Feuer im Kreis Nordfriesland : Video: Nordsee-Hotel in Husum in Flammen – Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Der Morgen nach dem Feuer: Die obere Etage des „NordseeHotel“ ist komplett ausgebrannt.
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Der Morgen nach dem Feuer: Die obere Etage des „NordseeHotel“ ist komplett ausgebrannt.

Die Feuerwehrleute ringen beim Löschen mit einer schlechten Wasserversorgung. Verletzte gibt es nicht.

shz.de von
15. Januar 2018, 13:39 Uhr

Husum | Beim Eintreffen der Feuerwehr schlugen die Flammen schon meterhoch aus dem Dach des Nordsee-Hotels am Dockkoog vor Husum: Als die Einsatzkräfte am Montag um 2.23 Uhr alarmiert wurden, hegten sie noch die Befürchtung, dass sich Gäste in dem Gebäude aufhalten könnten. „Dies bewahrheitete sich zum Glück nicht“, wie Einsatzleiter Alexander Mumm erleichtert mitteilte. Trotzdem durchsuchten die Feuerwehren das Innere des brennenden Hotels – fanden jedoch niemanden.

Auch von den rund 140 Einsatzkräften wurde niemand verletzt. Sie bekämpften den ausgedehnten Brand, der das gesamte Dach des vierstöckigen Gebäudes erfasst hatte, unter anderem mit zwei Drehleitern. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und eisigem Wind eine kräftezehrende Aufgabe für die Kameraden. Zudem bereitete die schlechte Wasserversorgung den Einsatzkräften Probleme. Sie mussten eine rund zwei Kilometer lange Schlauchleitung zum Husumer Hafen legen, um ausreichend Löschwasser zur Verfügung zu haben. Trotz des umfangreichen Einsatzes konnte nicht verhindert werden, dass der Dachstuhl sowie das darunter liegende Stockwerk vollständig ausbrannten. Nach Einschätzung des Einsatzleiters ist das Gebäude nun nicht mehr zu nutzen.

Aufgebrochene Tür – Kripo sucht Zeugen

Die Kriminalpolizei Husum nahm am Morgen die Ermittlungen auf. Zur Brandursache könne man derzeit noch nichts sagen, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg. Man ermittle in alle Richtungen, auch Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden. Am Hintereingang des Gebäudes hätten die Beamten eine aufgebrochene Tür vorgefunden, so die Sprecherin. Inwieweit sie im Zusammenhang mit dem Feuer stehe, sei aber noch unklar. Die Kripo bittet eventuelle Zeugen, die zwischen 23 und 2 Uhr verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, um Mitteilung unter Telefon 04841/8300.

<p>Das Hotel befindet sich direkt hinter dem Deich, etwa drei Kilometer von der Husumer Innenstadt entfernt.</p>
Google Maps

Das Hotel befindet sich direkt hinter dem Deich, etwa drei Kilometer von der Husumer Innenstadt entfernt.

Marcus Clormann, der das Hotel mit Unterstützung seines Vaters Manfred betrieben hatte, war nicht vor Ort. Derzeit wolle man sich zum Geschehen nicht äußern, so Clormann auf Anfrage.

Die Zukunft des 1960er-Jahre-Baus steht schon länger auf der Kippe – zwischen dem Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) und den Betreibern schwelt seit rund zwei Jahren ein ungelöster Konflikt: Das Sahnegrundstück im Husumer Naherholungsgebiet hatte Clormanns Vorgänger auf Erbpacht bis 2067 erworben. Nun aber will der Landesbetrieb den an das Hotel grenzenden Deich verstärken – und beruft sich auf eine Vertragsklausel, die besagt, dass das Hotel abgerissen werden muss, wenn dies – wie jetzt anstehend – aus Gründen des Küstenschutzes nötig ist. Die  Clormanns vertreten  aber die Auffassung, dass man ihnen aufgrund des Erbpachtvertrages das Hotel nicht ohne  eine Kompensation wegnehmen dürfe, und haben ihren Rechtsbeistand eingeschaltet.

War das Hotel überhaupt noch im Betrieb?

Nachdem das einstige Vorzeigehotel über Jahre nicht mehr saniert worden war, überraschte Manfred Clormann im Oktober vergangenen Jahres außerdem mit der Aussage, eine höhere sechsstellige Summe investieren zu wollen, sollte sich der Konflikt mit dem Landesbetrieb nicht bald lösen. Dessen Leiter, Johannes Oelerich, sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, sein Betrieb müsse sich nun mit der Frage beschäftigen, welche Folgen der Brand des Hotels habe.

Unklar war gestern auch, ob und inwieweit das Nordseehotel  noch in Betrieb war: Dehoga, Tourismusservice und  Gewerbeamt wissen nichts davon, dass der Betrieb eingestellt worden ist. Auf der Homepage des Hotels lassen sich aber keine Zimmer mehr buchen und beim Suchdienst Google wird das Hotel als „dauerhaft geschlossen“ geführt.

Kampf gegen die Kälte: Die Einsatzkräfte wärmen sich mit heißen Getränken auf.
Sebastian Iwersen

Kampf gegen die Kälte: Die Einsatzkräfte wärmen sich mit heißen Getränken auf.

Um die durchgefrorenen Einsatzkräfte in der Nacht zu versorgen, hatten das Deutsche Rote Kreuz und die DLRG ein Zelt aufgebaut  und  heiße Getränke ausgegeben.  Eingesetzt waren die Freiwilligen Feuerwehren Husum, Schobüll, Hattstedt-Wobbenbüll, Bredstedt, Mildstedt und St. Peter-Ording. Bis Montagmittag waren die Einsatzkräfte mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt.

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