Husums Müll : Unterhose im Unterholz

Dass man beim Müll sammeln auch Spaß haben kann, bewiesen diese „Saubermänner“ der Hermann-Tast-Schule. Foto: Müllerchen
Dass man beim Müll sammeln auch Spaß haben kann, bewiesen diese „Saubermänner“ der Hermann-Tast-Schule. Foto: Müllerchen

Obwohl der Nachwuchs verstärkt mit anpackt, sinkt die Zahl der freiwilligen Müllsammler stetig. Bei der Aktion "Saubere Stadt" förderten rund 100 Freiwillige wieder einmal Erstaunliches zutage.

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30. März 2009, 12:41 Uhr

Husum | Was Kirstin Osmann von der Bauverwaltung in einem Nebensatz fallen ließ, hörte sich nicht gut an: "Zur diesjährigen Aktion ,Saubere Stadt haben sich nicht viele angemeldet." Es kämen von Jahr zu Jahr immer weniger. Doch beim Zusammenzählen von Vereinen und Verbänden sowie Einzelpersonen, die ihr Mitwirken angekündigt hatten, kam man immerhin auf etwa 100 Helfer. Selbst Schulen hatten zum Mitmachen aufgerufen - mit Erfolg: Unter den Freiwilligen, die sich am Bauhof und an der Kuhgräsung in Rödemis sowie am Haus Kiesselbach in Schobüll trafen, waren zahlreiche Schüler, darunter von der Iven-Agßen- und der Hermann-Tast-Schule.
Gemeinsam für ein gepflegtes Wohnumfeld

Und wer Birgitt Encke einmal im Arbeitsgewand sehen wollte - hier war die Chance gegeben. "Eine saubere Stadt erhöht die Lebensqualität", sagte die Bürgervorsteherin. Damit sei diese Aktion ein wichtiger Bestandteil zur Förderung des öffentlichen Wohls. So sah es auch Hans-Peter Moritz vom Ringreiterverein Jung Husum: "Wir wollen der Stadt helfen, weil sie viel für uns tut." Man wolle sich gemeinsam für ein gepflegtes Wohnumfeld in der Stadt einsetzen.

Doch diese Einsicht ist wohl nicht bei allen Bürgern vorhanden, sieht man sich die "kleine Herde von Müllsammlern" einmal an. Das Erstaunliche dabei: Jugendliche und Kinder sind deutlich in der Mehrzahl. "Die machen uns was vor", mussten Karin und Werner Carstensen aus Husum eingestehen, die sich schon seit Jahren mit ihren drei Kindern an der Aktion beteiligen. Was die freiwilligen Einsatzkräfte dabei vorfanden, verschlug so manchem die Sprache. Ganze Müllsäcke wurden beispielsweise hinter einer Böschung versteckt vorgefunden. "Als gäbe es keine andere Möglichkeit, diesen Müll zu entsorgen", stellte Dieter Richerd sichtlich verärgert fest. Es gibt nichts, was es nicht gibt: Von der Unterhose über zerborstene Glasflaschen, Schuhe und Dosen bis hin zu einem kaputten Mülleimer war alles dabei.
Lauter und früher werben

"Von einer ,Kult-Aktion kann keine Rede sein, davon sind wir hier noch weit entfernt", stellte Maren Clausen enttäuscht fest. Während die Begeisterung in anderen Städten ungebrochen sei, müsse in Husum offensichtlich noch Einiges getan werden, so die Husumerin weiter. Ein älterer Teilnehmer gab zu bedenken: "Ich habe erst gestern von der Aktion erfahren - durch meinen Nachbarn." Der Mann ist sicher, dass sich mehr Freiwillige fänden, wenn die Werbetrommel lauter und frühzeitiger gerührt werden würde.

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