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Husumer Nachrichten

23. Oktober 2017 | 14:38 Uhr

Verstrickt in einen Drogenfall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Glimpflicher Ausgang für reuige Angeklagte: Geldstrafe auf Bewährung für Lidocain-Beschaffung in großem Stil

Ein Jahr nach der Verurteilung eines Apothekers aus Husum ist der Richterspruch über eine frühere Apotheken-Mitarbeiterin gefällt worden. Diese hatte laut Staatsanwaltschaft von August 2005 bis Februar 2012 über diese Apotheke 326 Kilogramm Lidocain beschafft. Wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz kam die 51 Jahre alte Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) mit einer „Verwarnung unter Strafvorbehalt“ davon: Sie wurde zwar zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro verurteilt, das allerdings – was in Ausnahmefällen möglich ist – auf Bewährung. Falls sich die Verurteilte in den nächsten zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, muss sie die Geldstrafe nicht bezahlen, in jedem Fall aber die Verfahrenskosten.

Nach einer Durchsuchung der Apotheke 2013 war der Frau, die rund 20 Jahre lang in diesem Betrieb beschäftigt war, fristlos gekündigt worden. Sie hatte später in einer anderen Stadt in Nordfriesland eine neue Stelle als PTA gefunden und das Ermittlungsverfahren gegen sie war zunächst eingestellt worden: Die Staatsanwaltschaft war damals davon ausgegangen, dass die Beschaffung von Lidocain nicht strafbar sei. Tatsächlich war das Mittel, das in kleinster Dosis als lokal wirkendes Schmerzmittel genutzt wird, zunächst nicht rezeptpflichtig gewesen.

Erst im Zuge der Ermittlungen und eines Prozesses gegen einen Husumer Apotheker erkannte die Staatsanwaltschaft, dass Lidocain von Drogendealern als Streckmittel für Kokain genutzt wird und ab April 2006 rezeptpflichtig war. Daraufhin wurde das Verfahren gegen die PTA wieder aufgenommen. Angelastet wurde der Angeklagten jetzt allerdings nur die Beschaffung von 45 Kilogramm Lidocain im Zeitraum von Juni 2010 bis Februar 2012. Die Beschaffung der anderen 281 Kilogramm dieses Mittels in den Jahren zuvor war bereits verjährt.

Wie die Angeklagte aussagte, hatte sie ihrem früheren Ehemann geglaubt, dass dessen Bruder als Arzt in Bosnien tätig sei und dieser das Lidocain als Arzneimittel benötige. Daraufhin hatte sie ihren Arbeitgeber, den Apotheker, gefragt, ob sie das Mittel beim Hersteller bestellen dürfe. Das Lidocain hatte sie demnach schließlich immer wieder kiloweise bestellt und ihrem Ehemann übergeben. Erst irgendwann später habe sie aus einem „Tatort“-Krimi im Fernsehen erfahren, dass Lidocain von Drogendealern missbraucht werden könne und inzwischen rezeptpflichtig sei.

Allerdings habe sie weder gewusst, noch geahnt, dass ihr eigener Ehemann in Drogendelikte verstrickt war. Zudem habe er es immer wieder verstanden, psychischen Druck auf sie auszuüben. Sie selbst habe von der Beschaffung des Lidocains nie finanziell profitiert und auch nie mitbekommen, dass ihr Ehemann das Mittel offenbar zum zigfachen Preis weiterverkaufte.

Die Angeklagte hatte sich 2013 von ihrem Mann scheiden lassen und hat nach eigenen Angaben keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Sie bereute, dass ihr Handeln Folgen in der Drogenszene gehabt haben könne. Zudem schilderte die Frau, was sie an ihrem neuen Arbeitsplatz bereits unternommen hatte, damit es keinesfalls zu etwaigen neuen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz kommen könne.

Der Staatsanwalt nannte es „erschreckend, dass es der Angeklagten so einfach gemacht worden“ sei, ohne Rezept und in großen Mengen an das verschreibungspflichtige Mittel zu kommen. Er zollte ihr Respekt für das Geständnis und ihre Reue. Der Staatsanwalt hielt es für „glaubhaft, dass die Angeklagte eine ähnliche Tat nicht mehr begehen würde“. Er mache damit zwar „den Job der Verteidigung“. Allerdings sei es gerade die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, nicht nur alles Be-, sondern auch alles Entlastende zu berücksichtigen. In seinem Plädoyer forderte er 90 Tagesätze à 50 Euro auf Bewährung. Der Verteidiger, der zu Beginn des Prozesses einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin gestellt hatte, schloss sich dem Plädoyer an, das Gericht folgte den Anträgen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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