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Wohnsiedlung Hockensbüll Thema im Ausschuss : Viel Lärm um möglichen Lärmschutz

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Planungen für die Wohnsiedlung Hockensbüll in Husum sollen bis September abgeschlossen sein. Das erfuhr der Planungs- und Umweltausschuss – und diskutierte leidenschaftlich über die Art und Weise des gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzes. Das Baugebiet liegt an der Schobüller Straße.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 15:30 Uhr

Die Operation „Wohnsiedlung Hockensbüll“ ist in vollem Gange. Stadt und Baugenossenschaft, die sich das ehemalige Gewoba-Quartier an der Schobüller Straße aufgeteilt haben, um es nach dem Abriss – wie es in der Fachsprache heißt – zu revitalisieren, „sind in ständigem Austausch und ein gutes Stück vorangekommen“. Das erklärte Architekt Patrick Bauer, Abteilungsleiter Planung bei der Gewoba Nord, am Mittwoch (2. April) im Rathaus vor dem Umwelt- und Planungsausschuss. Zuvor hatte der Diplom-Ingenieur dem Gremium aktuelle Referenzobjekte seines Arbeitgebers vorgestellt.

Doch zurück zur Wohnsiedlung im Nordwesten der Stadt, die in der Sitzung einen breiten Raum einnahm. Der diesbezügliche Tagesordnungspunkt klang zunächst einmal nicht nach dem Zündstoff, der im Laufe der sich entwickelnden Diskussion für den einen oder anderen verbalen Knall sorgte. Aber dazu später mehr. Ein Sachstandsbericht zur Erschließung- und Bauleitplanung war das Thema. Ein Fall für Rudolf Hölscher.

Der Bauamtsleiter skizzierte zunächst das Zeitraster, das sich die Beteiligten in dieser Angelegenheit zurechtgelegt haben. „Wir sind in diesem Monat dabei, die Erschließungsplanungen abzustimmen“, so Hölscher. Danach gehe es darum, die Ergebnisse an die Bauleitplanung anzupassen, um in der für Juni vorgesehenen Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses einen Auslegungsbeschluss zu erwirken: „Das ist das Ziel!“ Im September soll das Projekt so weit Planreife erlangt haben, dass die Gewoba die damit verbundenen Anträge stellen könne. „Das ist auch der Zeitpunkt, um im nördlichen Bereich in die Vermarktung einzusteigen“, erklärte Hölscher mit dem Hinweis, dass die dortigen Grundstücke bereits auf reges Interesse stießen.

Vom neu zu belebenden Areal, das ihr einst vollständig gehörte, hatte die Gewoba auf zwei, insgesamt 37.000 Quadratmeter große Drittel verzichtet – und war dafür andernorts im Stadtgebiet mit Ausgleichsflächen entschädigt worden (wir berichteten). Im nördlichen, nunmehr städtischen Bereich ergibt sich nach derzeitigem Planungsstand in etwa folgende Aufteilung: 14 Einfamilien- (entspricht 14 Wohneinheiten), 13 Doppel- (26) und 15 Reihenhäuser (15). Dazu kommen fünf Gebäude, die sowohl als Doppel- oder als Mini-Mehrfamilienhaus entwickelt werden sollen (10 bis 20 Wohneinheiten). Im südlichen Drittel plant die Gewoba Geschosswohnungsbau mit 96 Einheiten. Dort wird von rund 8700 Quadratmeter Bruttogeschoss- und etwa 6500 Quadratmeter Wohnfläche ausgegangen. So weit, so gut.

Leben in die Bude kam plötzlich, als Hölscher den möglichen Lärmschutz der künftigen Wohnsiedlung zur Schobüller Straße hin ins Spiel brachte – in Form eines Walles, einer Wand oder einer Kombination daraus. „Es ist weder städtebaulich geboten noch erforderlich, mit solchen Kanonen auf eine derartige Straßenbelastung zu schießen“, intervenierte Horst Bauer (SPD) mit einem etwas schiefen Bild. „Da fallen mir in der Stadt noch ganz andere Stellen ein, wo das gemacht werden müsste – und dann will ich hier nicht mehr wohnen!“ Und auch Alfred Mordhorst (CDU) schlug in diese Kerbe: „Ich falle fast vom Glauben ab, wenn ich das höre. Die Schobüller Straße ist doch keine neue Umgehung. Da komme ich als normal denkender Bürger nicht mehr mit!“

Nach weiteren Wortwechseln auf dieser Ebene drückte der Bauamts-Chef erst einmal seine Verwunderung darüber aus, „dass dieser Aspekt so eine Diskussion ausgelöst hat“. Um dann sogleich Dampf aus dem Kessel zu nehmen: „Wir sind in der Pflicht, Ihnen einen rechtssicheren Bebauungsplan zu übergeben.“ Laut Gesetzgeber müssten für neue Wohnbebauungen in Gebieten, in dem Gewerbe zugelassen sei, bestimmte Werte sichergestellt werden. Grundlage sei die Technische Anleitung (TA) zum Schutz gegen Lärm, erklärten Hölscher und sein Mitarbeiter Jürgen Scheil. Schließlich hätten Bewohner von Neubaugebieten das Recht, in Ruhe auf der Terrasse zu sitzen. Man sei mit dem Ganzen im Übrigen überhaupt noch nicht durch, müsse sich aber damit beschäftigen, hieß es vonseiten des Bauamts. Und: „Wir arbeiten daran, dass es schön aussieht.“

Für Frank Hofeditz (Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen) war die Sache klar: „Urbanität bedeutet ja nicht, dass ich an der Hauptstraße wohne und es laut haben muss.“ Und Dr. Ulf von Hielmcrone (SPD) entschied sich mit gewohnt deutlichen Worten, auf die Diskussion einen Deckel zu machen: „Bei der Wurst und bei Gesetzen darf man nicht darauf gucken, was drin ist. Wir streiten über Dinge, über die es sich nicht lohnt, zu streiten.“ Mitzunehmen sei am Ende, „dass dieser Punkt im Umwelt- und Planungsausschuss unangenehm aufgefallen ist“.

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