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Husumer Commerzium : Unternehmer für die Region gesucht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Husumer Commerzium sensibilisiert die Wirtschaft der Storm-Stadt für ein wachsendes Problem, das schwerwiegende Folgen für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen haben kann.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 09:00 Uhr

Es war ein Thema, das weit mehr Menschen betrifft, als zunächst ersichtlich schien: „Herausforderung Unternehmensnachfolge“ hatte Referent Hartmut Winkelmann von der HWB-Unternehmensberatung in Kiel seinen Vortrag überschrieben, den er im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des Commerziums im Nordsee-Congress-Centrum vor Mitgliedern aller Husumer Wirtschaftsvereine hielt. Denn für immer mehr mittelständische Unternehmen fehlen Nachfolger in der Führungsetage. Die Folge: Firmen werden von Branchenriesen aufgekauft, Arbeitsplätze in der Fläche abgebaut und die wirtschaftliche Kraft der Metropolregionen weiter gestärkt, während kleinere Städte wie Husum verlieren.

„Eine bedrohliche Entwicklung und eine große Herausforderung für Politik und Wirtschaft“, so Winkelmann. In Schleswig-Holstein und Hamburg stünden in den nächsten zehn Jahren Nachfolgeregelungen für 14.000 mittelständische Firmen an. „Doch es fehlen Köpfe – die Nachfolgegeneration ist von der absoluten Anzahl her ein Drittel kleiner als die abgebende Generation.“ Zudem hätten die potenziellen Nachfolger eine völlig andere Haltung zum Unternehmertum als die Älteren, die die Firma selbst gegründet hätten: „Der Nachwuchs will nicht mehr so viel arbeiten wie die Senioren, für die die Firma oft der einzige Lebensinhalt war. Und junge Wirtschaftswissenschaftler wollen nach dem Studium lieber Beamte werden. Auch deswegen, weil Unternehmer inzwischen einen moralisch verwerflichen Ruf haben – schauen Sie sich mal einen beliebigen Krimi an, da sind die fast immer die Bösen“, so Winkelmann.

Die Weitergabe der Firmenführung innerhalb der Familie sei deutlich rückläufig. „Die liegt inzwischen nur noch bei 40 bis 45 Prozent.“ Denn nicht immer seien Söhne und Töchter auch dafür geeignet. Wenn dann im Unternehmen selbst auch kein geeigneter Mitarbeiter zu finden ist, müssen Externe her: „Und da wissen viele Unternehmer nicht, wo sie die finden können, während diejenigen, die übernehmen wollen, nicht wissen, wen sie fragen sollen.“

Die beiden Seiten zusammenzubringen sei eine „Riesen-Aufgabe“. Denn die Konsequenz sei immer ein Verkauf zu geringeren Preisen oder gar die Schließung der betroffenen Firma – mit entsprechendem Verlust an Jobs und Steuereinnahmen. Unternehmensverbände und die Landespolitik hätten das Problem glücklicherweise erkannt und auch die Industrie- und Handelskammern bemühten sich bereits, kreuz und quer Kontakte herzustellen. „Die Welle, die ich beschrieben habe, ist bedrohlich, aber sie fängt erst an. Insofern können wir noch viel bewegen“, bilanzierte Winkelmann. Und forderte: „Wir müssen junge Menschen für das Unternehmertum in der Region begeistern!“

Es sei wichtig, der Wirtschaft in Husum die Konsequenzen klar zu machen, die die angesprochene Entwicklung mit sich bringe, begründete Commerziums-Vorsitzender Henning Göttsch die Wahl des Vortragsthemas. Auf der Hauptversammlung gab es neben den protokollarischen Tagesordnungspunkten auch einen Nachbericht zur ersten nationalen Windmesse in Husum, die erfreulich erfolgreich verlaufen sei: „Die Wiederbuchungsquote liegt schon bei mehr als 50 Prozent“, sagte Göttsch. Auch andere Großveranstaltungen wie die New Energy oder die Nordish Gaming Convention könnten teils enorme Zuwächse verbuchen. „Das ist ein gutes Zeichen für das Messegeschäft.“

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