Versicherung besteht seit 375 Jahren

Der  Vorstand: (v.l.) Dirk Homann, Karl Peter Andresen, Inga Tudsen, Bendix Jensen, Broder Grünberg und Margret Nissen.
Der Vorstand: (v.l.) Dirk Homann, Karl Peter Andresen, Inga Tudsen, Bendix Jensen, Broder Grünberg und Margret Nissen.

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08. Oktober 2010, 03:59 Uhr

Drelsdorf | Ein Versicherungsunternehmen mit Beratung vor Ort und mit qualifizierten Vertrauensleuten, die persönlich bekannt sind: Merkmale, die sich die Drelsdorfer Versicherung auf die Fahnen geschrieben hat. In der Branche gibt es jede Menge Mitbewerber, die nach gleichem Muster verfahren. Der gravierende Unterschied ist jedoch, dass die Drelsdorfer Versicherung seit 375 Jahre besteht - ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal weit über die Region hinaus.

Broder Grünberg ist seit 1982 Vorstandsvorsitzender und Ältermann. Er erstellte eine Chronik, die er morgen beim Jubiläumsempfang vorstellen wird. Eine Zusammenfassung gab es bereits 1985 zum 350-jährigen Jubiläum. Schon damals hatte Grünberg recherchiert, um die Ursprünge und den Verlauf des seinerzeit lautenden Feuerversicherungsvereins auf Gegenseitigkeit von 1635 transparent zu machen. Keine leichte Aufgabe, denn Teile der Aufzeichnungen waren unauffindbar. Sein Weg führte ihn in Archive auf Kreis- und Landesebene sowie zum Reichsarchiv nach Kopenhagen und damit gewissermaßen vom Königreich zur Diktatur bis hin zur Demokratie, durch Kriege, zahlreiche Regierungen und Währungsreformen - Geschichte pur.

Das älteste Dokument reicht bis zum 18. Mai 1679 zurück und erzählt von der "Errichtung einer Brandgilde für die Eingepfarrten des Kirchspiels Drelsdorf durch die Einwohner des Kirchspiels". Von den sechs zu wählenden Älterleuten mussten je zwei aus Ahrenshöft, Bohmstedt und Drelsdorf sein.

Broder Grünberg geht davon aus, dass die zweite Grote Mandränke im Jahr 1634 ausschlaggebend für die Gründung der damaligen Drelsdorfer Gilde war. Allein in Nordfriesland kamen dabei tausende Menschen in den Fluten um, Häuser wurden zerstört und Vieh zehntausendfach getötet. Die Not schweißte die Menschen zusammen, der Ruf nach Absicherung und gegenseitiger Hilfe wurde laut. Im Lauf der Jahrhunderte stand die Versicherung einige Male vor dem Aus. Unter anderem im Jahr 1741. Eine königliche Verordnung untersagte den privaten Brandgilden die Versicherung von Gebäuden mit sofortiger Wirkung. Änderungen der Statuten verhinderten jedoch die Auflösung. Auch im Zuge der Inflation stand die Gilde auf der Kippe. Nach dem Neubeginn 1925 mit der Reichsmark wurden Heinrich S. N. Friedrichsen aus Bohmstedt und Thomas C. A. Grünberg aus Drelsdorf zu den Älterleuten gewählt.

Nach wie vor sind die Versicherten gleichzeitig Mitglieder, da es sich um eine Versicherung auf Gegenseitigkeit handelt. Soll heißen: Im Fall der Vereinsauflösung werden Überschüsse im Verhältnis des zuletzt gezahlten Beitrages ausgezahlt. Fehlbeträge werden dagegen durch Nachschüsse im selben Verhältnis aufgebracht.

Derzeitige Geschäftsführerin und Älterfrau ist Inga Tudsen. In Zusammenarbeit mit der Schleswiger Versicherung werden inzwischen auch weitere Versicherungszweige von der Drelsdorfer Feuerversicherung angeboten. "Wir stehen auf gesunden Beinen", bilanziert Broder Grünberg. Annähernd eine halbe Millionen Euro an Rücklagen stehen für Versicherungsleistungen bereit. Umgerechnet sind das acht Jahresbeträge aller 500 Mitglieder.

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