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Konjunktur-umfrage an der Westküste : Unternehmer erwarten Impulse von der Politik

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Betriebe entlang der Westküste sehen in Bezug auf die wirtschaftliche Lage positive Trends. Verhaltenen Optimismus und Frust zeigen sie jedoch mit Blick auf den Ausbau der Bundesstraße 5.

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erstellt am 18.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Die Betriebe an der Westküste Schleswig-Holsteins befinden sich in einer „stabilen Seitwärtsbewegung“. So jedenfalls schätzt Heinrich Ritscher die Stimmung von 400 Unternehmern zwischen Brunsbüttel und dänischer Grenze ein, die sich dem Unternehmensverband Unterelbe-Westküste (UUW) angeschlossen haben. In seiner Funktion als Geschäftsführer bezog er gestern zur Konjunkturlage Stellung.

Basis der UUW-Bilanz waren die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Juni. Rund 130 Firmenchefs mit 13 000 Beschäftigten zeichnen darin ein „zwar zuversichtliches, aber nicht gerade prickelndes“ Stimmungsbild. „Wirtschaftlich geht es uns sehr gut“, betont Geschäftsführer Ritscher. Was ihm und den Unternehmern jedoch fehlt, sind die richtigen Impulse seitens der Politik. Denn die bisherigen seien kontraproduktiv, da sie den Mittelstand weiterhin mit erheblichen Steuern belasteten und für unbefriedigende Ergebnisse beim Mindestlohn sorgten. „Ganz und gar nicht befriedigend“ sind aus Ritschers Sicht die Positionen der Großen Koalition in Berlin zu Infrastrukturmaßnahmen.

Frust macht sich deshalb bei den Unternehmen besonders in Bezug auf den Ausbau der Bundesstraße 5 in Richtung Norden breit. „Unsere Signale werden nicht ernstgenommen“, sagt der weitere UUW-Geschäftsführer Sebastian Koch. „Offenbar sieht man in Kiel keinerlei Veranlassung in ein Strukturprogramm einzusteigen“, moniert er. „Die jetzige Regierung hat sich nicht als wirtschaftsorientiert entpuppt, und die erwarteten Impulse für die Westküste und den Unterelberaum wurden wieder nicht gegeben“, heißt es in der Bilanz. Allerdings sei es ein grundsätzliches Problem der Politik, nur in Legislaturperioden zu denken. „Der Unternehmer denkt längerfristig“, sagt Heinrich Ritscher. Koch ergänzt: „Uns fehlt es aber an langfristigen Rahmenbedingungen.“

Dass es an der Westküste zahlreiche Unternehmen gibt, die unter der unbefriedigenden Verkehrsanbindung leiden, berichtete UUW-Vorstandsmitglied Dieter Wade, zugleich Geschäftsführer von Nissen-Elektrobau. Das Tönninger Unternehmen sei europäischer Marktführer im Bereich der Verkehrssignaltechnik und stoße immer wieder an die Grenzen der Verkehrsinfrastruktur an der Westküste. „Wir bekommen unsere Waren nicht raus aus Schleswig-Holstein“, so Wade. Von „überfüllten Straßen“, berichtete auch UUW-Vorstandsmitglied Wolfgang Kinsky. Der Geschäftsführer von Kinsky-Fleischwaren aus Bredstedt erhofft sich sowohl von Landes- als auch Bundesregierung verlässliche Aussagen zur Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur – sowie ebenso in Bezug auf erneuerbare Energien. „Wir warten auf die richtigen Signale“, so Kinsky.

Das macht auch Peter Becker. Der Geschäftsführer der Messegesellschaft Husum war Gastgeber der gestrigen UUW-Jahrespressekonferenz und nutzte das Forum, um für die „Energie“-Messen in Husum zu werben. Seine Aufmerksamkeit gilt seit Wochen den in Berlin stattfindenden Gesprächen zum Thema Energiepolitik. „Es deuten sich Veränderungen an“, erklärt Becker und hofft, dass erneuerbare Energien auch künftig im Fokus der Politik stehen werden, „denn auch davon hängt unser Messe-Standort ab“.

UUW-Geschäftsführer Koch fand abschließend äußerst deutliche Worte: „In Berlin muss mehr für Schleswig-Holstein gekämpft werden. Dort passiert seit Jahren zu wenig.“

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