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Eisgang im Husumer Hafen : Väterchen Frost ärgert die Kapitäne

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Minusgrade, Ostwind und Eisschollen: Im Hafen kamen in diesem Winter erstmals Schlepper und Eisbrecher zum Einsatz. Dauer-Niedrigwasser verhinderte zudem die geregelte Fahrt an die Kaimauer.

Frostige Temperaturen und anhaltender Ostwind haben dem Hafen-Betrieb zuletzt ganz schön zugesetzt. „Durch das Dauer-Niedrigwasser waren einige Kapitäne gezwungen, auf Reede zu gehen und dort einen günstigen Moment zum Einlaufen abzuwarten“, sagt Michael Hinz, Kapitän der Schifffahrtsabteilung von ATR Landhandel. Aber viele solcher Momente habe es gar nicht gegeben.

Zu Beginn der vergangenen Woche war zu allem Überfluss auch noch der Hafen zugefroren. „Das geht bei zweistelligen Minusgraden ganz schnell“, weiß Hinz. So kamen am Montag erstmals in diesem Winter Schlepper und Eisbrecher zum Einsatz, damit der Güterverkehr im Hafen nicht zum Erliegen kommt. Aber die Schiffe brachen nicht nur das Eis im Hafen auf; sie machten auch gleich die Fahrrinne der Husumer Au frei. Ein Schiff hatte Probleme mit den Bugstrahlruder und sollte in den Hafen geschleppt werden. Davon profitierte ein zweiter Frachter, der noch immer draußen vor Anker lag. Durch den Eisgang dauerte die Fahrt allerdings deutlich länger als gewöhnlich. Ein Vorgang, der sich beim Anlegen wiederholen sollte. Tatsächlich mussten die Schiffe das eine oder andere Manöver fahren, um die Eismassen an der Pier beiseite zu schieben.

Probleme ganz anderer Art hatte der Kapitän eines niederländischen Frachters, dessen Reeder offenbar gepokert und das Schiff nicht auf kälteresistenten Winter-Diesel umgestellt hatte. Eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. „In kürzester Zeit wurden so 35.000 Liter Brennstoff unbrauchbar“, berichtet Hinz. Da kommt bei 600 Euro pro Kubikmeter Diesel – ein Kubikmeter entspricht 1000 Litern – schon eine ganz ordentliche Summe zusammen. Und damit nicht genug: „Das Schiff musste mehrere Tage in Husum bleiben, damit die Kraftstofftanks, aber vor allem Leitungen und Filter von dem ausgeflockten Diesel gereinigt werden konnten.

Hinz’ Handy brummt. Am anderen Ende ist das bruchstückhafte Englisch eines russischen Kapitäns zu hören. Der Mann bittet um Hilfe. Er habe gerade auslaufen wollen, dürfe aber nicht. Die Wasserschutzpolizei hindere ihn daran. Und dafür hat sie offenbar auch beste Gründe, denn die Seekarten des Kapitäns sind doch ein bisschen sehr antik. Hinz lässt ihm neue an Bord bringen. Danach ist auch die Polizei zufrieden, und der Russe kann den mittlerweile eisfreien Hafen verlassen.

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erstellt am 02.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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