Amtsgericht Husum : Vermeintliche räuberische Erpressung vor Gericht: „Vollpfosten“ wollten gar nichts Böses

Das Amtsgericht in Husum.
Das Amtsgericht in Husum.

Wollten zwei Männer einem anderen in der Innenstadt den Rucksack abnehmen? Vor Gericht klärt sich die Situation.

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09. Februar 2020, 18:00 Uhr

Husum | Zwei Angeklagten vor dem Husumer Amtsgericht im Alter von 32 und 36 Jahren wurde vorgeworfen, im September 2018 einen jungen Mann in der Husumer Innenstadt in die Enge getrieben zu haben. Der Anklage zufolge sollten sie versucht haben, ihm vor der Sparkasse seinen Rucksack abzunehmen, er habe jedoch fliehen können. Die Situation stellte sich jedoch in der Verhandlung als deutlich harmloser heraus, als zunächst angenommen.

Angeklagte waren "schwer betrunken"

Die beiden damals in einer Husumer Gastronomie beschäftigten Männer gaben an, am Tag des vermeintlichen Überfalls „schwer betrunken“ gewesen zu sein. Sie hätten den Zeugen nach Zigaretten fragen wollen. Auf Grund ihres Zustands sei die eigentlich harmlose Bitte wohl falsch verstanden worden. Nachdem der junge Mann aus für die beiden Betrunkenen unerfindlichen Gründen weggerannt sei, hätten sie den Vorfall rasch vergessen – bis sie von der Polizei aufgegriffen wurden.

In der Anklage hieß es auch, die Männer hätten angedeutet, ihnen gefielen Schuhe und Oberteil des Zeugen: „Es war vermutlich eher das Problem, dass wir betrunken waren und er nicht. Da kamen wir uns wohl besonders witzig vor“, versuchte sich der ältere Angeklagte an einer Erklärung. Sie hätten allerdings nie die Absicht gehabt, dem jungen Mann etwas wegzunehmen.

"Die konnten kaum grade laufen"

Der heute 25-jährige Zeuge erklärte vor Gericht auch, ihm sei die Situation damals zwar unangenehm gewesen, die beiden Männer hätten ihn allerdings nicht erpresst. Auch hätten sie ihm wahrscheinlich nichts abnehmen wollen. Sie hätten ihn angenuschelt und sich auf seine Schultern gestützt – er hätte sich aber wohl befreien können, wenn er das gewollt hätte. „Da habe ich in dem Moment aber gar nicht drüber nachgedacht“, so der 25-Jährige, „die beiden konnten ja auch kaum gerade laufen.“ Als ihm die Situation dann doch bedrohlich vorgekommen sei, habe er sofort die Flucht ergriffen. Vor Gericht entschuldigten sich die beiden Angeklagten reumütig bei ihrem „Opfer“: „Entschuldige, dass du wegen uns beiden Vollpfosten so einen Ärger hattest.“ Letztlich beschränkte das Gericht die Anklage noch auf Nötigung, bevor das Verfahren eingestellt wurde. Beide Angeklagten müssen vor einer endgültige Einstellung jedoch noch je 500 Euro als Geldauflage an Ärzte ohne Grenzen zahlen.

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