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Schwertransporte nerven Autofahrer : Unvernunft ist die größte Gefahr

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kein Durchkommen bei vielen Schwertransporten auf der B 200, denn die Polizei lässt keine Autos in Konvois einscheren. Die Unfallgefahr ist einfach zu groß, viele Verkehrsteilnehmer werden durch die vielen Blinklichter stark irritiert.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Wenig Verkehr auf der B 200, flott geht es von Flensburg Richtung Husum oder umgekehrt. Doch plötzlich ein Meer von Blinklichtern. Unfall? Nein, wieder einer dieser vielen Schwertransporte, die mittlerweile nicht nur die Verkehrsteilnehmer, sondern auch die sie begleitenden Polizeibeamten nerven. Denn immerhin, die Mitarbeiter des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Nord, Fachdienst Bezirk Husum, sind wegen ihnen nahezu jede Nacht unterwegs. Das wird unter anderem an den Zahlen deutlich, die Lothar Gahmann, Sprecher des Landespolizeiamtes, nennt. Im Jahr 2006 gab es in Schleswig-Holstein 2909 von der Polizei begleitete Schwertransporte, im vergangenen Jahr waren es bereits 5330.

Jeder Verkehrsteilnehmer, der schon einmal hinter solch einer blinkenden Karawane auf der Straße unterwegs war, kennt das Gefühl der Ohnmacht. Schließlich herrscht Überholverbot und der Konvoi hält auch nicht an, um den aufgestauten Verkehr vorbeifahren zu lassen. Und das hat seine guten Gründe, wie Ulrich Kropp, Leiter des Husumer Bezirksreviers erläutert. „Wir haben schon die dollsten Dinge erlebt. Wir gehen lieber auf Nummer sicher“, sagt er. Als Beispiel nennt er Situationen, bei denen er mit einem Polizeibus mit Blaulicht, blauem Blitzlicht und blinkendem Fernlicht halb auf der Gegenfahrbahn dem Verkehr entgegenrollte, um so vor der extremen Überbreite des nachfolgenden Schwertransporters zu warnen. Doch man glaubt es nicht, was Polizist Kropp berichtet. „Ohne vom Gas zu gehen heizen einige Fahrer an uns vorbei, um dann mit ihren Wagen schlingernd auf den Seitenstreifen auszuweichen, weil ihnen ja halb auf ihrer Fahrspur das breite Fahrzeug entgegenkommt.“

Das ist auch die Erklärung, warum am Montagabend auf der B 200 in Viöl eine längere Wartezeit in Kauf genommen werden musste. Türme für die Windkraftanlagen des Bürgerwindparks Norstedt vom Typ Senvion 3XM wurden angeliefert. Doch die Transporter konnten nicht einfach von der B 200 auf die L 28 abbiegen. Sie fuhren also mit Überbreite und -länge bis an den Kreisverkehr heran, um dann rückwärts auf den Aldi-Parkplatz zu stoppen. Von dort ging es dann wieder geradeaus vorwärts auf die L 28. Die im Kreisverkehr wartenden Autofahrer hatten nach dem ersten Rangiermanöver gehofft, dass sie von den Polizeibeamten an den wartenden Schwertransportern vorbeigelassen werden, ehe das nächste Fahrzeug den komplizierten Abbiegevorgang einleitete. Doch viel Geduld war gefragt. Ein Turmteil nach dem anderen nahm ganz langsam den Weg über die Parkplatzeinfahrt Richtung Norstedt – erst dann wurde die Bundesstraße wieder für den Verkehr in Richtung Nord und Süd freigegeben.

„Früher haben wir das anders geregelt, doch es ist einfach zu gefährlich“, sagt dazu Ulrich Kropp. Das Blinklicht, der Stress vom langsamen Hinterherfahren und das Warten führen oftmals zu nicht vorhersehbaren Situationen. „Einige Autofahrer bringen dann nicht nur uns, sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr.“ Daher habe man sich entschlossen, Schwertransportkonvois nicht mehr für Fremdfahrzeuge zu öffnen.

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