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24 Stunden Husum: 2 bis 3 Uhr : Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anstrengende Nachtschicht zwischen polizeibekannten Nervensägen und schnellen Drogentests: Wir begleiten zwei Beamte auf ihrer Streifenfahrt durch Husum und das Umland der Storm-Stadt.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 22: Mit der Polizei auf Nachtstreife.

Von wegen ruhige Nacht: Ein Deutsch-Russe namens Igor (alle Namen geändert) hält die Beamten der Husumer Polizeistation schon seit einer Stunde auf Trab. Auf der Neustadt hatte der polizeibekannte Mann die Ordnungshüter während einer Streifenfahrt provoziert, sich vor den Dienstwagen gestellt und auch nach mehrmaliger Aufforderung durch Polizeihauptmeister Uwe Petersen die Fahrbahn nicht verlassen. „Das ist Nötigung“, erklärt Petersen, der sogar Verstärkung anfordern musste.

Es nützte alles nichts, die Beamten kassierten den offensichtlich alkoholisierten Mann ein. Inzwischen ist es zwei Uhr morgens und ein Arzt ist vor Ort, der den unfreiwilligen Gast einer Haftfähigkeitsuntersuchung unterziehen muss – das ist Vorschrift, damit die Beamten rechtlich auf der sicheren Seite sind. Igor ist haftfähig, er darf bleiben. Aber jetzt nervt Igor weiter, drückt ständig den Klingelknopf in seiner kameraüberwachten Zelle. Das Signal hallt laut durch die Einsatzzentrale und den Flur. „Kann das mal jemand ausschalten?“, ruft einer der Beamten verärgert. Über Sprechfunk droht der erboste Deutsch-Russe mit seinem Anwalt und schimpft. Routine. Bei ihm wurden mehrere auffällige Päckchen gefunden, wohl Marihuana. Also kommt zur Nötigung noch ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz dazu. Die Droge geht ins Labor zur Analyse.

Uwe Petersen und Polizeiobermeister Christian Jessen setzen ihre Streifenfahrt fort. Das Revier erstreckt sich grob von Bredstedt bis Witzwort. Es ist dunkel und ungemütlich, auf der Straße ist nicht viel los. Petersen fährt, Jessen übernimmt den Funkverkehr. „Wir fahren, wie wir lustig sind“, umschreibt Petersen locker die freie Routenwahl. Allerdings entwickele man im Lauf der Zeit ein Gefühl dafür, wonach und wohin man schauen müsse. Die Leitstelle in Harrislee erhält die Statusmeldung, dass die Streife mit zwei Mann unterwegs ist und gegebenenfalls angefordert werden kann.

An einem Kreisel sehen die Beamten einen dunklen VW Golf. Jessen gibt das Kennzeichen durch, erhält wenige Sekunden später die Halterangeben. „Den schauen wir uns einmal näher an.“ „Bitte folgen“, blinkt auf der Anzeige. Vor einer Hofeinfahrt im Gewerbegebiet wird gehalten – und der Status geändert. Jetzt sind die Beamten für die Leitstelle nicht mehr verfügbar. „Wo kommen Sie her, wo wollen Sie hin, haben sie Alkohol oder Drogen zu sich genommen, wann zuletzt?“ Jessen befragt den Fahrer, prüft Führerschein und Fahrzeugpapiere. Sein Kollege beobachtet die Szenerie aus ein paar Metern Entfernung, zur Sicherheit. Dann wird dem Fahrer, einem jungen Mann, mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet, er muss mit den Augen Jessens Finger folgen. An einer Seite stoppt er. „Die Pupille hat leicht gezuckt, wollte zurück zur Mitte. Das sollte nicht passieren“, berichtet Jessen später. „Anfangsverdacht auf Drogen, Medikamente oder einfach nur Übermüdung“, weiß der Polizeiobermeister. Jetzt dürfen die Beamten ihn nicht weiterfahren lassen, sind verpflichtet, einen Drogenschnelltest vorzunehmen. Dazu müsste der junge Mann etwas Urin in einen Becher geben – allein, er kann nicht. Zu nervös? Er muss mit auf die Wache. Dort klappt es sofort.

Der Test, der auf verschiedenste Drogenarten – Amphetamine, Marihuana – und Alkohol anspricht, fällt komplett negativ aus. Also positiv für den Mann. Petersen und Jessen bringen ihn wieder zu seinem Fahrzeug. „Nichts für ungut, kommen Sie gut nach Hause.“ „Der Schnelltest soll für eine Entlastung vor Ort sorgen“, sagt Jessen. „Was ist, wenn wir ihn fahren lassen und wenig später verursacht er einen schweren Unfall?“

Die Streifentour geht weiter. Das nächste Fahrzeug ist bekannt. Ein Zeitungsausträger. Dann, in der Nähe von Schobüll, wieder ein Golf. Die übliche Halterabfrage und an einer gut beleuchteten Stelle – „zur Eigensicherung“, so Jessen – wird kontrolliert. Der Lenker erweist sich als unverdächtig und darf weiterfahren.

Musste Petersen schon einmal von seiner Waffe Gebrauch machen? „Auf einen Menschen habe ich noch nicht geschossen“, sagt er und hofft, dass das auch nie der Fall sein wird. Der 33-Jährige ist auch Schießausbilder der Husumer Polizei. Heute hat er die lange Nachtschicht, die von 19 bis 7 Uhr geht. Sein Kollege Jessen begann seinen Dienst erst um 22 Uhr. Jetzt ist es 3 Uhr und die beiden sind wieder auf der Wache. Keine besonderen Vorkommnisse, und Igor hat inzwischen auch Ruhe gegeben – also wird es doch noch eine ruhige Nacht.

Teil 23 morgen: Nachtschicht im Betriebswerk der Nord-Ostsee-Bahn.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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