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Husumer Nachrichten

18. Oktober 2017 | 15:15 Uhr

Breklum : Viel für das Gotteshaus erreicht

vom

Langjährige Vorsitzende des Breklumer Kirchbauvereins gibt ihr Amt ab. Sie arbeitete ein Jahr lang den designierten Nachfolger ein.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 08:47 Uhr

Breklum | Siebeneinhalb Jahre lang hat Sieghilde von Hoerschelmann den Kirchbauverein Breklum geleitet. Kommende Woche gibt die 75-Jährige ihr Amt ab. Ganz leicht fällt ihr dieser Schritt nicht, aber sie weiß das Amt auch danach in guten Händen. Schließlich hat der Vorstand in Dr. Carsten Thoroe einen würdigen Nachfolger gefunden. Er stellt sich bei der Jahresversammlung am Dienstag, 7. Mai, zur Wahl.

Dass der 68-jährige Breklumer mit großer Ernsthaftigkeit diese weitere ehrenamtlichen Aufgabe angeht, bewies er im vergangenen Jahr. Da stand er nämlich als "Kirchbau-Lehrling" der Vorsitzenden zur Seite, um sich einzuarbeiten. Sein "Gesellenstück" ist schon einmal gelungen: Er gestaltete zusammen mit Pastor i. R. Paul Gerhard von Hoerschelmann einen Flyer über den Altar der Breklumer Kirche. Das bisherige Info-Blatt war mit seiner altertümlichen Sprache nicht mehr zeitgemäß. Ein "Meisterstück" soll später folgen: Ein neues Faltblatt über alle Kunstschätze des Gotteshauses.

Dr. Carsten Thoroe hatte zunächst Bedenken, als ihm das neue Amt angetragen wurde. "Ich bin zwar Nordfriese, aber ich wohne erst seit vier Jahren in Breklum", winkte er zunächst bescheiden ab. Doch das ließ Sieghilde von Hoerschelmann nicht gelten. Ihr war aufgefallen, wie interessiert das Ehepaar Thoroe am Gemeindeleben ist, Gottesdienste, Konzerte und sonstige Veranstaltungen besucht. Da war es nur folgerichtig, zu versuchen, den engagierten Mann mit ins Kirchbau-Boot zu holen. Dr. Thoroe war nicht nur als Rotarier fürs Gemeinwohl tätig, er arbeitet auch im Vorstand der Alzheimer Gesellschaft Nordfriesland mit und hat just einen neuen Verein gegründet: den Kunst- und Kulturverein Breklum.

Der 68-Jährige ist Ökonom. Viele Jahre hat er als Professor Forschungsinstitute geleitet, unter anderem das Hamburger Bundesforschungsamt für Forst und Holz und zuletzt das Thünen-Institut für ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig.

"Ich hoffe, dass wir sehr viel erreichen können", antwortet Thoroe schlicht auf die Frage, was er sich denn für seine neue Aufgabe vorgenommen hat. Und: "Das Kleinod, das wir hier haben, wollen wir nicht nur erhalten, sondern es immer weiter zum Strahlen bringen."

In den 17 Jahren, den es jetzt schon den Kirchbauverein gibt, hat sich immens viel getan. Hatten in der Anfangszeit Mitglieder noch selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen, um schadhafte Stellen auszubessern, verlagerte sich das Augenmerk immer mehr hin zu Großprojekten. Der Altar und all’ die wertvollen Bilder mussten nach und nach restauriert werden. Und das kostet, von Experten ausgeführt, viel Geld. Allein in den siebeneinhalb Jahren, die Sieghilde von Hoerschelmann den Verein mit ihrem Vorstand leitet, flossen 80 000 Euro in die Verschönerung der Kirche. Da wurde dem Lutherbild, 1883 vom nordfriesischen Künstler Karl-Ludwig Jessen gemalt, zu neuem Glanz und zu neuer Ehre verholfen. Hing es jahrezehntelang versteckt auf der Empore, prangt es jetzt gut sichtbar an der Nordwand. Das Epitaph, das 1694 in Erinnerung an den damaligen Pastor Krambeck gemalt wurde, hat Restauratorin Susanne Gerlach in mühevoller Feinarbeit aufgearbeitet.

Am meisten in Erinnerung dürfte den Nordfriesen aber die "Banken-Krise" geblieben sein, die der Vorstand ausgerufen hatte. Er schaffte es, in zweieinhalb Jahren die erforderlichen 50 000 Euro zusammen zu bekommen, um das Gotteshaus mit bequemen Sitzgelegenheiten auszustatten. Wie bei allen Aktionen hatten viele Menschen mitgeholfen, das Ziel zu erreichen. Benefiz-Konzerte spülten Gelder ein, es wurde ein immerwährender Kalender mit Fotos aus der Kirche geschaffen und verkauft, Jubilare spendeten großzügig aus ihrer Festkasse. Alles, was nur irgendwie in klingende Münze umgesetzt werden konnte, wurde versucht - und das mit Erfolg. So fanden alte Hut-Haken aus der Kirche reißenden Absatz. Je weniger von den 250 Stück noch übrig waren, um so mehr wuchs die Wertschätzung - und damit der gespendete Betrag. Auch die Bänke und Sitzauflagen fanden noch Käufer. Jetzt versehen die ausrangierten Teile ihren Dienst als Bierbänke oder Gartenpolster.

Auch wenn die Vorsitzende manchmal mit Engelszungen reden musste, um ans Ziel zu kommen, eines betont sie immer wieder: "Unsere Kirche erzählt vom Glauben." Und die Kirche, das sind die Menschen. Die, die in den angeschlossenen Heimatgemeinden Almdorf, Struckum, Breklum, Sönnebüll, Vollstedt, Högel und Lütjenholm wohnen. Aber auch alle anderen, die sich dem Breklumer Gotteshaus verbunden fühlen. Ihr großer Wunsch ist es, dass dieses Wir-Gefühl auch in Zukunft trägt.

Die Jahresversammlung am 7. Mai beginnt um 18 Uhr im Lutherhof. Im Anschluss an die Regularien wird Pastor em. Jens Hermann Hörcher Interessantes über die Skulptur des Heiligen Olaf, die im Vorraum der Breklumer Kirche hängt, erzählen.

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