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Husumer Nachrichten

23. August 2017 | 23:32 Uhr

Bürgerdialog : Vernetzung der Generationen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Großes Interesse bestand auch am dritten Mildstedter Bürgerdialog „Wir im Quartier“. Professor Dr. Rainer Fretschner von der Universität Kiel referierte zum Thema „Alt werden auf dem Land“.

Das Interesse in der 4000-Einwohner-Gemeinde Mildstedt ist riesengroß: Auch anlässlich des dritten Bürgerdialoges unter der Überschrift „Wir im Quartier“ war der Saal proppenvoll. Neben Koordinatorin Gesa Wulff aus Kiel sowie Bürgermeister Bernd Heiber, mehreren Gemeinderäten, Pastor Peer Munske sowie Vorstandsmitgliedern von Sozialverband (SoVD), DRK und Parteien war als Hauptakteur Professor Dr. Rainer Fretschner von der Universität Kiel dabei. Er gilt landesweit als Koryphäe im Bereich „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Alter und Demographie“. Nach Lauenburg ist Mildstedt die landesweit zweite Gemeinde, die das umfangreiche Programm „Wir im Quartier“, das eine umfangreiche Vernetzung innerhalb der großen Gemeinde beinhaltet, umsetzt.

Lob von Koordinatorin Gesa Wulff: „Mildstedt ist auf einem guten Wege. Die Arbeit, die in Mildstedt ehrenamtlich vorangetrieben wird, ist ganz besonders hervorzuheben.“ Um das Thema „Alt werden auf dem Land“ ging es in diesem dritten Bürgerdialog. Am Ende der Projektplanung soll eine Förderung in Höhe von 100.000 Euro durch das Deutsche Hilfswerk erreicht werden. Die Chancen dazu stehen augenblicklich gut.

In seiner Begrüßung sagte Awo-Vorsitzender Hans-Peter Henkens, der die Angelegenheit als Gemeinschaftsarbeit mit der Gemeinde bezeichnete: „Ich wünsche mir, dass viele Bürger Mildstedts in den Dialog miteinander eintreten, um Wünsche einzubringen und Ideen zu entwerfen – für die gemeinsame Entwicklung unseres Ortes. Unser Leitziel ist es, für die Zukunft Konzepte zu entwickeln, damit alle selbstständig und gemeinschaftlich in unserer vertrauten Umgebung bleiben können – auch wenn der Unterstützungs- und Hilfsbedarf wächst.“ Bürgermeister Bernd Heiber stellte fest, dass ein Netzwerk, welches den Bedarf der Unterstützungssuchenden mit den Unterstützungsanbietenden koordiniert, eine tolle Sache wäre.

In seinem Fachvortrag verband Fretschner das Projektvorhaben mit seinen eigenen „Gegebenheiten“: „Meine Großmutter hat ihren Heimatort nie verlassen und ist dort auch mit 99 -einhalb Jahren gestorben. Für sie bedeutete Lebensqualität immer, in diesem Ort zu sein. Ihre Pflege übernahmen meine Mutter und ihre Tante. Für meine Eltern sieht das Älterwerden dagegen anders aus, meine beiden Schwestern und ich wohnen weit entfernt und können die Pflege nicht übernehmen.“ Wie sehen altersfreundliche Kommunen aus? „Meine Lebensqualität hängt auch davon ab, wie weit es bis zum nächsten Geldautomaten, zum Kaufmann oder zum Buch- und Zeitungsladen ist. Entscheidend aber auch: Wie kann ich nach meinen Vorstellungen leben – und wird meine Identität, mein Sein – wertgeschätzt? “ Der Professor sagte auch: „Für Mildstedt ist eine sehr gute Bestandsaufnahme vorgenommen worden. Jetzt brauchen wir eine Perspektive – eine Vision.“

Vehement forderte ein Einwohner: „Die Grundeinstellung, dass die Alten nichts wert sind, sollte ganz radikal beseitigt werden.“ Zu bedenken gab ein anderer: „Man muss die Hilfe aber auch wollen – und annehmen. Auch, wenn es manchmal unangenehm ist.“ Auf die Netzwerkfunktion wies ein anderer älterer Teilnehmer hin: „Wenn ich Probleme mit meinem PC habe, gehe ich zuerst zu meinem Nachbarn. Wenn der nicht weiter weiß, kennt er jemanden, der sich mit dem Problem auskennt. So kann mir geholfen werden.“ Kritisch bemerkte die Einrichtungsleiterin des Awo-Pflegedienstes, Susanne Eisenstein, an: „Wir dürfen jetzt aber nicht plötzlich alle Sorgen und Nöte der Kommunen auf die Nachbarn übertragen. Wir sind gut beraten, das richtig Maß an Nachbarschaftshilfe zu finden.“

Insgesamt 210 Mildstedter Haushalte hatten die an alle versendeten Fragebögen beantwortet. Ausdrücklich anerkannt wurde die bestehende Tagespflege – dringend gewünscht wurde eine „Nachtpflege“ – mit dem Hinweis: „Die fehlt im Übrigen auch in ganz Nordfriesland. Aber vielleicht könnte Mildstedt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle übernehmen.“

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