Konjunktur-Umfrage : Unternehmer hadern mit Datenschutz-Gesetz

BBNG-Geschäftsführerin Ute Gabriel-Boucsein mit dem Vize-Chef des Unternehmensverbandes, Dieter Wade, und den Geschäftsführern Ken Blöcker und Sebastian Koch (v. l.).
BBNG-Geschäftsführerin Ute Gabriel-Boucsein mit dem Vize-Chef des Unternehmensverbandes, Dieter Wade, und den Geschäftsführern Ken Blöcker und Sebastian Koch (v. l.).

Die Wirtschaft in Nordfriesland brummt. Aber die Unternehmen klagen über überzogenen Datenschutz und Bürokratie.

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22. Juni 2018, 07:00 Uhr

Die Wirtschaft in Nordfriesland floriert – keine Frage! Die Auftragslage ist beinahe durch die Bank hervorragend, das weist die aktuelle Konjunktur-Umfrage des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste (UVUW) aus. Fast jedes dritte Unternehmen gibt an, zu mehr als 90 Prozent, rund 35 Prozent sogar komplett ausgelastet zu sein. Noch nie wies das Konjunktur-Barometer für Nordfriesland derart hohe Werte aus, die derzeit auch von keinem anderen Kreis im Verbandsgebiet getoppt werden. Gleichzeitig sind viele Unternehmen an der Westküste dabei, kräftig zu investieren und mehr Personal einzustellen – so der Arbeitsmarkt das denn überhaupt hergibt.

Dieses positive Stimmungsbild, das nur von Unsicherheiten in Zusammenhang mit der generellen wirtschaftlichen Entwicklung getrübt wird, vermittelten die beiden Verbands-Geschäftführer Ken Blöcker und Sebastian Koch sowie der Vize-Vorsitzende Dieter Wade gestern bei ihrer Halbjahres-Pressekonferenz in den Räumen der Bürger-Breitband-Netz-Gesellschaft (BBNG). Grundlage bildet eine UVUW-Umfrage, an der 133 – darunter 23 aus Nordfriesland – von insgesamt rund 400 Unternehmen teilgenommen hatten.

Mehr noch als die Dauerbürde bürokratischer Hürden und Hemmnisse, über die inzwischen vier von fünf Firmen-Chefs klagen, beschäftigen die Unternehmen zurzeit allerdings die zweifelhaften Segnungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). „Die trifft in Nordfriesland vor allem den Mittelstand“, erklärte Blöcker. „Und dabei wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Betriebe, die schon vorher ordnungsgemäß mit Kundendaten umgegangen seien, würden nun durch überzogene Vorschriften verunsichert und gegängelt, kritisierte Koch. Den meisten beschere das einen enormen Zeit- und Personalaufwand sowie Kosten in vier- oder gar fünfstelliger Größenordnung bis zu 50.000 Euro und mehr. „Auch wir sind mit 20.000 Euro dabei“, sagte Dieter Wade – er ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Adolf Nissen Elektrobau in Tönning. Wade nannte die DSGVO „so unnötig wie einen Kropf“. Und auch BBNG-Geschäftsführerin Ute Gabriel-Boucsein bestätigte: „Bei uns ist das schon extrem.“

Ein anderes Problem entwickelt sich zum Dauerbrenner für die Wirtschaft im Norden: Auch in Nordfriesland spitzt sich die Situation auf dem Fachkräftemarkt weiter zu. Mittlerweile klagen 57 Prozent aller Befragten darüber, dass der Mangel an Fachkräften ihr Unternehmen belastet. Mehr als jeder Fünfte gibt inzwischen an, überhaupt keine entsprechend qualifizierten Mitarbeiter mehr zu finden. Immer länger dauert es denn auch, bis Stellen (wieder)besetzt sind – in den meisten Fällen 30 bis 60 Tage, in jedem vierten Unternehmen 90 Tage oder sogar länger. Des einen Freud, des anderen Leid: Das Lohnniveau steigt – weil Fachkräfte entweder gehalten oder abgeworben werden müssen. Aber: „Da setzt sich eine gefährliche Schraube in Bewegung“, mahnte Dieter Wade. Denn hohe Personal- und Arbeitskosten hemmen heute schon viele Betriebe.

Die Rückkehr zur paritätisch, also je zur Hälfte von Arbeitgebern und von Arbeitnehmern finanzierten Krankenversicherung, bereitet dem Gros der Firmen dagegen keinen Kummer. 63 Prozent der Befragten erwarten nicht, dass dies zu Lasten von Wettbewerb, Wachstum und wirtschaftlicher Entwicklung geht.

Von anderen Faktoren lässt sich das nicht behaupten: Den desolaten Zustand der Bundesstraße 5 beklagen 44 Prozent der Unternehmen, und 30 Prozent eine unzureichende Versorgung mit schnellem Internet. Nach der Marschbahn-Misere hatte der Verband gar nicht erst explizit gefragt. Denn die belastet ohnehin alle – pendelnde Arbeitnehmer ebenso wie deren Arbeitgeber. „Es ist ein Unding, dass die Bahn ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt“, so Sebastian Koch. Und: „Es ist richtig, dass der Wirtschaftsminister dort die Daumenschrauben anzieht.“

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