Girl-Band aus Dänemerk : Vier Frauen mit Herz für Popmusik

Ida Red lautet der Name des neuesten Projekts von Greta Louise Schenk (l.).
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Ida Red lautet der Name des neuesten Projekts von Greta Louise Schenk (l.).

Die ehemalige Theodor-Storm-Schülerin Greta Louise Schenk geht mit ihrer Girl-Band Ida Red auf Tour durch Dänemark.

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09. Februar 2018, 21:00 Uhr

Greta Louise Schenk (Jahrgang 1992) ist Musikerin mit Leib und Seele. Nach dem Abitur an der Theodor-Storm-Schule zog sie nach Dänemark, um Jazz-Gesang zu studieren. Dann hörte sie, dass es einen neuen Studiengang für Songwriting in Aarhus gab und absolvierte dort 2016 ihren Bachelor. Derzeit macht sie in Kopenhagen den Master. Parallel arbeitete Greta intensiv mit ihrer Band Who is Louis, veröffentlichte ein Album und zwei EPs und tourte durch Dänemark. Ihr neues Projekt, Ida Red, ist eine vierköpfige Girl-Band, deren zweite Single Anfang März erscheinen soll.

Die Band, die Sie vor sechs Jahren mit Bue Gundersen und Niels Münster gegründet haben, hieß Who is Louis. Jetzt sind sie mit Ida Red am Start. Das verleitet natürlich zu der Frage: Wo ist Louis jetzt?

Who is Louis macht gerade eine Pause auf unbestimmte Zeit. Nach Jahren intensiver Arbeit hatten wir alle Lust, uns in neue Projekte zu stürzen. Wir sind aber sehr gute Freunde, ständig in Kontakt und fragen uns gegenseitig oft um Rat, wenn es um unsere Musik geht. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass wir irgendwann wieder zusammen spielen werden.

Das neue Projekt ist – wie schon erwähnt – eine Girl-Band. Die Spice Girls liegen schon lange zurück. Ist das Ganze als eine Art Revival zu verstehen?

Ja und Nein. Wir sind auf den ersten Blick eine Girl-Band wie die Spice Girls und natürlich sind die auch eine unserer Inspirationen, weil wir alle mit ihnen aufgewachsen sind. Natürlich wollen wir das Phänomen Girl-Band wieder aufleben lassen, aber anders als die Spice Girls sind wir keine gecastete Band. Wir schreiben, spielen, produzieren selbst. In der dänischen Musikszene ist die Mehrheit männlich und die Girl-Bands, die es gibt, spielen hauptsächlich Rock. Da sind wir schon etwas ganz Besonderes. Wir haben uns allerdings nicht gefunden, weil wir vier Mädchen sind, sondern einfach, weil wir musikalisch und stimmlich auf Anhieb funktioniert haben.

Der Name Ida Red beschreibt sowohl eine Apfelsorte als auch einen amerikanischen Song. Schöne Verbindung, aber hat irgendetwas davon mit Ihrer Namenswahl zu tun?

Auf jeden Fall, zumindest letzteres. Ida Red ist eine fiktive Figur, die vielen Musikern als Muse und Inspiration gedient hat. Für uns ist Ida Red ein Alias, der uns alle vier unter einem Namen vereint.

Worum geht es in Ihren Songs? Sind Sie der sehr persönlichen Linie von Who is Louis treu geblieben?

Für mich ist Ida Red eine ganz neue Richtung, in der ich eine andere Seite von mir selbst auslebe als in Who is Louis, aber das auch ganz bewusst. Es war ein langer Weg für uns, einen gemeinsamen Sound zu finden, da wir alle vier aus sehr unterschiedlichen musikalischen Welten kommen. In Ida Red leben wir unsere gemeinsame Liebe zur Popmusik aus und schaffen etwas, womit sich viele Menschen identifizieren können. Unsere erste Single „Oh Girl“, die am 26. Januar erschienen ist, ist zum Beispiel eine Ode an die Freundschaft.

Wie ist es, mit 25 Jahren einen Vertrag bei einem der bekanntesten Plattenlabel überhaupt zu bekommen?

Das ist schon eine große Anerkennung und eine Tür zu ganz neuen Möglichkeiten. Für mich, die es gewohnt ist, alles selbst zu organisieren, ist es eine ganz andere Welt. Wenn man sieht, wer weltweit bei Warner unter Vertrag ist, kann einem aber schon schwindelig werden.

Können Sie sich denn jetzt ganz aufs Songschreiben konzentrieren?

Leider nicht. Zum Musiker-Sein gehört heutzutage für mich viel mehr als nur das Songschreiben. Wenn man wirklich voran kommen will, muss man so viel wie möglich selbst in die Hand nehmen, ob man ein großes Label hat oder nicht. Bei Ida Red managen wir uns selbst. Das verlangt schon viel Planung und hat oft wenig mit Musik zu tun. Aber klar: Das Songschreiben hat immer erste Priorität, und wir versuchen, die meiste Zeit im Studio zu verbringen.

Welche Rolle hat der musikalische Zweig der Theodor-Storm-Schule für ihre Entwicklung als Musikerin gespielt?

Eine große. Der war eigentlich der Grundstein für alles. Mein Umzug und meine Zeit in Dänemark waren natürlich auch wichtig, aber an der TSS hatte ich eine gute Grundausbildung und Lehrer, die mich unterstützten. Dass ich zwölfjährig erstmals beim Solisten-Abend aufgetreten bin, hat meine Entwicklung ebenfalls gefördert. Und wenngleich er nicht immer ein Vergnügen war, hat auch der sehr theoretisch geprägte Musikunterricht seinen Teil dazu beigetragen.

Den Jazz-Gesang haben Sie zugunsten des Songwritings aufgegeben. Könnte Greta Louise Schenk trotzdem als Husumer Antwort auf Diana Krall zurückkehren?

Eigentlich habe ich schon immer eigene Songs geschrieben, deswegen ist es für mich ganz natürlich, diesen Berufsweg gewählt zu haben. Vielleicht gibt es ein Jazzgreta-Comeback, wenn ich älter bin. Aber jetzt muss ich einfach meine eigene Musik machen.

Auch mal wieder in Husum?

Ich sag’ sofort Bescheid, wenn es soweit ist. Wir fangen jedoch erstmal in Dänemark an. Aber so weit ist es nach Husum ja zum Glück nicht. Interview:
Rüdiger Otto von Brocken

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