Mensch des Jahres 2013 : Verlorenes Vertrauen zurückgeben

Nicht nur in seiner kleinen Not-Praxis, sondern auch bei der Husumer Tafel ist Dr. Manfred Fuhst  ein engagierter Helfer.
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Nicht nur in seiner kleinen Not-Praxis, sondern auch bei der Husumer Tafel ist Dr. Manfred Fuhst ein engagierter Helfer.

Die Aktion „Menschen des Jahres 2013“ geht an diesem Wochenende in die entscheidende Phase. Bis Sonntag, 24 Uhr, können unsere Leser abstimmen, welcher der vier Kandidatinnen und Kandidaten im Bereich der Husumer Nachrichten die Auszeichnung erhalten soll.

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16. November 2013, 07:00 Uhr

Die Aktion „Menschen des Jahres 2013“ geht an diesem Wochenende in die entscheidende Phase. Noch bis Sonntag, 24 Uhr, können unsere Leser abstimmen, welcher der vier Kandidatinnen und Kandidaten im Bereich der Husumer Nachrichten die Auszeichnung erhalten soll. Dr. Manfred Fuhst war bereits „Mensch des Jahres“. Für seine ehrenamtliche Arbeit hat ihm das sehr geholfen, sagt er.

Grundsätzlich ist für Dr. Manfred Fuhst weniger mehr. Doch als Arzt weiß er, dass die Welt nicht so ist, wie er sie sich wünscht. Und so hat der „Mensch des Jahres 2012“ inzwischen auch nicht weniger, sondern mehr zu tun, als ihm lieb ist. Ein Umstand, an dem sich so schnell nichts ändern dürfte, obgleich der 69-Jährige offiziell gar nicht mehr praktiziert.

Dafür kümmert sich Dr. Fuhst seit April 2010 um Menschen, für die Arztbesuche eine beinahe unüberwindliche Hürde darstellen. Einmal wöchentlich – immer donnerstags von 11 bis 13 Uhr – verwandelt der Unfallchirurg und Sozialmediziner dafür einen Schlafraum der Bahnhofsmission in ein Behandlungszimmer. Und dank der Unterstützung durch den Rotary-Club hat die „Praxis Dr. Fuhst für Menschen in sozialer Not“ sogar einen eigenen Medikamentenschrank.

Doch Erkrankungen und deren Behandlungen sind nur ein Teil seiner ehrenamtlichen Arbeit, denn oft ist das Gespräch die beste Medizin. „Es geht um die Menschenwürde“, versucht Fuhst die Sache auf den Punkt zu bringen.

Viele seiner Patienten haben nicht nur ihre Krankenversicherung, sondern auch das Vertrauen in die Menschheit verloren. „Das gilt es wiederherzustellen“, sagt er. Die Rückkehr unter den Rettungsschirm des Gesundheitssystems ist da nur ein Aspekt. Noch wichtiger sind der Beruf und ein geregelter Lebensalltag. „Es kann und darf nicht sein, dass diese Menschen denken: Ich bin doch nichts mehr wert“, betont Fuhst.

Im besten Fall kommen seine Patienten nur einmal zu ihm, weil sie danach selbst den Weg in den „Regelkreislauf“ zurückfinden. Aber das klappt leider nicht immer. Die Wahl zum „Menschen des Jahres“ hat für sich für den Husumer Mediziner und seine Arbeit „sehr positiv ausgewirkt. Ich habe gesehen, dass das, was ich mache, bei den Bürgern ankommt.“ Fuhst nahm es als Ansporn fortzufahren – „und noch einen Schritt weiter zu gehen“. Einmal wöchentlich besucht er die städtischen Schlichtwohnungen in der Richard-von-Hagn-Straße. Hier ist die Verzweiflung besonders groß und der Gesprächsbedarf hoch. „Keine Arbeit, keine Wohnung – keine Wohnung, keine Arbeit“ lautet die Formel, unter der diese Menschen leiden. Aber Fuhsts Arbeit zeigt Wirkung: „Bei etwa der Hälfte habe ich hinterher schon das Gefühl, dass sie erleichtert sind“, berichtet der Arzt und wirkt selbst ein bisschen verwundert, als er den Satz „Das macht mir viel Freude“ hinzufügt.

Ein Beispiel aus seiner zweiten ehrenamtlichen Tätigkeit für die Husumer Tafel belegt allerdings, wie recht er damit hat: „Wenn wir da die Speisen fürs Wochenende ausgeben, sind manche Schmerzen schlagartig weg“, berichtet er. Viele Beschwerden seien eben seelisch bedingt. Und da helfen zu können, tut wohl nicht nur Dr. Fuhst gut. Gleichzeitig beobachtet der Arzt, dass die Besucher der Tafel immer jünger werden. Ein Dilemma, an dem leider auch die Auszeichnung zum „Menschen des Jahres“ nichts ändert. Hier geht es um Grundsätzlicheres.


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