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62. Husumer Universitätswoche : Verständnis für die Proteste

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Bachelor-Studiengang an der Kieler Uni: Präsident fordert "die Reform der Reform" in kleinen Schritten. Die Konsequenz wäre, die Zahl der Studenten an der Hochschule nach und nach zu verringern.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2010 | 07:11 Uhr

Husum | Vor allem im Bereich Forschung konnte sich die Christian-Albrechts-Universität ausgezeichnet weiterentwickeln. "Vor Weihnachten erhielten wir einen neuen - den insgesamt elften - Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, diesmal in den Nano-Wissenschaften", berichtete Professor Dr. Gerhard Fouquet anlässlich der Eröffnung der 62. Husumer Universitätswoche im Schloss. "Das war ein Meilenstein in der Weiterentwicklung", sagte der Präsident der Kieler Universität. Dotiert sei das Projekt mit elf Millionen Euro.

Sorgen und viel Arbeit bereiteten die grundständige Lehre in den Bachelor-Studiengängen des sogenannten Bologna-Prozesses, also dem politischen Vorhaben, ein einheitliches europäisches Hochschulwesen zu schaffen. Im nächsten Wintersemester nähmen die ersten Bachelor-Absolventen in Kiel ihr Master-Studium auf. Das sei ein Abenteuer gewesen, so Fouquet. Es würde zwar den Willen zur wissenschaftlichen Erkenntnis formen und antreiben, sei aber schädlich für die Umsetzung des administrativen und intellektuellen "Großunternehmens Lehre" für die Studierenden in weit über 100 Studiengängen.

Doch aus dem Stadium des Abenteuers und der Unwissenheit sei die Uni Kiel, was die Bachelor-Studiengänge angehe, mittlerweile heraus. Diese erhielten von den Studenten gute Noten. "Das mag angesichts der Schlagzeilen der vergangenen Wochen verwundern. Es gab aber auch hier Hörsaal-Besetzungen", so der Präsident. Die jungen Leute hätten im Kern recht. Sie wendeten sich nicht - wie gerne unterstellt werde - gegen die verschulten Bachelor-Studiengänge, "sondern ihre Forderungen richten sich gegen die seit den 1980er-Jahren stetig zunehmende Unterfinanzierung der Unis". Nichts anderes hätten auch Hochschulleitungen und Asten gefordert. Über Probleme - wie mangelnde fachliche Betreuung, fehlende Laborarbeitsplätze, schlechte Bibliotheks-Bedingungen oder nicht ausreichende Studienfinanzierung - bräuchte sich niemand zu wundern. Miserable bauliche Zustände der Gebäude kämen dazu.

Wie Fouquet weiter erklärte, richten sich die Studenten-Proteste außerdem gegen ein seit über 30 Jahren bestehendes Kapazitätsrecht. Es sei einst bildungspolitisch richtig gewesen, möglichst vielen Begabten den Zugang zu den Hochschulen zu ermöglichen. Heute führe das zu überfüllten Hörsälen und schlechter "Lehre", nicht aber zu Lehrveranstaltungen in kleineren Gruppen. Ziel müsse es sein, angesichts des Landeshaushaltes 2010 "die Reform der Reform" in kleinen Schritten zu vollziehen. Der Uni-Präsident: "Wir fordern daher zunächst eine Revision der Kapazitätsberechnung, damit Dozenten und Professoren wenigstens einen Teil ihrer für die Lehre zur Verfügung stehenden Arbeitskraft zur stärkeren Betreuung verwenden dürfen." Statt Masse müsse Klasse her. So käme ein Gewinn für den Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsraum Deutschland heraus.

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