese Weise refinanzieren sich die Aufwendungen des Grundstückseigentümers und bringen auch der Natur „Zinsen“ ein: in Form besserer natürlicher Verhältnisse für Pflanzen und Tiere.

Von der vierten Idee versucht die Untere Naturschutzbehörde des Kreises insbesondere Ämter und Kommunen zu überzeugen: Diese dürfen auf Amtsebene die Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sie verpflichtet sind, bündeln und statt mehrerer kleiner Maßnahmen gemeinsam ein großes Vorhaben umsetzen. Auf diese Weise könnten mehrere Hektar zusammenkommen, auf denen sich eine Waldbildung anbietet.

„Die gemeindliche Entwicklung wird zu oft auf die bauliche Weiterentwicklung fokussiert, obwohl zum Beispiel Naturschutzmaßnahmen ebenfalls dazugehören“, so Landrat Dieter Harrsen in einer Mitteilung. Der Verwaltungschef möchte einen Bewusstseinswandel auf kommunaler Ebene anstoßen. Ein Wald werte nicht nur die Natur, sondern durch seine Erholungsfunktion auch die Standortqualität der umliegenden Gemeinden auf. Zusätzlich bringe er den Klimaschutz voran, denn Bäu me speichern klimaschädliches Kohlendioxid.

Interessenten müssen sich nicht für eine der vier Möglichkeiten entscheiden, sondern sollten sie, wo es sinnvoll ist, auch miteinander kombinieren. „Wir stehen für Beratungsgespräche jederzeit gern zur Verfügung“, betonte Franz Brambrink nachdrücklich im Gespräch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen