Nordstrand : Unterricht der ganz besonderen Art

Ganz schön hart, so ein Schnabel: Ertasten, Fühlen und Fragen sind wichtige Bestandteile des Projektes. Foto: rah
Ganz schön hart, so ein Schnabel: Ertasten, Fühlen und Fragen sind wichtige Bestandteile des Projektes. Foto: rah

Jugendliche Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer bringen Kleinkindern auf Nordstrand den Lebensraum Watt näher.

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25. Februar 2013, 09:28 Uhr

Nordstrand | "Guten Morgen, liebe Kinder. Heute geht es um Vögel", sagt mit strahlenden Augen Carina Betz (19) von der Schutzstation Wattenmeer Nordstrand. Sie sitzt inmitten einer fröhlichen Runde im Evangelischen Kindergarten Nordstrand-Odenbüll. "Wir haben Berg-Ente Harald mitgebracht", fährt Kollege Laurens Korossy (18) fort. Die jungen Leute machen in der Einrichtung ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

Heute starten sie ihr Kita-Projekt Lebensraum Watt. Diesmal sind die ganz Kleinen dran: 14 Kinder der Seepferdchengruppe, sechs Mädchen und acht Jungen, im Alter zwischen 13 Monaten und drei Jahren. An vier Tagen in den kommenden vier Wochen werden sie vieles über Fauna und Flora und die Besonderheiten des Nationalparks Wattenmeer erfahren, kindgerecht aufgearbeitet. "Das ist eine Herausforderung, mit den Kleinsten haben wir noch nicht gearbeitet", verrät Carina Betz.

Etwas aufgeregt sind sie schon. Doch das Lampenfieber verfliegt im Nu, als sie in leuchtende, wissbegierige Kinderaugen blicken. Wie gebannt lauschen die Lütten und mit ihnen die Erzieherinnen Gudrun Thoms und Sabine Kob. Jeder darf den ausgestopften Erpel Harald streicheln, das weiche Federkleid und den harten Schnabel ertasten.

Nicht alle Kids trauen sich beim ersten Mal. Nach ein wenig Zuspruch klappt es aber. "Wie macht eine Ente?", will Laurens wissen. "Quack, Quack" - die spontane Antwort - fast wie im Chor. Wie aus einer Wundertüte holt Carina Muscheln, Schneckenhäuser oder Federn verschiedener Vögel aus ihrem Beutel und breitet alles auf dem Boden aus. Kurz und verständlich erklärt sie den Kindern, wovon sich Enten ernähren oder wie sie die Schnecken aus ihren Häusern bekommen.

"Das kitzelt", ruft Maja, als sie mit einer Feder über ihre Hand streicht. Alle dürfen sich schließlich eine aussuchen und mit nach Hause nehmen. Im Teamwork wird noch ein Vogel aus Papier gebastelt. Rasch ist die Stunde vorbei. Genug für die Kinder. "Für die Kleinen sind das viele neue Eindrücke gewesen", ist sich Carina sicher. Gut gelaunt stimmt sie das Lied "Kommt ein Vogel geflogen" an. Laurens greift zur Gitarre und die muntere Schar singt schließlich mit.

Nächste Woche geht es weiter mit dem spielerischen Unterricht der besonderen Art. Im Frühjahr sind die größeren Kinder dran. Sie werden auch einen praktischen Teil im Watt am Fuhlehörner Strand erleben. "Das hat uns Spaß gemacht", so das Fazit der beiden Jugendlichen. Sie seien froh, sich für die Arbeit in der Schutzstation entschieden zu haben. Die erweitere den Horizont für das ganze Leben und die Aufgaben seien vielfältig. Sie reichten von der Vogelzählung, über Führungen von Touristen, bis hin zur Arbeit in Kindergärten und Schulen. "Mein Berufsziel ist Umweltpädagogin", sagt die aus dem Schwabenländle stammende 19-Jährige. Der in Niedersachsen lebende Laurens möchte ein naturwissenschaftliches Studium aufnehmen.

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