Husum: Tourismus-Strategie 2025 : Urlaubsort Husum: Jetzt spucken alle in die Hände

Tourismus-Talk mit Dirk Nicolaisen, Uwe Schmitz, Kai Ziesemer, Jan Sönnichsen und Frank Behrens (v. l.)
Tourismus-Talk mit Dirk Nicolaisen, Uwe Schmitz, Kai Ziesemer, Jan Sönnichsen und Frank Behrens (v. l.)

In der Strategie-Diskussion um die Zukunft des Tourismus in Husum war Aufbruchstimmung zu spüren.

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30. November 2017, 11:00 Uhr

Die Aufbruchstimmung war unüberhörbar, als im Rathaus Dienstag Abend diskutiert wurde, mit welcher Strategie der Tourismus in der Stadt fortentwickelt werden soll. Etliche Zuhörer, vor allem aus Politik und Wirtschaft, wollten ganz genau wissen, was und wo zuerst zu tun ist. Den Schwung hatte vor allem die Botschaft von Bürgermeister Uwe Schmitz gebracht, die Lokale Tourismus Organisation (LTO) mit Namen „Nordseeküste Nordfriesland“ stünde vor ihrer Gründung als Verein. Unter ihrem Dach werden die Interessen mehrerer Regionen gebündelt – eine Bedingung, die das Land vor jeder weiteren finanziellen Förderung von Projekten gestellt hatte.

Ermuntert fühlten sich viele aber auch durch die zahlreichen Vorschläge, die die eingeladenen Fachleute machten. So riet Jan Sönnichsen, Geschäftsführer der Destination Lab (Flensburg/Berlin), der bereits etliche Urlaubsorte wie Heiligenhafen und Timmendorfer Strand auf dem Weg in die Zukunft begleitet hat: „Es braucht vor allem Mut.“ Dann solle man nach „Machern“ suchen, also potenten Akteuren, die als Investoren oder Unternehmer Projekte voranbringen könnten. Als nächstes müsse ein verantwortliches Team gebildet werden, das die Diskussion auf eine breitere Basis stellt. Hinzu müsse in jedem Fall ein Berater von außen mit seinem unverstellten Blick kommen. Außerdem sei von allen Konsequenz gefordert, also der feste Wille, die Dinge hin zu vereinbarten Zielen voranzutreiben. Schließlich – und das unterstrich Sönnichsen – komme es auf die Akzeptanz in der Bevölkerung an. In allen beratenen Orten hätten die Einwohner ab einem bestimmten Punkt erkannt, dass die touristische Entwicklung ihrer Gemeinde ihnen selbst einen eigenen „Wohlfühlcharakter“ beschert.

Auch Frank Behrens, der bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH) etliche Hotelansiedlungen begleitet hat, trug zur Dynamik unter den Zuhörern bei. Mit dem Neubau eines Hotels sei es nicht getan, sagte er und deutete die Spannweite kommunaler Aufgaben an, die damit verbunden seien. So frage er Investoren gerne als erstes: „Wer kocht bei Ihnen?“. Schnell werde damit das hinlänglich bekannte Problem, dass Fachkräfte nur schwer zu gewinnen seien, zum „Risikofaktor einer Investition“. Findet ein Küchenmeister für seine Familie in der Gemeinde überhaupt bezahlbaren Wohnraum? „Und wie steht es um Kitas und Schulen für seine Kinder?“

Vorbei sei die Zeit „namen- und seelenloser Hotels“, die mangels Modernisierung oder schwieriger Nachfolgeregelung vom Markt verschwinden und durch Neugründungen mit markantem Profil ersetzt werden – etwa durch das Yoga-Hotel in St. Peter-Ording oder das „50’s Seaside Motel“ in Büsum voll im Retro-Stil mit schwarzem Telefon mit Wählscheibe im Zimmer.

Mit überraschenden Zahlen hatte zuvor Kai Ziesemer den Abend eingeleitet. Der Leiter Strategie und Entwicklung am Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) in Kiel begleitet die Stadt bereits seit Jahren auf ihrem Weg zum „Knotenpunkt der gesamten Westküste“, wie er zwischen allen Fakten kurz ins Schwärmen geriet. Wenn er alle Arbeitsverhältnisse im Tourismus addiere, komme man schon heute rechnerisch auf 2580 Vollzeitkräfte, die in der Stadt von der Branche leben. Ihr Einkommen belaufe sich auf 74 Millionen Euro, erläuterte der Volkswirt. Aussagekräftiger sei ein Vergleich: Während landesweit der Tourismus mit nur sechs Prozent zum Volkseinkommen beitrage, seien dies in Husum 15 Prozent – also mehr als das Doppelte.

Unruhig erkundigte sich Horst Bauer, Vorsitzender der SPD-Fraktion, gleich mehrmals, was denn nun zuerst zu tun sei. Bürgermeister Uwe Schmitz antwortete, dass er in Kürze mit Kai Ziesemer die Pläne zur Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur fortschreiben werde. Und er erwarte Signale aus den politischen Gremien, damit die an dem Abend spürbare Aufbruchstimmung auch erhalten werden könne. „Fest steht, wir müssen nach außen geschlossen und selbstbewusst auftreten.“

Peter Cohrs, Unternehmer und Sprecher des Commerziums, gratulierte in der Tagung zur positiven Entwicklung und erkundigte sich ebenfalls, was nun vorrangig zu tun sei. Er fragte, wo die Koordination der erforderlichen Schritte geleistet werden könne – etwa im Rathaus? Uwe Schmitz antwortete, dass dies „gegebenenfalls mit eigenem Personal, aber vor allem durch externe Unterstützung“ geschehen sollte.

Als „Perle, die nun aufpoliert werden soll, damit jeder ihre Schönheit erkennt“, bezeichnete Dirk Nicolaisen die Stadt Husum. Der inzwischen pensionierte Tourismus-Experte der Industrie- und Handelskammer moderierte den Abend und rief dazu auf, die Projekte von einer breiten Gemeinschaft der Bürger tragen zu lassen.

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