Ausstellung in Tetenbüll : Verborgene Botschaften

Bettina-Maria Berlinicke vor einer der letzten Radierungen ihres Vaters „Nordfriesische Museumsskulptur gegen die Massentierhaltung“, die den Hühnerstall hinter Haus Peters zeigt.
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Bettina-Maria Berlinicke vor einer der letzten Radierungen ihres Vaters „Nordfriesische Museumsskulptur gegen die Massentierhaltung“, die den Hühnerstall hinter Haus Peters zeigt.

Eine Doppelausstellung im Haus Peters in Tetenbüll würdigt das Werk des Grafikers Hartmut R. Berlinicke und zeigt Arbeiten von Foto-Künstler Torsten Richter.

shz.de von
31. August 2018, 15:53 Uhr

Tetenbüll | Wenn Hartmut Berlinicke „schon mal den Untergang erprobt“ und dazu auf einem seiner Bilder nur noch Schiffsmasten aus dem Wasser ragen lässt, dann verrät das viel über die Persönlichkeit dieses Künstlers, über seinen wachen Geist und seinen hintersinnigen, oft skurrilen Humor. Dem Wildeshauser Religionspädagogen und Magister für Kulturwissenschaft, der am 4. März überraschend gestorben war, ist aktuell die Ausstellung „Windige Geschichten“ im Haus Peters in Tetenbüll gewidmet. Es war sein Wunsch, hier seine Werke zu zeigen: Ihm gefiel das Ambiente des historischen Kaufmannsladens und kleinen Museums auf Eiderstedt. Der alte Hühnerstall im Bauerngarten hinter dem Haus hatte Berlinicke spontan zu einer seiner letzten Radierungen inspiriert: „Nordfriesische Museumsskulptur gegen die Massentierhaltung“. Kritisches Statement eines Künstlers, der mit seinen Arbeiten zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln einlädt. Sensibel, tiefsinnig und hintergründig, manchmal aufmüpfig und provokativ, oft verschmitzt und ironisch, griff der Künstler Themen auf, die ihm am Herzen lagen: Tod und Religion, Holocaust und Judentum, aber auch Landschaft, Natur und Architektur. „Hinter Hartmut Berlinickes Humor steckt unglaublich viel Wissen“, sagte sein Freund und Künstler-Kollege Otto Beckmann zur Ausstellungseröffnung in einer sehr persönlichen Einführung. In jedem seiner Bilder finde man versteckte Botschaften und „Um-die-Ecke-Gedachtes“.

Wie komplex das Werk dieses Meisters der Radierkunst ist, der – wie Beckmann feststellte – an „allen Spielarten der Grafik“ interessiert war, vermittelt nachdrücklich die Auswahl der Arbeiten, die im Haus Peters zu sehen sind. Da schlängelt sich unter dem Titel „Je länger, je lieber“ eine Geißblatt-Ranke, die aus einem Tintenfass wächst, über einen eng beschriebenen Brief. Da schaufelt ein Wasserrad mit Hilfe von Büchern „erschöpfendes Wissen“. Da verspritzt ein Trecker bildfüllend Gülle: „So ein Mist“.

Die Titel geben Hinweise, lenken den Blick, aber man muss schon genau hinschauen, um auch die kleinen, verborgenen Botschaften zu entdecken, die vielen, raffiniert versteckten Anspielungen, Zitate und ironischen Anmerkungen.

Parallel zu Berlinickes Bildern ist auch diesmal eine Ausstellung mit fotografischen Arbeiten zu sehen. Der Brunsbütteler Künstler Torsten Richter hat sich unter dem Titel „Neuland/Hinterland“ auf Spurensuche vor seiner Haustür in Dithmarschen begeben, sich ins Hinterland begeben, um daraus Neuland für sich zu gewinnen. Seine Arbeiten in Mixed-Media-Technik, die digital Malerei und Fotografie vermischen, sind intensiv gestaltete Neuschöpfungen von elementarer Eigenständigkeit. In atmosphärisch dichten Bildern verfremdet Richter die Realität und macht eine dahinter liegende Wirklichkeit sichtbar, die seine subjektive, innere Wahrnehmung spiegelt.

Die Doppelausstellung Hartmut R. Berlinicke „Windige Geschichten“ (Grafik) und Torsten Richter „Neuland/Hinterland“ (Fotografie) ist bis zum 28. Oktober im Haus Peters zu sehen. Öffnungszeiten bis Ende September: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, ab Oktober: dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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